Nicolas Steiner
C&RE Communication & Engagement

Das Wichtigste in Kürze

Die Eignerstrategie ist von grosser Bedeutung, um die privaten Ziele im Zusammenhang mit dem eigenen Unternehmen frühzeitig festzuhalten.

  • Die Eignerstrategie beschreibt Ziele, Werte und Visionen aus der persönlichen Perspektive der Inhaberin oder des Inhabers eines Unternehmens.
  • Sie bringt private und unternehmerische Ziele in Einklang und sichert generationenübergreifend Stabilität.
  • Es ist wichtig, die Eignerstrategie möglichst früh zu definieren.
  • UBS betreut Unternehmerinnen und Unternehmer ganzheitlich und unterstützt sie bei der Entwicklung und Umsetzung der Eignerstrategie.

Was ist eine Eignerstrategie?

Franco Frattura: Wenn Sie oder Ihre Familie ein Unternehmen besitzen, definieren Sie mit der Eignerstrategie aus der Perspektive als Inhaberin oder Inhaber Ziele, Werte oder Visionen, die Sie mit Ihrer Firma verfolgen. Das Gegenstück ist die Unternehmensstrategie, die Ziele und Visionen aus Firmensicht beschreibt.

Die Eignerstrategie trägt der privaten Entwicklung und Ausrichtung Rechnung und verbindet diese mit der langfristigen unternehmerischen Planung. Gerade für Eigentümerfamilien ist die Eignerstrategie entscheidend, um Stabilität zu sichern, Konflikte zu vermeiden und das Unternehmen generationenübergreifend erfolgreich zu führen.

Die Grafik stellt den Unterschied zwischen Eignerstrategie und Unternehmensstrategie dar.

Die Grafik zeigt den Unterschied zwischen Eignerstrategie und Unternehmensstrategie. Die Zeile oben beschreibt Themen und Ziele der Eignerstrategie, die Zeile unten jene der Unternehmensstrategie. In den Kästchen in der Mitte befinden sich die wichtigsten Punkte, die beide betreffen: Wer die primären Akteure sind, was ihre jeweilige Perspektive ist, Zielsetzung, ihr Zeithorizont und ihr Schwerpunkt. Grundsätzlich widerspiegelt die Eignerstrategie die Sicht und die Interessen der Eigentümerin / des Eigentümers, während sich die Unternehmensstrategie allen Aspekten des Unternehmenserfolgs widmet.

Was ist die Basis einer Eignerstrategie?

In der Eignerstrategie bestimmen Sie, welche Ziele Sie einerseits als Unternehmerin oder Unternehmer mit Ihrer Firma und andererseits als Privatperson erreichen wollen, so Frattura. Dabei überlegen Sie sich zwangsläufig auch, wie Sie Ihre privaten und unternehmerischen Ziele in Einklang bringen. Ich empfehle, bei dieser Gelegenheit auch das persönliche Wertesystem zu definieren, an dem Sie sich privat und unternehmerisch orientieren.

Diese grundlegende Klarheit hilft Ihnen bei strategischen Entscheidungen und dient Ihrer Familie sowie den Mitarbeitenden Ihrer Firma als verlässliche Leitlinie. Die Entwicklung der Eignerstrategie beginnt mit der klaren Zieldefinition, der Formulierung einer gemeinsamen Vision sowie der Festlegung zentraler Werte und Leitlinien. Aus diesen Grundlagen werden die Eigentümerinnen- und Eigentümerinteressen konkretisiert – und in strategische Handlungsfelder übersetzt, die langfristige Orientierung und Entscheidungsrahmen bieten.

Ihre Ziele im Fokus

Gemeinsam setzen wir Ihre Ziele in konkrete Erfolge um. Mit unserem Netzwerk und unserem Fachwissen eröffnen wir neue Impulse für Ihr Wachstum.

Lassen Sie uns Ihre Ideen in die Tat umsetzen.

Wann sollte eine Eignerstrategie entwickelt werden?

Der beste Zeitpunkt ist möglichst früh und mit Blick in die Zukunft. Damit Sie sich ohne Druck mit möglichen Szenarien befassen können, die sich in jedem unternehmerischen Leben irgendwann als Schlüsselmomente konkretisieren.

Können Sie uns ein Beispiel für einen solchen Schlüsselmoment geben?

Einer dieser Schlüsselmomente ist die Unternehmensnachfolge. Doch so lange sollte man nicht zuwarten. Denn eine enge Abstimmung privater und unternehmerischer Ziele ist schon früher nötig – zum Beispiel bei der Gründung Ihrer eigenen Firma oder wenn in der Wachstumsphase grössere Investitionen auf dem Tapet stehen.

Wie wirkt sich die Eignerstrategie bei der Unternehmensnachfolge aus?

Angenommen, Sie wollen sich in fünf Jahren zurückziehen, dann wird das der Schlüsselmoment Ihrer Eignerstrategie. Sie sind auf beiden Ebenen gefordert und müssen Entscheidungen treffen sowohl in Bezug auf die Unternehmensnachfolge als auch bei der persönlichen Vermögens- und Nachlassplanung. Beide Aspekte haben grosse Konsequenzen für Ihre Zukunft – und wollen sorgfältig geplant und vorbereitet sein. Welche Baustellen vor, während und nach dem Verkauf zu bearbeiten sein werden, wissen wir aus Erfahrung, denn wir haben schon unzählige Unternehmerinnen und Unternehmer in dieser Phase begleitet.

Deshalb können Sie von unserer Unterstützung nur profitieren – für Sie wird es wahrscheinlich das erste und einzige Mal sein, dass Sie Ihr Lebenswerk verkaufen und sich zur Ruhe setzen. Wir beraten Sie, welche Ziele realistisch sind. Und wir unterstützen Sie dabei, dass Sie diese auch erreichen. Gemeinsam begeben wir uns auf diese Reise. Sie beginnt meist damit, dass Sie Ihr Unternehmen fit machen für den Verkauf. Und sie endet auch nicht damit, dass Sie Ihr neues Vermögen entsprechend Ihren Absichten anlegen – beides stets mit Blick auf Ihre Werte und Ihre persönliche Eignerstrategie.

Braucht es grundsätzlich eine Eignerstrategie?

Wer denkt, darauf verzichten zu können, verwechselt Ursache und Wirkung, denn im Idealfall leitet sich die Unternehmens- aus der Unternehmerstrategie ab. Vor allem aber besitzt und führt häufig ein und dieselbe Person das Unternehmen und ist dessen alleiniger Verwaltungsrat. Sie hat ihre Strategie im Kopf und bei Bedarf vor dem geistigen Auge. Aber erst wenn sie schriftlich festgehalten und – wo angebracht – auch kommuniziert wird, erhält die Strategie der Eignerin oder des Eigners die nötige Verbindlichkeit im Unternehmer- und Familienleben.

Wann kommt die Eignerstrategie besonders zum Tragen?

Die Eignerstrategie ist immer von grosser Bedeutung. Doch gerade wenn Sie in Ihrem eigenen Unternehmen viele Funktionen innehaben, brauchen Sie eine Eignerstrategie. Denn besonders wenn Sie gleichzeitig Inhaber, Verwaltungsrat, Geschäftsführer, womöglich auch noch Stiftungsrat der Pensionskasse sind: Investiert haben Sie Ihr privates Vermögen. Das Kapital Ihrer Firma gehört also nach wie vor Ihnen als Privatperson. Und auch wenn Sie 24/7 an Ihr Unternehmen denken, haben Sie auch noch ein Privatleben. Häufig sind Ihre privaten und Ihre unternehmerischen Interessen diametral verschieden. Überspitzt gesagt: Ihre privaten Ziele können Ihrer Firma sogar schaden.

Genau deshalb ist in dieser Konstellation eine Eignerstrategie so wichtig. Auch wenn ein Unternehmen mehrere Aktionäre hat, sind die Vorteile der Eignerstrategie klar ersichtlich. Ich treffe diese Situation häufig bei zwei Typen von Unternehmen an: Erstens bei Familienunternehmen, die über Generationen gewachsen sind; entsprechend verteilen sich auch die Aktien innerhalb der Familie auf viele Zweige. Und zweitens bei Start-ups mit mehreren Co-Gründern und externen Investoren sowie entsprechend komplexen Eigentümerverhältnissen. In beiden Situationen sind schriftliche Eignerstrategien nicht nice to have, sondern ein Must – ebenso wie wirklich wasserdichte Aktionärsbindungsverträge sowie güter- und erbrechtliche Regelungen.

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Können Sie uns ein konkretes Beispiel zum Nutzen der Eignerstrategie nennen?

Angenommen, Sie haben vor zehn Jahren eine Firma gegründet und seither Ihr ganzes Geld und Ihre ganze Energie in Ihr Baby gesteckt, das jetzt die Expansion ins Ausland plant. Allerdings haben Sie in der Zwischenzeit eine Familie gegründet und der Traum vom Eigenheim nimmt konkrete Formen an. Leider ist dieser Hauskauf gar nicht im Interesse Ihres Unternehmens, das für die geplante Expansion weiteres Eigenkapital von Ihnen benötigt. Sie stehen also vor einem Dilemma: Sollen Sie für sich und Ihre Familie ein Haus kaufen und langfristig Geld sparen – oder Ihrem Unternehmen mit diesem Geld den nächsten Wachstumsschritt ermöglichen?

Was würde eine Eignerstrategie an diesem Dilemma ändern?

Das Szenario «Erwerb von Wohneigentum» ist ja nicht komplett abwegig und wäre schon viel früher auf Ihrem Radar aufgetaucht – und zwar beim Entwickeln Ihrer Eignerstrategie. Sie hätten sich Gedanken gemacht über mögliche Zeitpunkte, Finanzierungen, Handlungsoptionen und so weiter. Also hätten Sie in der Eignerstrategie vielleicht festgelegt, dass in diesem Fall das Haus den Vorrang erhält, sofern Ihr Unternehmen zu diesem Zeitpunkt nicht in Liquiditätsschwierigkeiten steckt. Oder sie hätten die Expansion als erste und den Hauskauf als zweite Priorität eingestuft. Ebenso wäre der Hauskauf für einen Zeitpunkt vorgesehen worden, wenn das Unternehmen viel freie Liquidität erwirtschaftet hat.

Verhindern Eignerstrategien Interessenkonflikte?

Interessenkonflikte können Sie nicht verhindern, sehr wohl aber die Folgen. Weil Sie sich beim Entwickeln der Strategie mit allen möglichen Eventualitäten beschäftigen, werden Sie für die wahrscheinlichsten frühzeitig Lösungen und Handlungsoptionen entwickeln und diese als Teil Ihrer Eignerstrategie festlegen. Das Schadenspotenzial von Interessenkonflikten wird immer kleiner, je besser Sie sich vorbereiten. So schützen Sie sich nicht nur vor Schaden, sondern auch vor platzenden Illusionen und schmerzhaften Landungen auf dem Boden der Realität.

Kurz: Wer Risiken frühzeitig erkennt, kann Krisen besser steuern und die eigene Handlungsfähigkeit sichern. Dazu gehören klare Governance-Strukturen, die Verantwortlichkeiten und Entscheidungswege festlegen, ebenso wie belastbare Notfallpläne. Beides schafft Verlässlichkeit – im Alltag wie in Ausnahmesituationen – und macht Ihre Strategie zu einem lebenden Instrument, das auch unter Druck funktioniert.

Was sollte eine Eignerstrategie alles beinhalten?

Unlängst hatte ich ein Gespräch mit einem Unternehmer. «Spätestens mit 55 will ich meine Firma verkaufen und nur noch das Leben geniessen», beantwortete er meine Frage nach seinen Zielen. Ein Ziel zu haben, ist nur die halbe Miete; ohne Können nützt alles Wollen nichts: Hat er ausgerechnet, wie viel er braucht, um den Rest seines Lebens von seinem Vermögen leben zu können? Hat er eine Exit-Strategie, wie er betrieblich nicht notwendige Liquidität und Vermögenswerte aus der Firma nehmen kann, ohne dass die Steuer sehr teuer wird? Hat er sich überlegt, ob mit einer dünneren Eigenkapitaldecke nicht auch die Attraktivität seines Unternehmens auf mögliche Käufer abnimmt? Die Eignerstrategie sollte auf diese Fragen fundierte Antworten liefern können.

Was muss alles in die Eignerstrategie?

Die wichtigsten Punkte, die eine solide Eignerstrategie enthalten sollte, sind folgende: 

  • Grundlagen und Ziele der Eignerstrategie mit langfristiger Vision, Definition der Rolle der Eigentümer und Klärung der Eigentümerinteressen.
  • Governance und Strukturen mit klaren Entscheidungs- und Verantwortungsstrukturen, Nachfolgeplanung und Regelung von Eigentumsübergängen sowie Mechanismen zur Interessensabstimmung bei mehreren Eigentümern.
  • Risikomanagement und Krisenfähigkeit mit Strategien zu Krisenbewältigung, Implementierung von Notfallplänen und laufender Evaluierung von Risikostrukturen.
  • Finanzielle Stabilität und Kapitalstruktur mit Definition von Kapital- und Finanzierungsstrategien, Grundsätzen zur Liquiditätsplanung sowie Investitionsprinzipien und Renditeerwartungen.
  • Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung mit Definition der gewünschten Unternehmenskultur aus Sicht der Eigentümer, Leitbild für Führungsprinzipien, Entscheidungsverhalten und Kommunikation sowie Grundsätzen zur Förderung von Integrität, Teamgeist und Innovationsbereitschaft.
  • Innovation, Digitalisierung und Zukunftsfähigkeit mit Strategien zur Förderung einer innovativen Unternehmensumgebung und Entwicklung von Digitalisierungsstrategien.
  • Kommunikations- und Stakeholder-Management mit Regeln für die Kommunikation zwischen Eigentümern und Management sowie für die Beziehungspflege zu Investoren, Kunden, Mitarbeitenden und Öffentlichkeit.
  • Controlling und Umsetzung mit Definition der Messgrössen, der zeitlichen und inhaltlichen Überprüfungen der Strategieumsetzung sowie der Mechanismen zur Anpassung. 

Wie kommt es, dass die meisten Eignerinnen und Eigner eine Unternehmensstrategie haben, aber keine Eignerstrategie?

Ich kann nur mutmassen. Der Hauptgrund wird sein, dass Vollblutunternehmer und -unternehmerinnen ihre privaten Interessen vergessen – und dass diese im Widerspruch zu ihren unternehmerischen Zielen stehen können. Oft höre ich auch, man wolle sein Privatleben nicht auch noch verplanen. Manche wissen nicht, was in eine Eignerstrategie gehört und wie sie vorgehen sollen. Und wieder andere wissen nicht, dass es so etwas wie Eignerstrategien gibt und dass sie eine brauchen.

Wie unterstützt UBS in Sachen Eignerstrategie?

Wir starten den Dialog in der Regel mit einer Auslegeordnung Ihres Hier und Jetzt: Lebensumstände, Finanzen, Firma, familiäre Verhältnisse, Absichten, absehbare Veränderungen, Verpflichtungen, Ziele und so weiter. Damit wir Sie fundiert beraten und unterstützen können, müssen wir uns ein möglichst umfassendes Bild verschaffen. «Wir», weil bei dieser Situationsanalyse meist sowohl das Wealth Management als auch der Firmenkundenbereich von UBS involviert sind. Das ist essenziell, da Ihr privates Vermögen grösstenteils in Ihrer Firma investiert ist – die Firma ist Ihr Vermögen.

Als weltweit grösster Vermögensverwalter und wichtigste Bank für Schweizer KMU betreuen wir Unternehmer und deren Firmen integral. Sind Sie Privat- und Firmenkunde von UBS, so können wir in unseren Lösungen beide Bedürfnisse optimal aufeinander abstimmen. Zusammen mit unseren Expertenteams begleiten wir Sie und Ihr Unternehmen, besprechen mit Ihnen die zentralen Fragen für Ihre Zukunft. Wir beraten Sie bei strategischen Entscheiden und unterstützen Sie bei der Umsetzung.

Was liegt Ihnen abschliessend besonders am Herzen?

Aktiv sein und handeln – das liegt in der Natur von Unternehmerinnen und Unternehmern. Es würde mich freuen, wenn immer mehr auch frühzeitig an die Eignerstrategie denken würden. Denn einem 70-jährigen Unternehmer mitteilen zu müssen, sein Unternehmen sei viel weniger wert, als er sich vorstelle, und er werde vom Erlös nicht wie erhofft noch 20 oder 30 Jahre komfortabel leben können … Das tut mir in der Seele weh. Deshalb möchte ich einfach nochmals nachdrücklich betonen: Eine Eignerstrategie kann nie zu früh kommen – zu spät aber schon.

Fazit: Die Eignerstrategie ist unerlässlich

In der Eignerstrategie halten Sie Ihre persönlichen Ziele, Werte und Visionen für Ihr Unternehmen fest. Sie ist ein wichtiges und verbindliches Instrument:

  • Die Eignerstrategie sorgt generationenübergreifend für Stabilität.
  • Sie trägt der privaten Entwicklung Rechnung und verbindet sie mit der langfristigen unternehmerischen Ausrichtung.
  • Die Eignerstrategie sollte möglichst früh definiert werden.
  • Damit verringern Sie die Auswirkungen von Interessenkonflikten.

Die Expertinnen und Experten von UBS stehen Ihnen bei der Strategieentwicklung und -umsetzung zur Seite.

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