Vorsorge Witwenrente: die wichtigsten Fragen geklärt

Wie hoch ist die Witwenrente? Wer hat Anspruch? Diese und weitere Fragen zur Witwenrente beantworten wir in diesem Artikel.

29. Mär 2021

Witwenrente, Witwerrente oder Waisenrente: Bei einem Todesfall haben die hinterbliebenen (auch geschiedenen) Ehepartner Anspruch auf eine Rente als finanzielle Absicherung. In der Schweiz zahlen sowohl die 1. Säule, die AHV, als auch die 2. Säule, die berufliche Vorsorge, Witwen eine sogenannte Witwenrente aus. Auch die obligatorische Unfallversicherung sowie die Militärversicherung kennen übrigens eine Hinterbliebenenrente.

In den folgenden Abschnitten widmet sich dieser Artikel den wichtigsten Fragen und Antworten zur Rente für Hinterbliebene aus der AHV und der 2. Säule.

In der Schweiz haben Sie als Frau Anspruch auf eine Witwenrente, wenn Sie bestimme Voraussetzungen erfüllen. Diese unterscheiden sich jedoch bei der AHV und der beruflichen Vorsorge.

Bei der AHV gilt beispielsweise: Verheiratete Frauen haben Anspruch auf eine Rente, wenn ...

  • ... sie eines oder mehrere Kinder haben (gleichgültig welchen Alters)
  • ... sie mindestens für fünf Jahre verheiratet waren und das 45. Lebensjahr abgeschlossen haben

Bei der Pensionskasse gelten andere Voraussetzungen: So wird Frauen eine Rente aus der Pensionskasse ausbezahlt, wenn sie beim Tod ihres Ehepartners für den Unterhalt eines oder mehrerer Kinder verantwortlich sind oder das 45. Lebensjahr abgeschlossen haben sowie mindestens fünf Jahre verheiratet waren. Je nach Pensionskassen-Reglement kann es weniger strikte Voraussetzungen geben.

Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, erhält die Witwe anstatt einer Rente eine einmalige Kapitalauszahlung im Betrag von drei Jahresrenten.

Sowohl bei der AHV als auch bei der Pensionskasse erhalten auch geschiedene Frauen eine Witwenrente – es gelten jedoch andere Voraussetzungen: Bei der Rente aus der 2. Säule gilt beispielsweise: Die Frau hat dann Anspruch, wenn die Ehe mindestens zehn Jahre gedauert hat und wenn im Scheidungsurteil der Frau eine Rente beziehungsweise eine Kapitalabfindung für eine lebenslange Rente zugesprochen wurde.

Die Höhe der Rente unterscheidet sich ebenfalls je nach Vorsorgeeinrichtung. Die Rente aus der AHV ist beispielsweise vom Einkommen abhängig. Dabei basiert die Höhe der Witwenrente auf folgenden Faktoren:

  • Die anrechenbaren Beitragsjahre
  • Das Einkommen, das sich aus dem durchschnittlichen Erwerbseinkommen sowie Erziehungs- und Betreuungsgutschriften zusammensetzt
  • Einem Karrierezuschlag, wenn der verstorbene Ehepartner jünger als 45 Jahre war.

Die ordentliche Vollrente für Witwen beträgt bei voller Beitragsdauer je nach Einkommen des verstorbenen Ehepartners zwischen 956 Franken und 1912 Franken pro Monat (Stand 2021).

Die Rente für Hinterbliebene aus der 2. Säule beträgt laut Gesetz 60 Prozent der Altersrente, auf die der Versicherte Anspruch gehabt hätte. Viele Pensionskassen gehen jedoch weiter. So sind die Hinterlassenenleistungen häufig besser und werden in Prozent des versicherten Lohns berechnet.

Grundsätzlich haben Sie als Frau mit dem Tod des Ehepartners Anspruch auf die Witwenrente resp. im Folgemonat. Bei der beruflichen Vorsorge wird die Rente frühestens mit dem Ende einer allfälligen Lohnfortzahlung ausbezahlt.

Der Anspruch auf die Witwenrente endet mit der Wiederverheiratung, dem Tod oder wenn die Voraussetzungen nicht mehr erfüllt sind.

Pensionskassen können in ihren Reglementen jedoch über die gesetzlichen Vorschriften hinausgehen und beispielsweise die Witwenrente weiterhin auszahlen, wenn die Wiederverheiratung nach dem 45. Lebensjahr erfolgt.

Wichtig: Verfällt der Anspruch auf die Witwenrente, z.B. aufgrund einer erneuten Ehe, so muss sich die Frau selbst bei den Behörden melden. Andernfalls drohen teure Rückforderungen.

Diese Frage betrifft vor allem die Witwenrente aus der AHV: Haben Frauen gleichzeitig Anspruch auf weitere Renten aus der AHV, z.B. Invaliden- oder Altersrente, so wird nur die höhere Rente ausgerichtet.

In der Schweiz besteht bei Hinterbliebenen aus eingetragenen Partnerschaften sowohl in der AHV als auch bei der beruflichen Vorsorge ein Anspruch auf eine Hinterbliebenenrente: Bei der Pensionskasse besteht der gleiche Anspruch wie für eine Witwe, bei der AHV jedoch nur wie für einen Witwer – egal, ob Mann oder Frau.

Konkubinatspaare in der Schweiz haben nur beschränkt Anrecht auf eine Hinterlassenenrente: Im Falle der AHV besteht kein Anspruch, im Falle der Pensionskasse ist je nach Pensionskassen-Reglement eine Begünstigung möglich.

Trotz Witwenrente: Frühzeitig vorsorgen ist wichtig

Die Witwenrente allein bringt nicht in jedem Fall genügend finanzielle Sicherheit – insbesondere für gleichgeschlechtliche oder im Konkubinat lebende Paare.

Auch wenn wir nicht gerne daran denken, sollten wir uns früh mit solchen Worst-Case-Szenarien auseinandersetzen. Dies betrifft sowohl die eigene Vorsorge als auch Themen wie die Vermögensweitergabe oder eine zusätzliche Absicherung über eine Lebensversicherung. Es lohnt sich, solche Finanzthemen auch mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin zu besprechen. Wie Sie das tun können, lesen Sie hier.

Informieren Sie sich auch bei der AHV und Ihrer Pensionskasse

Neben der Witwenrente gibt es in der Schweiz auch eine Witwerrente für hinterbliebene Männer und eine Waisenrente für hinterbliebene Kinder. Auch bei diesen Renten gelten unterschiedliche Voraussetzungen.

Weitere Informationen zur Hinterlassenenrente für Witwen, Witwer und Waisen finden Sie auf dem Merkblatt der AHV sowie auf der Seite der ahv-iv.ch. Bei Fragen zur Hinterbliebenenrente aus der 2. Säule wenden Sie sich am besten an Ihre Pensionskasse.

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