Hilke Plassmann ist Inhaberin des Octapharma-Lehrstuhls für Decision Neuroscience an der Wirtschaftshochschule Insead. Fotos: zvg

Wie treffen wir gute Entscheide?

Diese Frage ist schwer zu beantworten und fast schon philosophisch. Sie hängt vom Ziel, vom Kontext und vom Zustand des Entscheidungsträgers ab.

Sind rationale Entscheidungen besser als emotionale?

Emotional und rational schliessen einander nicht aus. Es gibt rationale Entscheidungen, die auf Emotionen beruhen können. Wenn es beispielsweise mein Ziel ist, das Kurzzeitglück zu maximieren, kann es rational sein, in einen Sportwagen zu investieren. Bei der Suche nach einem effizienten Transportmittel hingegen erweist sich der Kauf vielleicht als weniger rational.

Wichtige Entscheidungen sollten aus dem Bauch heraus getroffen werden, heisst es. Stimmt das?

Viele «stumpfsinnige» Entscheidungen, die auf Gelerntem basieren – wie Regale mit Süssigkeiten zu meiden –, können grossartig sein, wenn ich Gewicht verlieren will. Interessant ist, dass sich Mikrobiologen und Neurowissenschaftler nach jahrelanger psychologisch geprägter Forschung über die Rolle des Bauchgefühls jetzt eher einer biologischen Sichtweise zuwenden. Es gibt nämlich einen neuen Forschungszweig zu unserem «Second Brain», sozusagen dem Bauchgehirn oder unserem enterischen Nervensystem, das von Bakterien bevölkert ist, die unseren Verstand beeinflussen können. Aber dieses Forschungsgebiet steckt noch in den Kinderschuhen.

5 Tipps für bessere Entscheidungen

Stress wirkt sich negativ auf die Entscheidungsfähigkeit aus. Versuchen Sie, äussere Umstände auszublenden und den Fokus auf das Thema zu richten.

Nehmen Sie sich genügend Zeit für Ihre Entscheidung, um die Angelegenheit aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten und mögliche Szenarien zu vergleichen.

Sobald Sie sich über Ihr Ziel im Klaren sind, empfiehlt es sich, neue Gewohnheiten zu definieren, die dabei helfen, Versuchungen zu vermeiden und bessere Entscheidungen zu treffen. Die neuen Gewohnheiten sollten einfach in den Tagesablauf integrierbar sein.

Offenheit und die Fähigkeit, einmal getroffene Annahmen zu überdenken, sind weitere wichtige Säulen, um gute Entscheidungen zu fällen.

Im Allgemeinen ist bekannt, dass selbstbewusste Entscheidungen ein wichtiger Aspekt unserer Entscheidungsfähigkeit sind.

Wie beeinflusst das Selbstwertgefühl die Entscheidungsfindung?

Wir wissen, dass das Selbstbewusstsein ein wichtiger Aspekt unserer Fähigkeit ist, klare Entscheide zu treffen. Insbesondere in einer Situation, in der die Ergebnisse ungewiss sind und in der es keine klare Entscheidungsnorm gibt.

Wie lassen sich Fehlentscheidungen vermeiden?

Bei vielen Entscheidungen gibt es kein Richtig oder Falsch. Es kommt immer auf das Ziel, den Kontext und auf den Stand der Entscheidungsfindung an. Aber wenn «richtig» bedeutet, Vorurteile und das, was Sie emotionale Entscheide genannt haben, zu vermeiden, gibt es zwei gute Nachrichten. Erstens ist uns bewusst, dass wir Vorurteile haben können, und wir sind vorgewarnt. Damit sind wir quasi vorhersehbar irrational. Zweitens haben Verhaltensforscher Strategien entwickelt, um solche Verzerrungen – Vorurteile, irrationale Entscheide – abzufedern.

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Wie sehen diese Strategien aus?

Man zögert die Entscheidung hinaus, nimmt sich Zeit für das Durchdenken unterschiedlicher Szenarien oder testet verschiedene Verzerrungen aus, um so eine gefärbte Entscheidungsgrundlage auszuschalten.

Was sind die häufigsten Defizite bei Entscheidungsträgern und wie lassen sich diese optimieren?

Was in der heutigen Gesellschaft immer wichtiger wird, ist die emotionale Intelligenz einer Führungskraft. Eine weitere wichtige Säule, um gute Entscheidungen zu fällen, sind Offenheit und die Fähigkeit, einmal getroffene Annahmen zu überdenken.

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