IC Focus Chart of the Month
Ende 1984 wurden CHF 100 je zur Hälfte in Aktien und Obligationen investiert. Im Portfolio (Rebalancing) erfolgte ein monatliches Zurückführen der Gewichtungen auf die ursprünglichen 50%1. Im Portfolio (Buy-and-Hold) hingegen fanden, wie der Name bereits sagt, keine Rebalancing-Aktivitäten statt. Die Grafik sowie die Rendite-Risiko-Kennzahlen zeigen, wie unterschiedlich (oder ähnlich) sich die beiden Ansätze über die Zeit entwickelten. Die graue Fläche zeigt zudem jeweils die Aktienallokation des Buy-and-Hold-Ansatzes.
Die Ergebnisse mögen in verschiedener Hinsicht überraschen. So zum Beispiel, dass per Ende April 2025 – also nach gut 40 Jahren – beide Portfolios mit ihrer Rendite exakt gleich auf lagen. Wie lässt sich das erklären? Da Aktien langfristig typischerweise höhere Renditen erzielen als Obligationen, steigt im Buy-and-Hold-Ansatz der Aktienanteil im Zeitverlauf an. Bei Rückschlägen hingegen führt ein Aktienanteil von über 50% (Buy-and-Hold), z.B. bei Beginn der Finanzkrise im Juni 2007 mit 63%, oftmals zu einem höheren Verlust im Vergleich zur Rebalancing-Strategie mit konstant 50% Aktienanteil.
Am Tiefpunkt der Finanzkrise (Ende Februar 2009) belief sich der Maximalverlust auf 28,5% beim Portfolio (Rebalancing) gegenüber 30,6% beim Portfolio (Buy-and-Hold), das zu diesem Zeitpunkt einen Aktienanteil von rund 41% hatte. In der Erholungsphase (ab Krisentiefpunkt) profitierte zunächst wiederum der Rebalancing-Ansatz, da er mit einer höheren Aktienquote in die Aufwärtsbewegung startete (50% gegenüber 41%).
Die Schwankungen bzw. Krisen haben somit dazu beigetragen, dass sich die beiden Ansätze immer wieder angenähert haben. Bedeutet dies, dass Rebalancing von kleinerer Relevanz ist als gemeinhin angenommen? Nicht unbedingt. Die Ergebnisse solcher historischen Simulationen hängen von zahlreichen Faktoren ab, insbesondere vom betrachteten Anlagezeitraum. Für nahezu jeden Ansatz, sei es periodisches Rebalancing, Rebalancing mit symmetrischen oder asymmetrischen Bandbreiten oder Buy-and-Hold, lässt sich eine Anlageperiode finden, in der er anderen Ansätzen überlegen erscheint.
Der Nutzen eines regelmässigen Rebalancings (die konkrete Systematik ist dabei zweitrangig) liegt darin, das Portfolio dauerhaft mit dem Anlegerprofil und damit mit der Risikofähigkeit in Einklang zu halten. Dies wird am Ende der Simulation besonders deutlich: Sollte morgen die nächste Finanzkrise eintreten, hielte das Portfolio (Buy-and-Hold) einen Aktienanteil von 81%. Die daraus resultierenden Verluste würden vermutlich nicht nur die Risikofähigkeit der meisten Pensionskassen übersteigen, sondern auch die Risikobereitschaft der meisten Stiftungsratsmitglieder.
1 Annahme Transaktionskosten 0.1%
Entwicklung zweier Portfolios mit unterschiedlicher Rebalancing-Strategie, in CHF, 1985 bis 2026
Entwicklung zweier Portfolios mit unterschiedlicher Rebalancing-Strategie, in CHF, 1985 bis 2026
Asset Allocation1: | Rendite p.a. | Risiko p.a. | Maximalverlust Finanzkrise ‘082 |
Portfolio (Buy-and-Hold) | 5,8% | 9,4% | -30,6% |
Portfolio (Rebalancing) | 5,6% | 8,4% | -28,5% |
Eigene Darstellung: Sales Management & Investment Specialists, UBS Institutional Clients & Global Asset Servicing.
Datenquelle: UBS. Datenzeitraum 31.12.1984 bis 31.08.2026.
Historische Wertentwicklungen sind keine verlässlichen Indikatoren für zukünftige Ergebnisse.
2 Aktien = MSCI World NR USD (in CHF), Obligationen = FTSE World Government Bond Index (hedged in CHF).
3 Finanzkrise: 31.05.2007 bis 28.02.2009.

Livio Fischbach
Livio Fischbach berät Kundenberaterinnen und Kundenberater sowie deren institutionelle Kunden bei der Vermögensanlage und der Erfüllung gesetzlicher Pflichten. Durch seine Vorträge und Publikationen zu Kapitalmarkt- und Vorsorgethemen trägt er massgeblich zur Stärkung des Kompetenzzentrums UBS Institutional Clients bei. Zuvor war Livio Fischbach mehrere Jahre im institutionellen Geschäft von UBS Asset Management in der Schweiz tätig. Er verfügt über einen Masterabschluss in «Applied Economics and Finance» der Copenhagen Business School und ist CFA-Charterholder.
