women's wealth compact

Frauen und Gesundheit: Herausforderungen und Chancen

Warum leiden Frauen länger unter gesundheitlichen Einschränkungen – und welche Folgen hat das für ihr Leben und ihr finanzielles Wohlbefinden? Lesen Sie mehr zu den Erkenntnissen des Reports «Women and Health: Challenges and Opportunities».

Gender Health Gap: 25% mehr Lebenszeit mit gesundheitlichen Einschränkungen

Frauen haben weltweit eine höhere Lebenserwartung als Männer, sind jedoch auch rund 25% länger von gesundheitlichen Beeinträchtigungen betroffen. Dieser sogenannte Gender Health Gap ist nicht biologisch bedingt, sondern das Ergebnis eines Gesundheitssystems, das historisch auf den männlichen Körper ausgerichtet wurde und weibliche Lebensrealitäten zu wenig berücksichtigt. Gemäss Studien leiden Frauen überproportional an chronischen, nicht tödlichen Erkrankungen wie Autoimmunerkrankungen, Migräne oder Depressionen.

Nur 8% der Forschungsgelder fliessen in die Frauengesundheit

Ein zentraler Treiber des Gender Health Gap ist die systematische Unterrepräsentation von Frauen in der medizinischen Forschung. Nur ein kleiner Teil der globalen Forschungsbudgets fliesst in die Erforschung von Erkrankungen, die Frauen überproportional oder sogar nur Frauen betreffen. Durch diesen Mangel an geschlechtsspezifischen Daten, basieren Therapien und Medikamente häufig auf männlichen Referenzwerten und sind für Frauen weniger wirksam oder mit deutlich mehr Nebenwirkungen verbunden.

5-mal längere Wartezeit für eine Diagnose

Die Defizite in der Forschung setzen sich im medizinischen Alltag fort. Frauen warten bei vielen Krankheiten deutlich länger auf eine Diagnose und erleben häufiger Fehldiagnosen oder eine Bagatellisierung ihrer Symptome. Besonders ausgeprägt ist dieser Bias bei Schmerzen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Beschwerden von Frauen werden öfter psychologisiert, was zu verspäteten Behandlungen und schlechteren gesundheitlichen Folgen führt. Dabei handelt es sich um ein strukturelles, nicht um ein individuelles Problem.

61% der Frauen gehen früher in Pension als geplant

Gesundheitliche Ungleichheit wirkt sich direkt auf die finanzielle Lebensrealität von Frauen aus. Einerseits durch im Schnitt 30% höhere Ausgaben für Medikamente und Behandlungen. Andererseits durch den Umstand, dass ein grosser Teil der gesundheitlichen Belastung Frauen im erwerbsfähigen Alter betrifft und dadurch Karriereverläufe, Einkommen und Vermögensaufbau beeinflusst. Chronische Erkrankungen, längere Ausfallzeiten und ungeplante frühe Pensionierungen führen zu geringeren Sparquoten und kleineren Renten. Besonders einschneidend sind Lebensphasen wie die Menopause, in denen gesundheitliche Belastungen bei einem Teil der Frauen zu reduzierter Erwerbstätigkeit oder einem früher als geplanten Rückzug aus dem Berufsleben führen können.

Frauen leisten 76% der unbezahlten Care-Arbeit

Zusätzlich zur eigenen gesundheitlichen Belastung übernehmen Frauen den Grossteil der unbezahlten Pflege- und Betreuungsarbeit. Diese Doppelbelastung erhöht Stress, Krankheits- oder Burnout-Risiken und schränkt gleichzeitig berufliche Entwicklungsmöglichkeiten ein. Unbezahlte Care-Arbeit ist dabei ein zentraler struktureller Faktor, der sowohl den Health als auch den Wealth Gap weiter verstärkt.

1 Billion US-Dollar Potenzial für die Weltwirtschaft

Trotz der bestehenden Defizite ist die Frauengesundheit eine der grössten ungenutzten Chancen im Gesundheits- und Investmentbereich. Gemäss dem World Economic Forum beträgt das jährliche Potenzial für die Weltwirtschaft 1 Billion US-Dollar bis 2040 bei Investitionen in die Gesundheit der Frau-Bereiche wie Herz-Kreislauf-Gesundheit, Menopause, Endometriose oder chronische Erkrankungen sind noch unterversorgt, aber von hoher Nachfrage geprägt. Und auch der sogenannten Femtech-Industrie wird ein 16%-iges Wachstum in den kommenden 5 Jahren prophezeit. Eine weitere positive Auswirkung besteht darin, dass Frauen 80% der Gesundheitsentscheidungen treffen. Da sie gleichzeitig in den kommenden Jahren aufgrund des bevorstehenden Vermögenstransfers über mehr Vermögen verfügen werden, können sie gezielt vermehrt in Lösungen für die Frauengesundheit investieren.

Bedeutung für Gesundheit, Wirtschaft und Gesellschaft

Der Gender Health Gap kann nur durch systemische Veränderungen geschlossen werden. Dazu gehören geschlechtsspezifische Forschung und daraus resultierende Daten, ein stärkerer Fokus auf Prävention und Früherkennung sowie eine Verbesserung der medizinischen Behandlung. Ebenso entscheidend ist die stärkere Einbindung von Frauen in Forschung, Führung und Innovation. Ein gerechteres Gesundheitssystem hat nicht nur positive Auswirkungen auf das Leben und die Gesundheit von Frauen, sondern gleichzeitig auf Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt.

Hier geht es zur vollständigen Studie «Women and Health: Challenges and Opportunities» des UBS Chief Investment Office (in Englisch).

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