Familie Vermögensweitergabe: Planen Sie frühzeitig

In der Schweiz ist die Erbfolge gesetzlich festgelegt. Wer eigene Wünsche einbringen will, sollte dies frühzeitig regeln.

Mit einem Testament oder mit einem Erbvertrag kann festgehalten werden, wer welchen Anteil des eigenen Vermögens erhalten soll.

Das Leben ist voller Ereignisse. Sei es die Geburt eines Kindes oder Enkelkindes, die Anschaffung einer Immobilie oder der Ein- und Austritt aus dem Erwerbsleben. Leider gehört auch der Verlust eines geliebten Menschen dazu. Mit der eigenen Sterblichkeit setzen wir uns aber nur ungern auseinander. Doch auch hier sind wichtige Entscheidungen zu fällen: Was bleibt von Ihnen zurück, wenn Sie einmal nicht mehr hier sind? Wer soll Ihren Nachlass erhalten? Welche Personen oder Organisationen möchten Sie begünstigen? Entsprechen Ihre Vorstellungen auch denjenigen Ihrer Nachkommen und Begünstigten? Nehmen Sie Ihre Nachfolgeplanung rechtzeitig an die Hand, um sicherzugehen, dass Ihr Vermögen nach Ihren Wünschen weitergegeben wird. Wir zeigen Ihnen auf, worauf Sie bei der Planung Ihrer Vermögensweitergabe achten müssen.

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Das Schweizer Erbrecht gibt eine Erbfolge vor

Das Schweizer Erbrecht sieht im Todesfall grundsätzlich eine gesetzliche Erbfolge vor. Dabei gelten folgende Prinzipien und Pflichtteile:

  • Der Ehepartner (oder Partner bei eingetragenen Paaren) erhält die Hälfte des Nachlasses, wenn das Erbe mit direkten Nachkommen (eigene Kinder oder Enkel) geteilt wird.
  • Der Ehepartner erhält drei Viertel, wenn es mit Eltern oder deren Nachkommen (Geschwister, Nichten oder Neffen der verstorbenen Person) geteilt wird. 
  • Sollten weder direkte Nachkommen, Eltern oder deren Nachkommen noch leben, erbt der Ehepartner alles. 
  • Wenn keine Verwandten mehr leben oder gefunden werden können, geht das Erbe an den Staat.

Die Nachlassplanung beginnt zu Lebzeiten: eheliches Güterrecht und Erbrecht

Für Verheiratete kommt das Ehegüterrecht noch vor dem Erbrecht zum Zug. Verstirbt ein Ehegatte, erfolgt zuerst die sogenannte güterrechtliche Auseinandersetzung. Mit dieser wird festgestellt, welcher Teil des ehelichen Vermögens dem überlebenden Ehegatten zugeteilt wird und welcher Anteil in den Nachlass des Verstorbenen fällt.

Ist kein Ehevertrag vorhanden, gilt der Güterstand der sogenannten Errungenschaftsbeteiligung. Mit einem Ehevertrag kann die Vermögensaufteilung über eine Gütergemeinschaft, das gesamte Vermögen gehört beiden Ehepartnern, oder eine Gütertrennung, beide Ehepartner bleiben Eigentümer ihres eigenen Vermögens, festgelegt werden.

Jeder Güterstand hat seine Eigenheiten, welche sich entscheidend auf das Ergebnis der güterrechtlichen Auseinandersetzung auswirken können. Welche Regelung für Sie optimal ist, lässt sich nur unter Miteinbezug Ihrer Vermögensverhältnisse, der Familiensituation sowie Ihrer persönlichen Anliegen herausfinden.

Unterschiedliche Familienmodelle sind Realität

Sie haben eine klare Vorstellung davon, wie Sie Ihr Vermögen weitergeben wollen? Wenn Sie von der gesetzlichen Erbfolge abweichen möchten, sollten Sie sich aktiv darum kümmern. Insbesondere wenn Sie im Konkubinat, als Patchworkfamilie oder in einem alternativen Familienmodell leben, gilt: Paare, die nicht verheiratet oder eingetragen sind, gelten gegenseitig nicht als gesetzliche Erben und haben ohne definierte Begünstigung kein Anrecht auf einen Anteil am Erbe.

Achtung: Auch wenn Konkubinatspartner per Testament begünstigt werden, so gilt für vorhandene Ehegatten, Nachkommen oder Eltern dennoch der Pflichtteil. Diese Verwandten erhalten also in jedem Fall einen Mindestbetrag gemäss Erbrecht. Der Pflichtteil kann nur dadurch entzogen werden, wenn künftige Erben einen Erbverzichtsvertrag unterzeichnen, in welchem sie explizit auf das mögliche Erbe verzichten.

Testament oder Erbvertrag – was ist der Unterschied?

Wünschen Sie eine abweichende Regelung von der gesetzlichen Erbfolge, können Sie dies in einem Testament oder einem Erbvertrag festhalten. Doch was ist der Unterschied?

In einem Testament wird eine abweichende Regelung festgehalten. Solange die Pflichtteile von Erbberechtigten nicht verletzt sind, kann der Erblasser frei entscheiden, welche Vermögensanteile an welchen Begünstigten weitergegeben werden. So können beispielsweise enge Freunde oder Stiftungen bis zu einem gewissen Grad begünstigt werden. Und selbst wenn Pflichtteile verletzt werden, macht dies ein Testament nicht einfach ungültig. Die Erben haben aber ein Jahr Zeit, ein solches Testament anzufechten und ihren vollen Pflichtteil einzufordern.

Schreiben Sie ein Testament, so muss dieses handschriftlich verfasst werden, mit Tag, Monat und Jahr datiert sowie eigenhändig mit Vor- und Nachnamen unterschrieben sein. Ein Testament kann jederzeit geändert oder widerrufen werden. Es kann zu Hause oder beim Notar aufbewahrt werden. Amtliche Aufbewahrungsstellen stehen ebenfalls zur Verfügung. Eine Aufbewahrung zu Hause birgt die Gefahr, dass das Testament nicht gefunden wird oder schlimmstenfalls vom Finder gar vernichtet wird. Gibt es von derselben Person zwei oder mehrere Testamente, die sich widersprechen, so gilt automatisch die jüngste Version. Sind Sie nicht mehr in der Lage, selbst von Hand ein Testament zu verfassen, besteht die Möglichkeit, unter Aufsicht zweier Zeugen bei einem Notar oder einer Notarin ein Testament verfassen zu lassen.

Im Gegensatz zum Testament, das einseitig durch den Erblasser verfasst wird und jederzeit widerrufen werden kann, ist der Erbvertrag eine Vereinbarung zwischen dem Erblasser und einer oder mehreren begünstigten Personen. Mit diesem lassen sich, unabhängig von den gesetzlichen Pflichtteilansprüchen, individuelle Vereinbarungen treffen. Leben Sie beispielsweise mit Ihrem Gatten und seinen Kindern und möchten Ihre Stiefkinder ebenfalls berücksichtigen? Dann können Sie dies im Erbvertrag so festhalten. Die Voraussetzung für einen Erbvertrag ist, dass alle in diese Vereinbarung einwilligen.

Der Erbvertrag ist bindend und kann grundsätzlich nur aufgehoben werden, wenn alle Vertragsparteien wiederum mit der Aufhebung einverstanden sind. Der Erbvertrag muss in Gegenwart von zwei unabhängigen Zeugen von allen Beteiligten beim Notar unterzeichnet werden.

Mit einer Schenkung Vermögen verteilen

Eine andere Möglichkeit, zu Lebzeiten bereits sicherzustellen, dass Ihr Vermögen gemäss Ihrem Willen verteilt wird, ist die Schenkung. Vermögenswerte, die Kindern, Ehegatten oder Dritten geschenkt werden, werden im Erbfall nicht berücksichtigt. Diese Werte sind dann aber natürlich auch nicht mehr im Besitz des Schenkenden. Schenkungen beeinflussen die Steuersituation des Beschenkten anders, als dies ein Erbe tut. Doch auch eine Schenkung wird besteuert, wobei die Höhe der Steuerbelastung davon abhängt, in welcher Beziehung die beschenkte Person zur schenkenden steht und in welchem Kanton sie ihren Wohnsitz hat.

Über den Nachlass zu sprechen, lohnt sich

Ehepaare, Paare und Familien sollten das Thema Nachlassplanung unbedingt gemeinsam und unter Einbezug der nächsten Generationen besprechen. Denn verschiedene Faktoren müssen berücksichtigt werden. So ist wichtig, welcher Güterstand in einer Ehe vereinbart wurde, ob neben den gesetzlichen Nachkommen weitere Begünstige infrage kommen oder ob der überlebende Partner nach dem Tod noch einmal heiratet. Es lohnt sich daher, einen Experten beizuziehen und sich frühzeitig um den Nachlass zu kümmern – damit dieser auch in Ihrem Sinne weitergegeben werden kann.

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