Zürich, 07. November 2019 – Auch fünf Jahre nach der Einführung von Negativzinsen zur Schwächung des Frankenwechselkurses durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) deutet nichts darauf hin, dass sich diese Phase der Geldpolitik bald dem Ende zuneigt. UBS hat deshalb das Thema zum Schwerpunkt der halbjährlich durchgeführten Unternehmensumfrage gemacht und 2500 Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Personen in leitenden Funktionen zu den Auswirkungen der Negativzinsen auf ihr Unternehmen und auf die Schweizer Volkswirtschaft insgesamt befragt. Die Resultate zeigen, dass die Mehrheit der Unternehmen nicht direkt von den Negativzinsen betroffen ist und nur eine Minderheit Negativzinsen auf liquide Mittel bei den Banken zahlt.

Wenige Unternehmen abhängig vom Wechselkurs

Vier Fünftel der befragten Unternehmen sind ausschliesslich binnenorientiert oder haben einen Exportanteil von weniger als 10 Prozent und sind somit nicht direkt vom EURCHF- und USDCHF-Wechselkurs abhängig. Den vergleichsweise wenigen Unternehmen, die von einer Schwächung des Frankens profitieren, stehen vor allem importierende Unternehmen gegenüber, die von einem schwächeren Franken negativ tangiert werden. Zudem profitieren die wenigsten Firmen von einer tieferen Verzinsung von Krediten oder Hypotheken, da eine Mehrheit der Schweizer KMU kein Fremdkapital beansprucht oder in den vergangenen fünf Jahren keine zusätzlichen Kredite aufgenommen hat.

Gesamtwirtschaftlich überwiegen die Kosten die Nutzen

Nach den Kosten und Nutzen der Negativzinsen für ihr Unternehmen befragt, sind die meisten Umfrageteilnehmer indifferent respektive geben an, dass für sie weder Kosten noch Nutzen überwiegen. "Die Auswirkungen der Negativzinsen auf das eigene Geschäft bereiten den Unternehmen wenig Sorgen", sagt Daniel Kalt, Chefökonom UBS Schweiz. "Grosse Bedenken haben sie hingegen hinsichtlich der Auswirkungen auf die Schweizer Volkswirtschaft – gerade auch, weil ein Ende der Negativzinsphase nicht in Sicht ist." Auf die Gesamtwirtschaft bezogen überwiegen für fast zwei Drittel der Umfrageteilnehmer die Kosten der aktuellen Geldpolitik den Nutzen. "Bemerkenswert ist, dass sogar die Mehrheit der Unternehmen mit einem Exportanteil von mehr als 50 Prozent die Negativzinsen als insgesamt schädlich beurteilt", so Kalt. Am meisten Sorgen bereiten den Firmen die Verschlechterung der finanziellen Situation der beruflichen Vorsorge sowie die extrem tiefe Verzinsung von Spargeldern. Zudem lösen die gestiegenen Immobilienpreise eine gewisse Beunruhigung aus.

Kommt die Rezession? Trübere Aussichten für die Schweizer Wirtschaft

Die politischen Risiken drängen die Weltwirtschaft an den Rand einer Rezession. Mit Hilfe der Zentralbanken dürfte es jedoch gelingen, eine solche abzuwenden. Auch der Ausblick für die Schweizer Wirtschaft trübt sich vor diesem Hintergrund ein. Hierzulande hilft aber ein robuster Arbeitsmarkt, eine Rezession abzuwenden. Dieser ist aber gleichzeitig zu schwach, um eine rasche Erholung der hiesigen Konjunktur loszutreten. Die UBS-Ökonomen rechnen mit einem BIP-Wachstum von 0,7 Prozent in diesem und von 0,9 Prozent im nächsten Jahr.

Die Rezessionsrisiken rufen die Zentralbanken auf den Plan. Die Federal Reserve und die Europäische Zentralbank (EZB) haben ihre Leitzinsen in diesem Jahr bereits gesenkt und dürften damit auch in den kommenden Quartalen fortfahren. In der Folge hat sich auch der Franken gegenüber dem Euro aufgewertet. Die SNB hat auf die jüngste Frankenaufwertung mit Devisenmarktinterventionen, aber nicht mit einer Zinssenkung reagiert. Doch letztere ist nicht vom Tisch, denn die europäische Konjunkturabkühlung dürfte die EZB im neuen Jahr nochmals zu einer Zinssenkung verleiten. In der Folge dürfte die SNB nachziehen, um einer Währungsaufwertung entgegenzuwirken. UBS rechnet deshalb für die kommenden zwölf Monate mit einer Seitwärtsbewegung des EURCHF-Wechselkurses bei 1.10.

UBS Wirtschaftsprognosen Schweiz

Bei der Erstellung der UBS CIO WM Konjunkturprognosen haben die Ökonomen von UBS CIO WM mit bei UBS Investment Research beschäftigten Ökonomen zusammengearbeitet. Die Prognosen und Einschätzungen sind nur zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Publikation aktuell und können sich jederzeit ändern.

 

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