Familie Alimente: Das Thema im Überblick

Unterhaltszahlungen dienen der finanziellen Absicherung des Ehepartners oder Kindes. Alles, was Sie zu Alimenten wissen sollten. 

von UBS Women’s Wealth 09. Aug. 2021
Alimente: Unterhaltszahlungen dienen der finanziellen Absicherung des Ehepartners oder Kindes im Falle einer Scheidung.

«Die Ehe ist für Frauen keine Lebensversicherung mehr» – titelten Schweizer Medien im Frühjahr 2021, womit sie Bezug auf jüngste Bundesgerichtsentscheide über Unterhaltszahlungen an geschiedene Ehepartner nahmen.

Der Unterhalt dient der finanziellen Absicherung des Ehepartners oder Kindes im Falle einer Scheidung. Wann besteht ein Anspruch auf Unterhalt für Ehepartnerinnen oder Ehepartner? Wann für Kinder? Wie hoch ist ein allfälliger Anspruch? Und wie beeinflussen die jüngsten Urteile des Bundesgerichts den Anspruch auf Alimente für die Ehegattin oder den Ehegatten?

Dieser Artikel widmet sich genau diesen Fragen.

Unterhalt zwischen Ehepartnern

Schon unter der bisherigen Rechtsprechung bestand die Erwartung, dass Ehegatten nach der Scheidung grundsätzlich selbst für ihren Unterhalt aufkommen sollten. Es gab aber abweichende Mechanismen.

Kriterien für eine Unterhaltszahlung

War es einem Ehepartner oder einer Ehepartnerin nach einer Scheidung nicht möglich, selbst für den eigenen Unterhalt aufzukommen, musste der andere Ehepartner mindestens für eine gewisse Zeit finanzielle Unterstützung durch Alimente leisten. Doch wie wurde dieser Anspruch beurteilt?

  • Bisher wurde einer Ehepartnerin – in der Regel betrifft es Frauen, da sie sich nach wie vor öfter der Kinderbetreuung widmen – nicht zugemutet, wieder eine Arbeit aufzunehmen, wenn sie während der Ehe nicht berufstätig und bei der Scheidung über 45 Jahre alt war.
  • Bis dato hatten Ehepartner Anspruch darauf, ihren bisherigen Lebensstandard auch nach einer Scheidung weiterführen zu können, sofern die Ehe über 10 Jahre dauerte oder die Eheleute gemeinsame Kinder hatten.
  • Eine schweizweit einheitliche Berechnungsmethode für die Unterhaltsbeiträge gab es bisher nicht – sie war teilweise auch von kantonalen Gegebenheiten beeinflusst.

So beeinflussen die Bundesgerichtsentscheide den Anspruch auf Alimente

Einige aufeinanderfolgende Urteile des Bundesgerichts sollen – wie eingangs erwähnt – eine neue und zeitgemässere Ära im Familienrecht einläuten. Geschiedene Ehepartner oder Ehepartnerinnen müssen damit verstärkt selbst für ihren Lebensunterhalt aufkommen.

Auch wenn nach wie vor im Einzelfall entschieden wird, hat das Bundesgericht präzisiert, dass eine Lebensprägung der Ehe, wie sie bis anhin gehandhabt wurde, nur noch zurückhaltend bejaht werden kann. Dies wurde entschieden:

  • Die sogenannte «45er-Regel» wird aufgehoben. Es ist neu davon auszugehen, dass die Aufnahme oder Ausdehnung der Erwerbstätigkeit auch mit über 45 Jahren noch zumutbar ist.
  • Eine Ehedauer von 10 Jahren und mehr ist nicht mehr automatisch lebensprägend.
  • Das Vorhandensein eines oder mehrerer gemeinsamer Kinder wird ebenfalls nicht mehr als alleine lebensprägend qualifiziert.

Eine Ehe kann nach neuer Rechtsprechung als lebensprägend beurteilt werden, wenn ein Ehegatte seine finanzielle Selbstständigkeit aufgegeben hat, um den Haushalt zu besorgen und Kinder zu betreuen, und es ihm nicht mehr möglich ist, in seine frühere berufliche Stellung zurückzukehren. Aber selbst dann können Alimente zeitlich befristet werden und der Ehegatte muss unter Umständen in fortgeschrittenem Alter noch eine Erwerbstätigkeit aufnehmen.

Für die Berechnung der Unterhaltsbeiträge zwischen den getrennt oder geschieden lebenden Eheleuten wird die sogenannte zweistufige Methode angewendet. Das heisst, es erfolgt eine Berechnung des Existenzminimums mit Überschussverteilung. Dies führt zu einer schweizweiten Vereinheitlichung der Unterhaltsberechnung. Relevant sind dabei einerseits die finanziellen Verhältnisse und andererseits die finanziellen Bedürfnisse, also das familienrechtliche Existenzminimum.

Unterhalt für die Kinder

Kinder besitzen grundsätzlich ein Recht auf Unterhalt, unabhängig vom Zivilstand der Eltern. Bis zur Volljährigkeit oder bis zum Abschluss der Erstausbildung, welche den Einstieg ins Erwerbsleben ermöglicht, steht ihnen Unterhalt der Eltern zu.

Lassen sich Eltern scheiden, taucht die Frage auf, wer für den Unterhalt der Kinder zu welchen Anteilen aufkommt und wie hoch die Zahlungen sind.

Berechnung der Unterhaltszahlungen

Der Kindesunterhalt wird vom Gericht bestimmt und setzt sich aus dem sogenannten Barunterhalt und dem Betreuungsunterhalt zusammen.

  • Der Barunterhalt deckt dabei die Grundkosten des Kindes. Zum Barunterhalt zählen alle Grundbedürfnisse (z.B. Lebensmittel, Kleidung und Ausbildung). Dabei gilt, dass derjenige Elternteil, der das Kind persönlich betreut, den Unterhaltsanteil in Form von «Naturalunterhalt» leisten kann, während der andere Elternteil entsprechend einen grösseren Anteil oder gar den ganzen Barunterhalt deckt.
  • Der Betreuungsunterhalt gleicht den entgangenen Verdienst des persönlich betreuenden Elternteils aus. Dieser Anspruch besteht allerdings nur, wenn die Erwerbstätigkeit während der normalen Arbeitszeit eingeschränkt wird. Wenn die Kinder also während den täglichen Arbeitszeiten zur Schule gehen, ist die Ausübung einer Erwerbstätigkeit nicht eingeschränkt und es besteht kein oder nur teilweiser Anspruch auf Ausgleichszahlungen.

Bei der Berechnung des Kindesunterhalts kann zudem der Lebensstandard des zahlungspflichtigen Elternteils eine Rolle spielen. Bei einem hohen Einkommen sowie Lebensstandard kann sich in der Einzelfallbeurteilung der Betrag der Unterhaltszahlungen erhöhen.

Setzen Sie sich frühzeitig mit Ihrer Finanzplanung auseinander – um auch für Unvorhergesehenes gerüstet zu sein

Niemand möchte bei der Ehe oder der Familienplanung an Themen wie Alimente denken. Doch insbesondere die jüngsten Bundesgerichtsentscheide unterstreichen die Wichtigkeit, die Finanzen in die eigenen Hände zu nehmen und sich mit der langfristigen Finanzplanung zu beschäftigen.

Dabei lohnt es, sich auch mit eher schwierigen Aspekten auseinanderzusetzen – zum Beispiel mit einer Trennung oder einem Todesfall. 

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