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Die Sicherung der Rentenauszahlung gehört zu den Hauptsorgen der Schweizerinnen und Schweizer. Die Notwendigkeit einer AHV-Reform steht für viele ausser Frage; aber nur wenige sind bereit, die damit verbundenen Kosten auch tatsächlich zu tragen. Bei der Finanzierung der 1. Säule stehen sich Jung und Alt sowie Eltern und Kinderlose der gleichen Generation gegenüber. Tatsächlich nehmen Eltern, die die nächste Generation der AHV-Beitragszahler grossziehen, namhafte finanzielle Einbussen auf sich.

Billige Arbeitskräfte

Früher dienten Kinder als billige Arbeitskräfte, die dann später ihren Eltern zudem ein Auskommen sicherten. Diese Art der Altersvorsorge wurde im Verlauf des 20. Jahrhunderts sukzessive durch privatwirtschaftliche und staatliche Vorsorgesysteme ersetzt. Heutzutage sind sich Eltern bewusst, dass Kinder ihre aktuelle finanzielle Situation sowie diejenige im späteren Ruhestand beeinträchtigen. Kinder werden nicht mehr als sich später auszahlende Investition betrachtet, sondern vielmehr als emotionaler Gewinn. Moderne Eltern konzentrieren sich auf die Qualität der Kindererziehung anstatt auf die Anzahl Kinder.

Kinder und Altersvorsorge

Die Renten der 1. Säule werden hauptsächlich durch Beiträge der Erwerbsbevölkerung finanziert. Diese hält jedoch nicht mit der ständig wachsenden Zahl von Rentnern Schritt. Sind mehr Kinder die Antwort? Und wenn ja, zu welchen Kosten für Eltern und Gesellschaft?

Kinder um jeden Preis

Es leuchtet ein, dass Kinder mit Kosten verbunden sind. Doch nicht alle diese Kosten sind offensichtlich. Eltern, die beispielsweise aufgrund der Kinderbetreuung ihr Arbeitspensum reduzieren, verzichten nicht nur auf einen Teil ihres Einkommens, sondern geben auch Karrierechancen auf und nehmen Renteneinbussen in Kauf. Die durch die Kinder bedingten finanziellen Vorteile (in der Regel in Form von Familienzulagen, Steuererleichterungen und Kinderbetreuungszuschüssen) sind häufig mager verglichen mit den Kosten.

Eltern tragen somit zum Wohl der gesamten Gesellschaft einen grossen Teil der Kosten für die Erziehung der künftigen AHV-Beitragszahler. Kinderlose dagegen zahlen tendenziell mehr Steuern und erhalten während des Erwerbslebens weniger Sozialleistungen. Wer schlussendlich mehr zu einem umlagefinanzierten Vorsorgesystem beiträgt oder davon profitiert, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, da nicht alle Transfers expliziter und finanzieller Natur sind. Eltern können jedoch unter sonst gleichen Bedingungen nicht so viel Vermögen aufbauen wie Kinderlose.

Retter der AHV?

Bei der AHV handelt es sich um ein umlagefinanziertes Rentensystem, das auf den Generationenverträgen beruht. Jede Generation stimmt implizit zwei Verträgen zu: einem mit der vorhergehenden und einem mit der nachfolgenden Generation (Abb. 1). Der Gesetzgeber hat die Durchsetzung eines Teils dieser Verträge über die AHV umgesetzt. Er hat es jedoch versäumt, eine generationenübergreifend ausreichende Finanzierung zu gewährleisten.

Abbildung 1

Infolge der demografischen Entwicklung nimmt die Zahl der Pensionierten schneller zu als die Erwerbsbevölkerung. Diese Diskrepanz zwischen den Beitragszahlern und Rentenbezügern gefährdet die finanzielle Zukunft der AHV. In ihrer gegenwärtigen Form wird der Vorsorgeeinrichtung bald das Geld ausgehen. Sich zur Rettung der 1. Säule einzig auf die Demografie zu verlassen, ist unklug. Denn ohne Reformen wären etwa fünf Kinder pro Frau nötig, um den AHV-Fonds bis 2070 wieder ins Gleichgewicht zu bringen (Abb. 2). Eine solch hohe Geburtenrate ist nicht realistisch. Ausserdem sollte die Finanzierbarkeit der AHV nicht von der Anzahl Kinder abhängen.

Abbildung 2

Gleiche Ziele, anderes Modell

Gegenwärtig besteht eine Diskrepanz hinsichtlich der Kinderfrage und der Rolle des Nachwuchses bei der Altersfinanzierung. Progressive Reformen sind gefragt, um die Ziele der AHV nachhaltig zu erfüllen. Rentenalter, Beiträge und Leistungen liessen sich auf der Grundlage demografischer Entwicklungen dynamisch und regelbasiert variieren. Die Finanzierung der Altersvorsorge und der Kinder enger zu verknüpfen, würde die Generationenverträge stärken und die finanziellen Nachteile der Eltern verringern. Auf jeden Fall ist die AHV-Finanzierung an die modernen gesellschaftlichen Normen anzupassen, indem schrittweise zu anderen Umverteilungsmodellen übergegangen wird.

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