Gerhard Jansen im Gespräch mit den Jungunternehmern von Smixin AG. Bild: Jon Naiman

Mit Eigenkapital in junge Unternehmen investieren – ich meine mit eigenem Eigenkapital – das ist nicht eine Lehrbuchsache, sondern eine höchst persönliche und individuelle Angelegenheit. Bauch und Emotionen spielen mindestens die gleich grosse Rolle wie der Kopf. Meine nachfolgenden Äusserungen sind somit sehr persönlich und nicht als allgemeingültige Rezepte zu verstehen.

Bei mir fängt Investieren immer mit den Personen an. Ich sage gerne: «Ich investiere in Leute und nicht in Produkte», was natürlich nicht ganz stimmt, aber fast. Es sind ja später auch die Leute und ihre Kultur, die sie um sich herum aufbauen, die darüber entscheiden, ob das Unternehmen Erfolg oder Misserfolg hat. Jungunternehmer müssen für mich glaubwürdig sein, sich selber fordern, «Sprutz und Pfupf» haben, andere überzeugen und mitreissen können. Ja, und natürlich müssen sie auch etwas können. Und sie müssen bescheiden sein. Startups sind unglaublich arbeitsintensiv, sie haben immer zu wenig Geld und zahlen kleine Löhne. Am Anfang erinnert das mehr an Sklavenarbeit als an geordnete 5-Tage-Wochen. Die grosse Leistung wird freiwillig erbracht. Es muss Spass machen, sonst sind es nicht die richtigen Leute, woraus auch kein Erfolg versprechendes Investment resultieren kann.

Apropos Geld

Der (zwar notwendige) Businessplan spielt bei meiner Einschätzung eine eher untergeordnete Rolle. Die Zahlen stimmen vielfach nach kurzer Zeit nicht mehr. Viel wichtiger ist mir das persönliche Gespräch, aus welchem ich erfahre, welches der anvisierte Kunde und seine Bedürfnisse sind und wie man diesen erreichen will. Wenn ich jemandem einen Business-Case nicht in einer Minute erklären kann, lasse ich die Finger davon.

Zum Thema Marktapproach

Es fällt mir immer wieder auf, dass die Produktentwicklung vielfach erstaunlich rasch vonstatten geht, man sich aber mit dem Marktzutritt äusserst schwertut und diesen vielfach hinsichtlich Aufwand und Dauer gefährlich unterschätzt. Wichtig ist ein Businessplan, der dieser Aufgabe genügend Gewicht und die dafür notwenigen Mittel und Ressourcen zuteilt.

Doch noch ein Wort zum Geld

Es braucht erfahrungsgemäss immer mehr, meist mehr als das Doppelte der ursprünglich geplanten Mittel. Das halte ich bei meiner Entscheidung hinsichtlich eines Private-Investments immer im Hinterkopf. Entweder legen die Investoren die nötigen Mittel selber nach oder es gibt Energie und zeitraubende Investorenrunden mit dem Risiko einer Verwässerung der eigenen Einlage. Sehr wichtig ist mir dann auch die Exit-Frage. Kein Engagement ohne offene Diskussion und ohne vollen Konsens zu einem Exit-Plan oder zumindest einer Exit-Möglichkeit. Von mir auch kein privates Investment ohne professionelles Shareholder-Agreement respektive einen Aktionärsbindungsvertrag.

Den fast wichtigsten Punkt zum Schluss

Das entscheidende Stichwort «Spass» ist schon gefallen. Mit eigenem Risikokapital zu investieren, ist eine unternehmerische Sache, die Spass machen muss. Und zwar auch dann, wenn nicht immer alles rund läuft, was bei Startups der Normalfall ist. Und Achtung: Es gibt auch den ungünstigen Fall eines Investments, das gänzlich misslingt oder abgebrochen werden muss. Dann will ich zumindest sagen können, dass es deutlich mehr Spass gemacht hat, das Geld mit einem guten Team und über eine schöne und lehrreiche Zeitdauer hinweg verloren zu haben als im Alleingang innert weniger Tage an der Börse.

Autorinformation

Gerhard Jansen ist ein langjährig erfahrener Unternehmer und Investor. Er prägte als VRP und Mehrheitsaktionär die Entwicklung der international tätigen Schleuniger Gruppe bis zum Verkauf an die Metall Zug Group. Als Investor und aktiver Verwaltungsrat engagiert er sich heute unter anderem in den Jungunternehmen Smixin AG, Joulia AG und SpineWelding AG.