Frühzeitig und durchdacht an die Hand genommen, lassen sich in einer geordneten Liquidation die Aktiven einer Firma optimal verwerten. Damit auch für die Eigentümer des Unternehmens am Schluss noch möglichst viel übrig bleibt. Bild: Patrick Hari

Gibt ein Unternehmer sein Geschäft bewusst und aus freien Stücken auf und legt es still, so spricht man von einer geordneten Liquidation. Weil es ihm dann nämlich gelingt, möglichst viele Aktiven zu versilbern. Mit etwas Glück kann er alle Schulden begleichen und das Restvermögen an die Gesellschafter verteilen. 

Gründe für eine geordnete Liquidation gibt es viele. Grundsätzlich kommt sie in Frage, wenn ein Verkauf des ganzen Unternehmens nicht möglich ist. Bei Familienunternehmen kann sie auch notwendig werden, wenn sich kein Nachfolger finden lässt.

Vielfältige Gründe

Hintergrund sind oft auch strukturelle Veränderungen der Branche oder des Marktes, mit denen nicht Schritt gehalten wird. Die Folge: Die Profitabilität sinkt. Bei kleinen und mittelgrossen Firmen kann auch eine unklare oder zu sehr auf den Patron zugeschnittene Organisationsstruktur potenzielle Käufer wie Nachfolger abschrecken. 

Kaum realisierbar sind Nachfolge- wie Verkaufslösungen bei Mikro- und Einzelfirmen: Das Produkt beziehungsweise die Dienstleistung ist hier quasi naturgegeben eng mit der Person und dem Know-how des Eigentümers verbunden.

Experten beiziehen

Ideal ist, wenn man sich frühzeitig mit dem Thema der geordneten Liquidation auseinandersetzt. Mit durchdachter Planung können Aktiven zu bestmöglichen Preisen verkauft und so nicht nur die Interessen des Eigentümers und der Familie, sondern auch der Mitarbeitenden, der Kunden und Lieferanten gewahrt werden.

Eine geordnete Liquidation ist anspruchsvoll und kann sich über längere Zeit hinziehen. Es empfiehlt sich deshalb, einen Treuhänder oder eine andere externe Fachperson beizuziehen. Entscheidend ist auch eine konsequente Einhaltung der Marschrichtung. Denn es gilt, die Umsätze im Einklang mit den Kosten und dem Inventar zurückzufahren.

«Eine geordnete Liquidation muss allen Interessengruppen aktiv und begründet publik gemacht werden.»

Andreas Wyler

Gerüchte vermeiden

Wichtig ist: Eine geordnete Liquidation muss allen Interessengruppen aktiv und begründet publik gemacht werden. Andernfalls entstehen schnell Gerüchte von Überschuldung und möglichem Konkurs, und das Vertrauen in die Firma bricht zusammen.

Doch jede Liquidation, auch wenn sie geordnet und erfolgreich durchgeführt wird, ist immer eine schwierige Phase für den Unternehmer. Oft zögert er mit der rechtzeitigen Auflösung, weil er noch auf wirtschaftliche Besserung hofft oder einen Gesichtsverlust befürchtet.

Doch das langsame Herunterfahren des Betriebs kann für ihn auch eine Chance sein, von seinem Lebenswerk Abschied zu nehmen.

Autorinformation

Andreas Wyler leitet bei UBS den Bereich Credit & Recovery Solutions. Er und seine Kollegen beurteilen Kreditrisiken und begleiten Firmen in schwierigen Situationen.

Frühwarnsignale

Wer ein Unternehmen führt, muss mit Fehlentscheiden, Zielabweichungen oder operativen Problemen leben. Doch es gibt einige Warnsignale, die eine geordnete Liquidation nahelegen können. Je früher auf sie reagiert wird, desto grösser ist der Handlungsspielraum. Die wichtigsten Frühwarnindikatoren sind:

  • anhaltend stagnierender oder sinkender Umsatz, verschlechterte Ertragslage, rückläufiger Free Cashflow oder Gewinn 
  • steigende Verschuldung, Auflösung stiller Reserven
  • Investitionsstau mit veralteter Infrastruktur, fehlenden neuen oder erfolgreichen Produkten
  • Probleme mit der Qualität der Produkte, die zu Reklamationen führen
  • Veränderungen des Umfelds wie Strukturwandel in der Branche oder im Markt, neue gesetzliche Vorschriften, wie zum Beispiel Umweltschutzauflagen usw.