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Die AHV gerät zunehmend unter Druck. UBS-Szenarien zeigen, warum die Finanzierungslücke wächst und welche Reformmassnahmen sie langfristig verkleinern könnten.

Die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) gerät finanziell zunehmend unter Druck. Der zentrale Grund dafür ist, dass sie langfristig mehr Leistungen auszahlen muss, als sie über Beiträge und andere Einnahmen finanzieren kann. Dieses Ungleichgewicht wird als AHV-Finanzierungslücke bezeichnet.
Diese Lücke ist bereits heute erheblich – und durch die 13. AHV-Rente deutlich grösser geworden. Laut einer UBS-Analyse beträgt sie inklusive der zusätzlichen Monatsrente rund 177 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2021, was etwa 1315 Milliarden Franken entspricht. Zum Vergleich: Ohne die 13. AHV-Rente läge die Lücke bei 102 Prozent des BIP.
Für die AHV bedeutet die zusätzliche Monatsrente Mehrausgaben von mehreren Milliarden Franken pro Jahr. Wie diese Kosten langfristig finanziert werden sollen, ist bislang nicht abschliessend geklärt.

Dieser Beitrag stützt sich auf drei UBS-Studien mit unterschiedlichen Berechnungsgrundlagen. Die Demografie- und Arbeitsmarktszenarien berücksichtigen die 13. AHV-Rente noch nicht und weisen deshalb tiefere Finanzierungslücken aus. Entscheidend ist hier nicht der direkte Vergleich mit der aktuellen Lücke von 177 Prozent, sondern die Richtung und die Stärke der Effekte.
Die AHV wird im Umlageverfahren finanziert. Das bedeutet: Die Beiträge der heutigen Erwerbstätigen werden nicht für ihre eigene spätere Rente angespart, sondern direkt zur Finanzierung der laufenden Renten verwendet.
Dieses System funktioniert gut, solange viele Erwerbstätige die Renten von vergleichsweise wenigen Rentnerinnen und Rentnern finanzieren. Verschiebt sich dieses Verhältnis jedoch, können Defizite entstehen, da die laufenden Einnahmen nicht mehr ausreichen, um die vorgesehenen Leistungen dauerhaft zu decken. Werden diese Defizite nicht ausgeglichen, entsteht eine Finanzierungslücke.
Der demografische Wandel verschärft die AHV-Finanzierungslücke. Die Menschen werden älter und beziehen länger Rente, während im Verhältnis weniger Erwerbstätige Beiträge einzahlen.
Das zeigt sich am sogenannten Altersquotienten: Er beschreibt das Verhältnis von Rentenbeziehenden und einzahlenden Personen – heute kommen auf jeden Rentenbeziehenden etwa drei Erwerbstätige, bis 2070 werden es nur noch zwei sein.
Dahinter stehen vor allem zwei Entwicklungen: eine steigende Lebenserwartung und eine tiefe Geburtenrate. Auch die Migration spielt eine Rolle, weil Zuwanderung die Zahl der Erwerbstätigen beeinflussen kann.
UBS-Vorsorgeexperten haben berechnet, wie stark sich die demografische Entwicklung auf die AHV-Finanzierungslücke auswirken kann. Die Demografieszenarien gehen im Basisszenario (beruhend auf BFS-Statistiken) von einer Finanzierungslücke von 88,2 Prozent des BIP von 2019 aus:
Die UBS-Analyse zeigt: Selbst wenn sich die Demografie günstig entwickelt, kann sie die AHV nur etwas entlasten. Das Finanzierungsproblem löst sie allein nicht. Dafür braucht es strukturelle Reformen.


Sie möchten erfahren, welchen Einfluss Geburtenrate, Lebenserwartung und Zuwanderung auf die AHV haben? Die UBS-Studie rechnet verschiedene Demografieszenarien und deren Einfluss auf die Finanzierung durch.
Während sich die Demografie nur eingeschränkt durch politische und ökonomische Anreize beeinflussen lässt, kann der Arbeitsmarkt aktiver gestaltet werden – etwa mit Anreizen für eine höhere Erwerbsbeteiligung. Doch wie stark würde eine höhere Erwerbstätigkeit die AHV tatsächlich entlasten?
Grundsätzlich kann eine höhere Erwerbstätigkeit die AHV entlasten, da sich die 1. Säule zu rund drei Vierteln über Lohnbeiträge finanziert. Je mehr Menschen erwerbstätig sind und je höher ihr Arbeitspensum ist, desto mehr Beiträge fliessen in die AHV.
In der Schweiz besteht hier durchaus Potenzial. Die Erwerbsquote ist mit über 80 Prozent zwar hoch, gleichzeitig arbeiten aber viele Menschen Teilzeit – besonders Frauen. Gerechnet in Vollzeitstellen arbeiten Männer im Schnitt 85 Prozent, Frauen nur 60 Prozent.
Diese Differenz entsteht vor allem ab einem Alter von rund 28 Jahren. Bis dahin sind Frauen und Männer ähnlich stark erwerbstätig. Danach öffnet sich die Schere, meist mit der Geburt von Kindern, und schliesst sich über das restliche Erwerbsleben nicht mehr.
Genau hier setzen die UBS-Arbeitsmarktszenarien an. Sie gehen von einer Finanzierungslücke von 89,2 Prozent des BIP aus:
Mehr Erwerbstätigkeit kann die AHV also spürbar entlasten. Den Austritt der Babyboomer aus dem Arbeitsmarkt kann sie jedoch nicht vollständig ausgleichen.


Sie möchten mehr über die Auswirkungen einer höheren Erwerbsbeteiligung auf die AHV erfahren? Die UBS-Studie analysiert verschiedene Szenarien und zeigt, welche Faktoren die langfristige Finanzierung der AHV besonders beeinflussen.
Um die AHV-Finanzierungslücke zu verkleinern oder zu schliessen, stehen mehrere Reformwege zur Diskussion. UBS-Fachleute haben vier Finanzierungsmöglichkeiten berechnet. Ausgangspunkt ist die aktuell berechnete Finanzierungslücke von 177 Prozent des BIP unter Berücksichtigung der 13. AHV-Rente.
Zusätzliche Einnahmen könnten die AHV kurz- bis mittelfristig stabilisieren. Würde die Finanzierungslücke allein über höhere AHV-Lohnbeiträge geschlossen, müsste der AHV-Beitragssatz jedoch von heute 8,1 Prozent auf rund 11,5 Prozent steigen. Das würde Erwerbstätige und Unternehmen direkt belasten. Eine höhere Mehrwertsteuer hätte ebenfalls spürbare Folgen, insbesondere für Haushalte mit tieferen Einkommen und Familien mit Kindern.
Ein höheres Referenzalter zählt zu den wirksamsten Hebeln. Denn wer länger arbeitet, zahlt länger Beiträge und bezieht gleichzeitig später Rente. Dadurch wird die AHV doppelt entlastet.
Laut der UBS-Analyse würde ein Referenzalter von 66 Jahren die Finanzierungslücke auf 138 Prozent des BIP senken, ein Referenzalter von 67 Jahren auf 100 Prozent. Noch stärker wäre der Effekt, wenn das Referenzalter dynamisch an die Lebenserwartung gekoppelt würde.
Heute werden die AHV-Renten je zur Hälfte an die Lohn- und Preisentwicklung angepasst. Würden die Renten stärker an die Preise statt an die Löhne gekoppelt, würde ihr Wachstum gebremst. Das könnte die AHV deutlich entlasten.
Bei den Witwen- und Witwerrenten ist eine Reform in parlamentarischer Beratung. Sie soll die Leistungen stärker an heutige Familien- und Erwerbsmodelle anpassen. Finanziell ist der Effekt vergleichsweise begrenzt: Die Finanzierungslücke würde laut UBS auf 162 Prozent des BIP sinken.
Die Berechnungen zeigen: Keine einzelne Massnahme löst das Finanzierungsproblem der AHV allein. Am wirksamsten wäre eine Kombination verschiedener Reformmassnahmen. So müsste keine einzelne Stellschraube besonders stark bewegt werden, und die Lasten könnten breiter auf verschiedene Generationen und Gruppen verteilt werden.

Sie möchten die möglichen Lösungen verstehen? Die UBS-Studie zeigt, wie stark ein höheres Rentenalter, höhere Beiträge oder eine andere Rentenanpassung die AHV-Lücke verkleinern würden.
Die AHV ist auf ihrer heutigen Grundlage langfristig nicht nachhaltig finanziert – und die 13. AHV-Rente vergrössert die Lücke weiter.
Ziel dieser Massnahmen sollte nicht eine kurzfristige Entlastung sein, sondern eine dauerhafte und generationengerechte Stabilisierung der 1. Säule.
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