Hintergrund Wie erkläre ich finanzielle Ungleichheit?

Kinder nehmen finanzielle Ungleichheit sehr genau wahr und haben viele Fragen dazu. Diese gilt es mit Feingefühl zu beantworten.

In der Kinderkrippe, der Spielgruppe oder spätestens im Kindergarten treffen Kinder aus den unterschiedlichsten Familien aufeinander. Diese widerspiegeln die Vielfalt des Landes wie auch die verschiedensten Lebenslagen der Gesellschaft. Manche Kinder haben zwei Geschwister, andere haben keine. Das eine Gspänli lebt mit einem Elternteil, das andere vielleicht zusätzlich noch mit den Grosseltern. Und die einen Familien haben mehr Geld als die anderen – das wirft bei Kindern viele Fragen auf.

«Ich glaube, Lukas ist arm …»

Kinder nehmen bereits früh soziale Unterschiede wahr und suchen nach einer Erklärung. Dabei ziehen sie den Vergleich zum sozialen Status der eigenen Familie, denn diesen kennen sie am besten. Sie fragen sich, wieso einige Kinder immer wieder neue Spielsachen haben oder in den Sommerferien ferne Länder bereisen. Dazu kommt, dass man sich im jungen Alter noch unbefangener über Geld äussert. Und so kann es durchaus sein, dass Ihr Kind einmal nach Hause kommt und meint, dass der Tischnachbar Lukas arm sei und Anna aber megareich. Fragen Sie nach, warum Ihr Kind diesen Gedanken hat. In der Regel beobachten Kinder etwas und ziehen daraus ihre eigenen Schlüsse. Es ist gut und wichtig, diese nun mit Ihrem Kind zu besprechen.

«Mami, warum fragt diese Frau nach Geld?»

Armut in der Schweiz ist nicht immer gleich ersichtlich und häufig etwas versteckt. Trotzdem gibt es Situationen, in denen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind damit konfrontiert werden. Jemand bittet Sie um Geld oder Sie begegnen einer Person, die auf der Strasse lebt. Für Kinder sind solche Begegnungen irritierend, weil es eine ganz neue Erfahrung ist und sie diese nicht aus ihrem sozialen Umfeld kennen. Daraus entstehen häufig Fragen, welche auch für Eltern schwierig zu beantworten sind: «Warum fragt diese Frau nach Geld? Warum schläft dieser Mann draussen?» In den allermeisten Fällen weiss man es selber auch nicht, aber zumindest sind offensichtlich die finanziellen Ressourcen knapp.

So sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber

Wenn Sie es nicht genau wissen, sagen Sie es Ihrem Kind auch so. Äussern Sie die Vermutung, dass diese Person im Moment wahrscheinlich nicht viel Geld hat. Erklären Sie weiter, dass man durch Arbeit an Geld kommt, es aber nicht immer ganz einfach ist, Arbeit zu finden. Warum jemand also kein Einkommen hat, kann verschiedene Gründe haben. Weiter haben leider nicht alle die gleichen Startchancen. Einige erben zum Beispiel viel und profitieren ein Leben lang von den Beziehungen der Familie.

Beziehen Sie Ihr Kind in das Gespräch mit ein und fragen Sie, was es für ein Bild von Arm und Reich hat. Interessante Fragen könnten zum Beispiel sein:

  • «Wie wird man reich?»
  • «Wann ist für dich jemand arm und wann ist jemand reich?»
  • «Wer hilft in der Schweiz den Menschen mit wenig Geld?»
  • «Würdest du deine Geburtstagsgeschenke mit einem armen Freund oder einer armen Freundin teilen?»
  • «Worauf könntest du verzichten, wenn wir weniger Geld hätten, und worauf sollten wir, deine Eltern, verzichten?»

Für viele dieser Fragen gibt es kein Richtig oder Falsch. Aber es ist wichtig, darüber zu sprechen. Fragen zu finanziellen Ungleichheiten werden vermutlich auch immer wieder auftauchen und das ist gut so – das bedeutet, dass Ihr Kind einen weiten sozialen Radius hat und seine Umwelt aktiv beobachtet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kinder machen Erfahrungen mit dem sozialen Status der eigenen Familie.
  • Je weiter der soziale Radius, desto mehr Erfahrungen mit sozialer Vielfalt werden möglich.
  • Der Eintritt in den Kindergarten bedeutet in der Regel eine Erweiterung des sozialen Radius.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind u¨ber Arm- und Reichsein und stellen Sie auch verschiedene Fragen dazu.
  • Geben Sie zu erkennen, wenn Sie etwas nicht wissen, und deklarieren Sie Vermutungen als solche.

Die pädagogischen Grundsätze von UBS

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit der Pädagogin Marianne Heller entstanden, mehrjährige Leiterin eines Programmes zur Finanzerziehung und Schuldenprävention für Kinder und Jugendliche.

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