
Geopolitische Schocks haben die Aussichten für die Zinsen, die Inflation und Kredittitel verändert. Vor diesem Hintergrund ist die Herkunft – und das Verhalten in Stresssituationen – ebenso wichtig wie die nominale Rendite. Wir untersuchen drei sich ergänzende ETF-Strategien und zeigen auf, warum eine Diversifikation unter ihnen sinnvoller ist als eine direkte Wette auf eine bestimmte gesamtwirtschaftliche Entwicklung.
Vor gar nicht so langer Zeit schien es, als habe sich das Umfeld für Ertragsanlagen auf einen vorhersehbaren Kurs eingependelt: Die Zentralbanken würden die Zinsen allmählich anheben, während die Kreditrisikoprämien in einer Spanne verharren würden. Dadurch könnten Anlegerinnen und Anleger attraktive Renditen kassieren, während sie sich für die nächste Etappe im Zyklus in Stellung bringen. Dann kam der Konflikt im Iran.
Geopolitische Schocks haben die besondere Eigenschaft, Finanzmärkte und Kapitalströme zu stören. In diesem Fall stiegen die Energiepreise, die Inflationserwartungen wurden nach oben korrigiert und aus erwarteten Zinssenkungen wurden erwartete Zinserhöhungen. Vorerst bewegen sich die Kreditspreads aber noch nahe an historischen Tiefstwerten und nehmen immer noch ein freundliches Szenario vorweg, das plötzlich weniger sicher erscheint.
Die absoluten Renditen sind aber in vielen Anlageklassen, gemessen an den Standards der letzten zehn Jahre, nach wie vor erhöht und die fundamentalen Argumente für Ertragsanlagen sind nicht verschwunden.
Stattdessen ist das Anlageumfeld nur noch komplexer geworden. Wenn sich Zinsen, Risikoprämien und Inflationserwartungen in unterschiedliche Richtungen bewegen, sind die Quellen der Renditen und ihre zugrunde liegenden Risikomerkmale ebenso wichtig wie die Höhe der Rendite an sich.
Selektivität ist entscheidend. Nachstehend zeigen wir drei ertragsorientierte Strategien auf, die aufgrund ihrer Eignung als Inflationsschutz, strukturelle Absicherung und Diversifikator erwägenswert sind.
Kernanleihen: Qualität, Liquidität und Optionalität
Kernanleihen: Qualität, Liquidität und Optionalität
Die Renditen von Staatsanleihen und erstklassigen Anleihen sind zwar seit mehr als zehn Jahren rückläufig, bieten aber immer noch reale Erträge. Vor allem aber bieten sie Liquidität und Ballast für das Portfolio.
Die wichtigsten Argumente für Kernanleihen stützen sich nicht auf Überzeugung, sondern auf die Optionalität. Wenn sich die geopolitische Lage verschlechtert oder erneut Rezessionsrisiken auftreten, dürften die Zinsen im Zuge einer Flucht in die Qualität fallen – sofern kein Inflationsschock eintritt.
Wenn sich die Lage dagegen stabilisiert, bieten die aktuellen Renditen den Anlegern weiterhin eine angemessene Entschädigung für das Abwarten. Selbst angesichts von Inflationssorgen aufgrund der erhöhten Energiepreise sorgten die hohen Ausgangsrenditen für robuste festverzinsliche Erträge, während die Zinsen stiegen. Kernanleihen können eine Diversifikation gegenüber Aktien- und Kreditrisiken bieten und potenziell zur Absicherung sowohl gegen Wachstumsschocks als auch gegen eine Spreadausweitung dienen.
In einem solchen Umfeld kommt der Duration eine entscheidende Bedeutung zu. Kurz- bis mittelfristige Laufzeiten bieten einen attraktiven Mittelweg: Anleger können laufende Renditen kassieren, ohne zwangsläufig grosse direktionale Wetten auf das Wachstum, die Inflation oder die Zentralbankpolitik eingehen zu müssen.
Dividenden-Aristokraten: Die Bedeutung stabiler Dividendenerträge
Dividenden-Aristokraten: Die Bedeutung stabiler Dividendenerträge
Als Dividenden-Aristokraten werden Unternehmen bezeichnet, die ihre Dividenden seit Jahrzehnten kontinuierlich gesteigert haben. Sie zeichnen sich in der Regel durch solide Bilanzen, konservative Ausschüttungsquoten und eine ausreichende Preissetzungsmacht aus, die es ihnen ermöglicht, steigende Kosten an ihre Kunden weiterzugeben, ohne ihre Margen zu beeinträchtigen. Im Gegensatz zu den fixen Coupons von Anleihen können Dividenden wachsen und so dazu beitragen, die Inflation auszugleichen, die den Wert festverzinslicher Erträge im Laufe der Zeit schleichend mindert. Da das Dividendenwachstum dieser Unternehmen bisher langfristig historisch über der Inflationsrate lag, können sie nicht nur nominale Erträge bieten, sondern auch einen echten Inflationsschutz.1
Dieses Wachstumspotenzial ist natürlich ein Teil des Gesamtbilds der Aktienerträge. Seit 1926 trugen Dividenden etwa ein Drittel zum Gesamtertrag des S&P 500 bei, die verbleibenden zwei Drittel entfielen auf den Kapitalzuwachs. Somit sind sowohl nachhaltige Erträge als auch das Kurswachstum massgebliche Faktoren für das Ergebnis.2
Dies ist der entscheidende Unterschied der Aristokratenstrategie: Statt nur Renditen oder Kapitalzuwächsen nachzujagen, ist sie darauf ausgerichtet, sowohl Dividendenerträge zu erzielen als auch am Wachstum des Aktienmarktes zu partizipieren. Langfristig erzielte diese Kombination höhere Gesamterträge als der breiter gefasste S&P 500 mit einer geringeren Volatilität. Dies resultierte in einer besseren risikobereinigten Performance.3
Die Geopolitik bringt eine weitere Dimension ins Spiel. Während die breiteren Aktienmärkte bei Energieschocks unter Umständen unter Druck geraten, können qualitativ hochwertige Dividendenzahler in Sektoren wie Energie und Versorgung sowohl von höheren Rohstoffpreisen als auch von ihren defensiven Eigenschaften profitieren. Dividenden-Aristokraten entwickelten sich in der Vergangenheit in volatilen, unsicheren Phasen auf risikobereinigter Basis besser als auf hohe Renditen ausgelegte Aktienstrategien und breitere Marktindizes. Sie bieten Erträge mit Wachstumspotenzial – eine Kombination, die besonders attraktiv wird, wenn die Kaufkraft fixer Coupons gefährdet ist.
Covered Calls und die gewinnbringende Nutzung von Unsicherheit
Covered Calls und die gewinnbringende Nutzung von Unsicherheit
In Umfeldern, die von einer erhöhten Unsicherheit, Märkten im Seitwärtstrend oder mässigeren Aktienrenditen geprägt sind, können Covered-Call- (Call Overwriting) und Put-Verkaufsstrategien eine attraktive Ergänzung zu traditionellen Aktienallokationen bilden. Statt sich ausschliesslich auf Kapitalzuwächse zu verlassen, können Anleger danach streben, die Volatilität der Aktienmärkte gewinnbringend zu nutzen und einen Teil der Unsicherheit in Erträge umzumünzen.
Beide Strategien erzielen Erträge aus völlig anderen Quellen als traditionelle Anleihencoupons oder Aktiendividenden – nämlich aus Optionsprämien. Sie sind darauf ausgelegt, die Volatilitätsrisikoprämien abzuschöpfen – und zwar durch den systematischen Verkauf von Optionen. Damit schaffen sie Erträge, die nicht auf Unternehmensgewinnen oder Zinszahlungen beruhen, sondern aus der Bewertung und Übertragung von Risiken.
Beide Ansätze nutzen jedoch unterschiedliche Formen der Marktnachfrage. Covered-Call-Strategien erzielen Erträge, indem sie Optionen auf steigende Kurse verkaufen. Damit verwandeln sie einen Teil der künftigen Wertsteigerung von Aktien in aktuelle Erträge. Put-Verkaufsstrategien generieren dagegen Erträge, indem sie eine Absicherung gegen Kursverluste verkaufen. Damit erzielen sie eine Prämie für die Inkaufnahme eines bedingten Abwärtsrisikos von Aktien.
Volatilität ist nicht nur mit Risiken verbunden, sondern kann auch eine potenzielle Ertragsquelle sein. Grund dafür ist, dass Phasen mit erhöhter Unsicherheit häufig mit einer höheren impliziten Volatilität assoziiert werden. Dies kann die Optionsprämien in die Höhe treiben und das Ertragspotenzial beider Strategien verbessern.
Es handelt sich um klare Tauschgeschäfte. Anleger in Covered-Calls tauschen einen Teil des künftigen Aufwärtspotenzials gegen konstantere Ertragsströme, während Anleger in Put-Verkaufsstrategien dafür Prämien kassieren, dass sie eine Absicherung gegenüber der Marktentwicklung bieten. Keiner der beiden Ansätze ist darauf ausgelegt, Aktienrisiken zu eliminieren. Aber beide streben danach, die Art und Weise zu verändern, wie Aktienerträge erzielt werden, indem sie eine zusätzliche Quelle laufender Renditen einführen, die aus Optionsprämien stammen.
Die Schwierigkeit bei der Nutzung von Volatilität auf diese Weise war bisher die Umsetzung. Die direkte Verwaltung von Optionsprogrammen erfordert Fachwissen über Derivate, eine angemessene Trading-Infrastruktur und laufende Überwachung. ETF-basierte Lösungen bieten einen transparenten, regelbasierten Zugang zu Call-Overwriting oder Put-Verkaufsstrategien. Sie bieten Anlegern Zugang zu den potenziellen Vorteilen von Volatilitätsprämien durch ein liquides und vertrautes Anlageinstrument.
Diversifizierte Quellen von Erträgen
Diversifizierte Quellen von Erträgen
Jede dieser Strategien spricht ein anderes Szenario im aktuellen Umfeld an.
Kernanleihen dürften sich vorteilhaft entwickeln, wenn geopolitische oder Rezessionsrisiken eintreten und die Zinsen sinken. Dividenden-Aristokraten sollten die Kaufkraft schützen, wenn die Inflation hartnäckig hoch bleibt und den realen Wert fixer Coupons aufzehrt. Und Optionsverkaufsstrategien dürften sich auszahlen, wenn die Märkte volatil bleiben und fortgesetzt seitwärts tendieren. Sie erzielen Erträge aus erhöhten Optionsprämien im Gegenzug für eine Begrenzung oder den Verzicht auf ein Aufwärtspotenzial, das möglicherweise ohnehin nicht eintritt.
Wenn die gesamtwirtschaftlichen Prognosen unzuverlässig sind, wird die Diversifikation unter Ertragsquellen zu einer Art von Szenarioplanung. Unterschiedliche Zinsumfelder begünstigen unterschiedliche Strategien. Statt also auf eine bestimmte gesamtwirtschaftliche Entwicklung zu wetten und zu hoffen, dass diese auch eintritt, können Anleger verschiedenartige Ertragsquellen nutzen, die sich jeweils in unterschiedlichen Szenarien besser entwickeln.
Der geopolitische Schock war eine nützliche Erinnerung daran, dass sich gesamtwirtschaftliche Annahmen schnell und unerwartet verändern können. Wichtig ist, dass ETFs ein praktisches Instrumentarium für die Umsetzung bieten, das diesen Ansatz zugänglich macht. Dank des modularen Aufbaus können Anleger unterschiedliche Ertragsstrategien in selbstgewählten Verhältnissen nutzen. Durch die transparente Preisgestaltung wissen Anleger, was sie besitzen. Die tägliche Liquidität bietet Flexibilität, um Positionen anzupassen, wenn sich die Lage verändert. Und die Kosteneffizienz schützt einen grösseren Teil der erzielten Erträge.
Darüber hinaus ist diese Art der geschickten Diversifikation der Erträge nicht nur Anlegern vorbehalten, die in institutionellem Massstab investieren, sich mit Derivaten auskennen oder in der Lage sind, komplexe Portfolios zu verwalten. Es ist nur nötig, die Quellen von Risiken zu kennen, die gesamtwirtschaftliche Unsicherheit realistisch einzuschätzen und das Portfolio diszipliniert auf Robustheit auszurichten, statt auf gewagte Prognosen.
1 A Fundamental Look at S&P 500 Dividend Aristocrats (Ein fundamentaler Blick auf die Dividenden-Aristokraten im S&P 500), S&P Dow Jones Indices, 2025.
2 Gleiche Quelle
3 Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Indikator für künftige Ergebnisse.
Code: S-07/26 M-006179
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