The Red Thread

Disruption 2.0

Ausgabe 2026

Portfolio of Barry Gill

Barry Gill, Co-Head of Investments

Portfolio of Sonja Laud

Sonja Laud, Co-Head of Investments

Jenseits der Grenze

Wer letztendlich Recht behalten wird, hängt viel stärker von der Verbreitung als von der technologischen Entwicklung an der Spitze ab. – Michael Spence

Vor zwei Jahren haben wir in unserer Ausgabe zum Thema «Disruption» behauptet, dass Investoren, die sich keine Gedanken über disruptive Veränderungen machen, ihre Pflichten vernachlässigen. Der wichtigste Disruptor ist seitdem natürlich künstliche Intelligenz.

Aber wie genau (und wie schnell) wird sich das alles entwickeln? Es dauerte letztendlich fast zwei Jahrzehnte, bis Robert Solows berühmte Bemerkung, man könne das Computerzeitalter überall sehen – nur nicht in den Produktivitätsdaten –, nicht mehr bewahrheitete. Anleger können es sich nicht leisten, so lange zu warten, und diese Ausgabe unter dem Motto «Disruption 2.0» soll ihnen helfen, sich in dieser Situation zurechtzufinden.

Wir beginnen mit den Risiken. In dem Artikel «Das Risikogebiet hat sich verschoben» behauptet Ray Fuller, dass sich auf narrativgetriebenen Märkten die Konzentration nicht nur durch die Grösse der Positionen, sondern auch durch gemeinsame Geschichten, verborgene Korrelationen und ein gemeinsames Engagement in denselben Disruptionspfaden ergibt.

Eine makroökonomische Betrachtung liefern Evan Brown und Shamaila Khan. In dem Artikel «Geopolitische Schocks/strukturelle Neubewertungen» zeigen sie, wie die alte Debatte über Wachstum, Inflation und Zinsen nun Platz machen muss für kritische Mineralien, ein Wettrüsten in der Chip-Technologie und Kapitalströme, die allesamt die makroökonomische Landschaft neu gestalten.

In unserem Titelinterview wird der Wettstreit zwischen den Grossmächten eingehender beleuchtet. Die Arbeit von Professor Jeffrey Ding über die Verbreitung von Technologie und den Aufstieg von Grossmächten betrachtet den Wettlauf um künstliche Intelligenz nicht als Wettstreit um Erfindungen, sondern als Wettstreit um deren Einführung, und seine zum Nachdenken anregenden Ansichten werden in dem Artikel «Alles und überall, aber nicht alles auf einmal» dargelegt.

In dem Artikel «Sparringspartner» richtet Ian McIntosh den Blick auf uns selbst und vertritt die Ansicht, dass ein erfolgreicher Ansatz beim Investieren eine Kombination aus technischer Kompetenz, Finanzwissen und Kreativität erfordert. In einem spielerischen Gespräch mit einem LLM warnt er vor der Versuchung, die Produktivitätsgewinne von KI als schnelle, kurzfristige Kosteneinsparungen zu betrachten, und schlägt vor, dass wir wieder mehr auf Urteilsvermögen und Intuition setzen sollten.

Ausserdem folgen wir dem Geld (und den Megawatt) in dem Artikel «Das Netz der KI-Schulden». Matthias Dettwiler und Greggory Price zeigen, wie KI sowohl zu einem Thema bei Investitionsausgaben als auch der Bilanz geworden ist, und führen dabei die Anleihemärkte, private Kredite und strukturierte Finanzierungen in einem einheitlichen Narrativ zusammen.

Kapitalzuflüsse sind eine Sache, sie in Cashflows zu verwandeln, eine andere. In dem Artikel «Value-Investing in KI-gesteuerten Märkten» warnt Steve Magill davor, technologische Unvermeidbarkeit mit wirtschaftlicher Unvermeidbarkeit zu verwechseln, und untersucht, welche Geschäftsmodelle eine durch KI geprägte Wirtschaft tatsächlich in nachhaltige Wertschöpfung umwandeln werden.

Schliesslich setzt sich Olivia Muir in dem Artikel «Virtuelle Realitäten: Die Konfrontation von KI mit dem Physischen, dem Endlichen und dem Menschlichen» mit einer Technologie auseinander, die als schwerelos und virtuell angepriesen wird, sich jedoch hartnäckig als greifbar und real erweist – einer Technologie, deren Bedarf an Strom, Kühlung, Wasser und Flächen materielle, ökologische und menschliche Folgen nach sich zieht und damit auch echte Ertragsmöglichkeiten bietet.

Durch alle diese Sichtweisen zieht sich ein gemeinsamer roter Faden: Die Verbreitung ist der Schlüssel zum Verständnis, wo die Renditen und wo die Risiken liegen.

Diese Ausgabe steht auch für eine Veränderung, die uns selbst betrifft. Zum ersten Mal wird sie auch von Sonja Laud unterzeichnet, die vor Kurzem als Co-Head of Investments zu uns gestossen ist. Ihre Sichtweise prägt bereits jetzt die Art und Weise, wie wir die Themen auf diesen Seiten gestalten, und wir freuen uns sehr, sie bei uns begrüssen zu dürfen. Wie immer hoffen wir, dass diese Ausgabe Ihnen dabei hilft, den roten Faden in einer lautstarken, schnelllebigen Debatte zu finden, und Ihnen einige Anregungen gibt, wie Sie die kommenden Herausforderungen meistern können.

Barry Gill, Co-Head of Investments, UBS Asset Management
Sonja Laud, Co-Head of Investments, UBS Asset Management

 

Code: S 09/26 M-006723

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