Zürich, 10. September 2026 – Die Schweizer Industrie zeigt sich trotz steigender Handelsbarrieren robust. Während die wirtschaftlichen Folgen der US-Zölle für die Schweiz voraussichtlich begrenzt bleiben, dürfte der industrielle Aufstieg Chinas die Wettbewerbsbedingungen vieler Schweizer Unternehmen nachhaltig verändern. Der Einkaufsmanagerindex deutet dennoch auf eine anhaltende Erholung der Industriekonjunktur hin.
US-Zölle belasten einzelne Branchen
US-Zölle belasten einzelne Branchen
Die USA sind für die Schweiz der wichtigste einzelne Exportmarkt. Seit 2025 wurden die Zölle auf viele Schweizer Produkte deutlich erhöht. Besonders betroffen sind Branchen wie Uhren, Maschinenbau, Elektrotechnik, Präzisionsinstrumente und ausgewählte Chemieprodukte. Die Zölle erhöhen die Kosten, erschweren die Preisgestaltung und setzen Margen unter Druck.
«Die US-Zölle stellen für viele exportorientierte Unternehmen eine spürbare Belastung dar. Für die Schweizer Industrie insgesamt bleibt der Effekt jedoch verkraftbar, da der Pharmasektor einen erheblichen Teil der Exporte ausmacht und von Ausnahmen profitiert», sagt Maxime Botteron, Ökonom bei UBS Chief Investment Office Global Wealth Management.
Gemäss Schätzungen von UBS führten die Zollunterschiede zwischen der Schweiz und der EU zeitweise zu einer deutlichen Schwächung der Schweizer Exporte in die USA. Mit der weitgehenden Angleichung der Zollbelastung dürfte sich dieser Wettbewerbsnachteil künftig stabilisieren.
Chinas Aufstieg erhöht den langfristigen Wettbewerbsdruck
Chinas Aufstieg erhöht den langfristigen Wettbewerbsdruck
Langfristig dürfte nicht die US-Zollpolitik, sondern Chinas industrieller und technologischer Aufstieg die grössere Herausforderung für die Schweizer Exportwirtschaft darstellen. Chinesische Unternehmen konkurrieren zunehmend in technologieintensiven Branchen wie Maschinenbau, Elektrotechnik, Chemie und Medizintechnik. Gleichzeitig verstärken Überkapazitäten und eine schwache Binnennachfrage in China den Druck auf internationale Märkte.
Im internationalen Vergleich befindet sich die Schweiz jedoch in einer relativ günstigen Ausgangslage. Die Exportstruktur konzentriert sich auf hochwertige Produkte wie Pharmazeutika, Präzisionsinstrumente, Uhren und spezialisierte Maschinen. Dadurch überschneiden sich die Exportstrukturen der Schweiz und Chinas bisher weniger stark als in vielen europäischen Ländern.
«Die Schweiz profitiert von ihrer Spezialisierung auf innovative und hochwertige Produkte. Dennoch rückt die chinesische Konkurrenz zunehmend in Bereiche wie den Maschinenbau und die Präzisions- bzw. Medizintechnik vor, die bislang als besondere Stärke der Schweizer Industrie galten», erklärt Meret Mügeli, Ökonomin bei UBS Chief Investment Office Global Wealth Management.
Marktzugang gewinnt an Bedeutung
Marktzugang gewinnt an Bedeutung
Für die Ökonominnen und Ökonomen von UBS sind die aktuellen Entwicklungen Ausdruck einer zunehmend fragmentierten Weltwirtschaft. Unternehmen dürften künftig vermehrt Produktionskapazitäten näher an ihren Absatzmärkten aufbauen, um Zollrisiken zu reduzieren und Lieferketten widerstandsfähiger zu gestalten. Gleichzeitig wird der Abschluss neuer Freihandelsabkommen für die Schweiz voraussichtlich an Bedeutung gewinnen, um den Zugang zu wichtigen Wachstumsmärkten zu sichern. Die kürzlich vereinbarte Optimierung des Freihandelsabkommens mit China dürfte den Marktzugang in einem zentralen strategischen Markt weiter verbessern und unterstreicht die Bedeutung einer aktiven Handelspolitik.
Resiliente Schweizer Konjunktur dürfte weiter an Fahrt gewinnen
Resiliente Schweizer Konjunktur dürfte weiter an Fahrt gewinnen
Trotz geopolitischer Spannungen und steigender Energiepreise war das Schweizer Wachstum in der ersten Jahreshälfte resilient. Die Schweizer Wirtschaft profitierte von einer Verbesserung des globalen Konjunkturzyklus. Die nun auch in Europa vermehrt sichtbare Wachstumserholung dürfte die Nachfrage nach Schweizer Exporten in den kommenden Quartalen stützen und dazu beitragen, dass sich das Schweizer Wachstum wieder dem langfristigen Trend von 1,5 bis 1,75 Prozent nähert.
Die Konsumentenpreisdynamik bleibt schwach; die Inflation bewegt sich in der unteren Hälfte des Zielbands der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Vor diesem Hintergrund dürfte die SNB ihren Leitzins vorerst bei 0 Prozent belassen. Im Jahr 2027 ist angesichts der erwarteten Rückkehr des Wachstums in die Nähe seines langfristigen Trends eine erste Zinserhöhung im Juni denkbar. Die Zinsen dürften in der Schweiz jedoch niedrig bleiben.
UBS Switzerland AG
Kontakte
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