
Wichtige Punkte
Wichtige Punkte
- Dividenden vermitteln nicht mehr das gesamte Bild: Aktienrückkäufe stellen eine zunehmend wichtige Quelle für die Rendite von Aktionären dar.
- Aktienrückkäufe haben sich zu einem globalen Phänomen entwickelt: Rückkäufe gewinnen auch ausserhalb der USA an Bedeutung, insbesondere in Europa und Japan.
- Die Qualität zählt: Nicht alle Aktienrückkäufe sind gleichwertig; nachhaltige, aus eigenen Mitteln finanzierte Programme sind wünschenswerter.
- Erträge können ihren Preis haben: Herkömmliche Low-Beta- und Covered-Call-Strategien können die Partizipation an starken Aktienmärkten begrenzen.
- Ein Overlay zur Steuerung des Engagements ist anders: Es soll eine breite Marktbeteiligung aufrechterhalten und gleichzeitig Erträge erzielen.
Dividenden waren einst die wichtigsten Aktienerträge. Doch Aktienrückkäufe legen zu, auch weltweit. Jeremy Raccio und Jie Song erläutern, warum Total-Yield-Strategien an Boden gewinnen.
In der Vergangenheit hatten Anleger und Unternehmensführungen weitgehend die gleichen Vorstellungen von Erträgen. Einerseits zogen es Unternehmen im Allgemeinen vor, Barmittel in Form von Dividenden an Aktionäre auszuschütten, und andererseits nahmen Anleger die Ausschüttungen gerne entgegen, um ihren Bedarf an Erträgen zu decken.
Zwar sprechen die defensiven Eigenschaften dividendenstarker Aktien sowie die stabilisierende Wirkung regelmässiger Ertragsausschüttungen weiterhin viele Anleger an, doch das Verhalten der Unternehmen verändert sich. Anleger, die Unternehmen weltweit ausschliesslich anhand der ausgeschütteten Dividendenrendite bewerten, übersehen mittlerweile einen wachsenden Anteil der Gesamtkapitalrendite auf vielen wichtigen Märkten.
Aktienrückkäufe sind dafür ein Paradebeispiel. In den USA haben Aktienrückkäufe Dividenden als vorherrschende Form der Aktionärsrendite abgelöst. Die weltweiten Aktienrückkäufe erreichten im Jahr 2025 einen Rekordwert von 1.46 Billionen US-Dollar, was einen Anstieg von mehr als acht Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Allein auf US-Unternehmen entfielen rund 1.04 Billionen US-Dollar, was etwa 71 Prozent der Gesamtsumme entspricht.1 Die Dynamik lässt kaum nach: Goldman Sachs geht davon aus, dass US-Unternehmen im Jahr 2026 erneut Aktien im Wert von rund 1.4 Billionen US-Dollar zurückkaufen werden – mehr als genug, um neue Aktienemissionen aufzunehmen.2
Tatsächlich sind Dividenden und Aktienrückkäufe lediglich zwei Möglichkeiten für die Rückführung von Kapital an Aktionäre. Bei einer Dividende erfolgt die Auszahlung direkt in bar, während bei einem Aktienrückkauf die Anzahl der Aktien reduziert wird. Dennoch behandelt der Markt die beiden ganz unterschiedlich. Dividenden sind relativ stabil und haben eine starke Signalwirkung. Deshalb wollen Unternehmensleitungen Dividenden in der Regel ungern kürzen. Aktienrückkäufe sind jedoch flexibler, können steuerlich vorteilhafter sein3 und werden zunehmend zum Mittel der Wahl für Unternehmen, die Kapital zurückführen möchten, ohne sich zu einer dauerhaften Ausschüttung zu verpflichten.
Infolgedessen sind Dividendenrendite und Aktionärsrendite auseinander gedriftet, und die Kluft ist oft gerade bei den hochwertigen, cashflowstarken Unternehmen am grössten, die ertragsorientierte Anleger nach eigenen Angaben gerne im Portfolio hätten.
Jahrelang war dies vor allem ein US-amerikanisches Phänomen. Die angekündigten Rückkäufe in Europa erreichten in den ersten beiden Monaten von 2026 jedoch einen Rekordwert von 85.7 Milliarden Euro, was über dem bisherigen Höchststand liegt.4 Konzernvorstände in Europa und – nach mehreren Reformwellen in den Bereichen Unternehmensführung und Kapitaleffizienz – zunehmend auch in Japan betrachten Aktienrückkäufe mittlerweile als gängiges Instrument.
Diese Entwicklung spiegelt einen dauerhaften Wandel in der Art und Weise wider, wie Vorstände über die Rückführung von überschüssigem Kapital denken, und eröffnet neue Möglichkeiten für alle, die bereit sind, über Dividenden hinauszuschauen. Viele Anleger greifen zudem auf Options-Overlay-Strategien zurück, um zusätzliche Erträge zu erzielen. Allerdings haben diese Erträge in der Regel ihren Preis, da sie die Teilhabe an Kursgewinnen begrenzen, wenn die Aktienmärkte stark zulegen.
Ein ganzheitlicherer Ansatz bei Erträgen
Ein ganzheitlicherer Ansatz bei Erträgen
Anlagestrategien passen sich an. Total-Yield-Modelle kombinieren beispielsweise die Dividendenrendite und die Netto-Rückkaufrendite zu einer einzigen Kennzahl, die angibt, wie viel Kapital ein Unternehmen tatsächlich an seine Eigentümer zurückführt, wobei Aktienrückkäufe als erstklassige Quelle von Aktionärsrendite betrachtet werden und nicht als blosse Zugabe zur Dividende.
Diese Herangehensweise entspricht wohl besser dem heutigen Unternehmensverhalten als jeder Ansatz, der ausschliesslich auf Dividenden setzt. Darüber hinaus hat sie eine qualitative Dimension, denn Unternehmen, die sowohl Dividenden als auch Aktienrückkäufe aufrechterhalten können, verfügen in der Regel über nachhaltige Cashflows und eine disziplinierte Bilanz, und Kennzahlen wie die Eigenkapitalrendite und die Ausschüttungsquote helfen dabei, wiederkehrende Kapitalrückflüsse von einmaligen Aktionen zu unterscheiden. Ein Rückkauf, der durch eine bereits ausgeschöpfte, einmalige Genehmigung finanziert wird, vermittelt ein anderes Signal als ein kontinuierliches, eigenfinanziertes Programm. Um beides voneinander zu unterscheiden, bedarf es eines soliden Anlageprozesses.
Bei herkömmlichen Ertragsstrategien besteht ein zweites, subtileres Problem, das die Opportunitätskosten für Anleger betrifft. Viele Aktienertragsprodukte sind bewusst defensiv angelegt und weisen ein Beta von deutlich unter eins auf. In Kombination mit einem traditionellen Covered-Call-Overlay, bei dem Kurssteigerungspotenzial verkauft wird, um eine Prämie zu generieren, kann die Strategie – je nach Ausgestaltung – die Partizipation an genau jenen steigenden Märkten, die langfristiges Vermögen aufbauen, erheblich verringern. Anleger finanzieren ihre Erträge letztendlich dadurch, dass sie auf einen Teil des Kapitalwachstums verzichten.
Allerdings könnte es sich hierbei um einen Scheingegensatz handeln. Immerhin schliessen Erträge und Teilhabe am Markt einander nicht gegenseitig aus. Ein Ansatz, bei dem das Markengagement nahe bei eins gehalten wird, anstatt standardmässig auf ein defensives Profil zurückzugreifen, bietet die Möglichkeit, das Kurssteigerungspotenzial von Aktien zu sichern. Anders ausgedrückt: Wenn Derivate zur Ertragssteigerung eingesetzt werden, können sie durch ihre Strukturierung dazu beitragen, das Netto-Marktengagement stabil zu halten, anstatt es bei steigenden Märkten schwinden zu lassen.
Nach gängiger Finanzweisheit sollten Anleger ihre Annahmen regelmässig überprüfen, sobald sich die Faktenlage ändert. Angesichts dieser neuen wirtschaftlichen und unternehmerischen Realität lässt man einen grossen und wachsenden Teil des Gesamtbildes ausser Acht, wenn man heute ausschliesslich Dividenden betrachtet.
Für ertragsorientierte Aktienanleger bedeutet dies, die Aktionärsrendite umfassender zu messen, Dividenden mit Aktienrückkäufen zu kombinieren, den Blick global statt regional auszurichten und sich nicht damit abzufinden, dass ein geringeres Wachstum der unvermeidliche Preis für die Erzielung von Erträgen aus einem Portfolio ist. Dieses Denken prägt unsere Herangehensweise an Dividendenerträge.
1 ‘Buyback Watch’, Capital Group Global Equity Study, 2026.
2 ‘Goldman Sachs sees a USD 1.4 trillion buyback wave outpacing US equity supply in 2026’, Yahoo Finance, 15. August 2026.
3 Dies ist nicht als Steuerberatung zu verstehen. Anleger sollten sich anhand ihrer individuellen Gegebenheiten und Umstände von ihren eigenen Steuerberatern beraten lassen.
4 Record Stock Buybacks in Europe Make It Even Better Pick Than US, Bloomberg Markets, 27. Februar 2026.
Code: C-09/26 M-006818 M-006819


