Seine Stärken zu kennen ist ein Erfolgsfaktor im Berufsleben. Erfahren Sie, wie Berufs-Champions ihre Talente entdeckt haben.

«Aus dir wird nie was Rechtes werden!» Mit diesen niederschmetternden Worten kanzelte ein Lehrer vor 130 Jahren einen Schüler ab. Dieser scheiterte damals beim Auswendiglernen von Vokabeln. Aber er blieb wissbegierig und nutzte die Zeit, seine Talente auszuprobieren. So kam es, dass aus dem «Lehrerschrecken» ein Physiker wurde – einer der bedeutendsten aller Zeiten: Albert Einstein.

Alleskönner gibt es nicht

Die Moral dieser Geschichte? Niemand kann in allen Disziplinen Bestleistungen erbringen. Und wenn jemand dies versucht, ist die Enttäuschung vorprogrammiert. Es wird immer Bereiche geben, in denen andere besser sind und man selbst trotz aller Anstrengung das Mittelmass nie überschreitet.

Das ist aber kein Grund zur Frustration. Statt zu bedauern, dass einem gewisse Stärken fehlen, macht man sich besser auf die Suche nach den eigenen Stärken und entwickelt diese. So wie Einstein. Darum ist er Physiker und nicht Sprachlehrer geworden.

Stärken entdecken, Glück erleben

Zum Entdecken der Talente muss man weder lange «büffeln» noch krampfhaft mit anderen wetteifern. Denn SwissSkills und UBS haben mit der Familienbox «SwissSkills Mission Future» eine spielerische Entdeckungsreise zu den eigenen Stärken entwickelt. Dabei lernen Teilnehmende in einer ersten Mission verschiedene Stärken kennen. Danach können sie im zweiten Teil ihre Stärken in einem visuellen Test herausfinden und sich darüber systematisch mit Familie und Freunden austauschen. Im dritten Teil gilt es, die Stärken im Alltag auszuleben.

Wer eine Ausbildung in einem Umfeld absolviert, das den individuellen Stärken entspricht, spürt meist schnell, dass ihm vieles leicht von der Hand geht – und hat umso mehr Spass daran. Das haben uns junge Schweizer Berufs-Champions in Interviews bestätigt.

Florian Nock

«Gespräche haben mir geholfen, meine Stärken zu entdecken»

Strategisches Denken und geschickte Hände haben Florian Nock zu einem Top-Zimmermann gemacht.

Florian Nock (24) ist Zimmermann. Er gewann Gold an den SwissSkills 2014 sowie Silber an den EuroSkills 2016 in Göteborg und an den WorldSkills in Abu Dhabi 2017. Derzeit ist er in Ausbildung zum Techniker HF Holzbau. An Wettkämpfe ist er auch als Turner gewöhnt.

Was macht Ihnen bei der Arbeit am meisten Spass?
Die Teamarbeit und der sichtbare Fortschritt der Arbeiten.

Welche Ihrer Stärken können Sie im Beruf einbringen?
Meine strategische und praktische Arbeitsweise. Zimmermann ist die perfekte Kombination von Denkarbeit, handwerklichem Geschick und körperlichem Einsatz.

Wie haben Sie Ihre Stärken entdeckt?
Früher, vor meiner Berufswahl, war das eher schwierig für mich. Geholfen haben mir damals Gespräche und Rückmeldungen von Bekannten. Heute helfen mir Erfahrungen und Erlebnisse, meine Stärken weiterzuentwickeln.

Gab es Überraschungen beim Entdecken Ihrer Talente?
Meine Talente haben sich schon früh abgezeichnet. Zum Beispiel konnte ich mich schnell für vielfältige Arbeiten mit Holz begeistern.

Von welcher beruflichen Zukunft träumen Sie?
Derzeit absolviere ich eine Weiterbildung zum Techniker Holzbau. Nach dem Abschluss freue ich mich darauf, mein Wissen in leitender Position für Projekte einzusetzen und mit Mitarbeitenden zu teilen.

Nicolas Ettlin

«Schon als Knirps sass ich vor dem Computer»

Sein Beruf ist sein Hobby. Und dass ihm dieses gut liegt, hat Web-Entwickler Nicolas Ettlin schon früh entdeckt.

Nicolas Ettlin (18) ist Web-Technologies-Entwickler. An den WorldSkills 2019 hat er als Jüngster im Schweizer Team – und noch ohne Lehrabschluss – Silber gewonnen. Derzeit studiert er an der Eidgenössischen Technischen Hochschule EPFL in Lausanne.

Was macht Ihnen bei der Arbeit am meisten Spass?
Es ist immer ein magischer Moment, wenn eine Anwendung erstmals funktioniert – nachdem man Stunden damit verbracht hat, sie zu programmieren und zu perfektionieren.

Welche Ihrer Stärken können Sie im Beruf einbringen?
Einfühlungsvermögen ist sehr wichtig für Softwareentwickler. Denn wenn man Tools kreieren muss, die täglich von Tausenden Menschen benutzt werden, sollte man ihre Bedürfnisse verstehen können.

Wie haben Sie Ihre Stärken entdeckt?
Schon als Junge habe ich meine ersten IT-Projekte zu Hause abgewickelt. Es ist erstaunlich, was man mit nur einem Computer alles machen kann! Die Welt der Computer gefiel mir sofort sehr gut und seitdem bin ich ihr treu geblieben.

Gab es Überraschungen beim Entdecken Ihrer Talente?
Bevor ich zum ersten Mal an Berufsmeisterschaften teilnahm, hätte ich mir nie vorstellen können, was danach auf mich zukommen würde! Es hat mir Spass gemacht, mich mit anderen Lehrlingen in meinem Land und dann in der ganzen Welt zu vergleichen.

Von welcher beruflichen Zukunft träumen Sie?
Ich möchte Projekte entwickeln, die viel mehr möglich machen, als heute möglich ist.

Ramona Bolliger

«Ich möchte einmal eine eigene Bäckerei führen»

Sie hat ihre Stärken im Sinn von «learning by doing» entdeckt. Damit ist Ramona Bolliger weltbeste Bäckerin und Konditorin geworden.

Ramona Bolliger (24) ist Bäckerin/Konditorin sowie gelernte Köchin. An den WorldSkills in Abu Dhabi gewann sie 2017 die Goldmedaille. Seit Anfang Jahr arbeitet sie als Bäckerin in der Bäckerei «Panem» in Madrid. Von 2016 bis 2019 unterrichtete sie als Bäckerin und Fachlehrerin in Aus- und Weiterbildung an der Fachschule Richemont.

Was macht Ihnen bei der Arbeit am meisten Spass?
Ich liebe es, neue Leckereien zu entwickeln. Und ich verbessere gerne Produkte, wenn eines aus irgendeinem Grund nicht so schmeckt, wie es sollte. Mich fasziniert es, dass man sich mit den Rohstoffen und dem Prozess auseinandersetzen muss, um herauszufinden, wo der Fehler liegt. Zudem gefällt mir das genaue Arbeiten. An einem Endprodukt kann man genau erkennen, wie viel Herzblut darin steckt.

Welche Ihrer Stärken können Sie im Beruf einbringen?
Ich bin eine Perfektionistin. Das kommt mir bei der Arbeit in der Bäckerei/Konditorei und bei den Wettkämpfen sehr zugute – auch wenn es manchmal anstrengend ist. Zudem braucht es in der Backstube eine gewisse Flexibilität und Kreativität im Umgang mit Rohstoffen. Beides zähle ich zu meinen Stärken.

Wie haben Sie Ihre Stärken entdeckt?
Bei der Berufswahl liess ich mich von meinen Interessen führen. Vieles über meine Stärken habe ich während des Trainings für Prüfungen und Berufswettkämpfe gelernt. Man merkt schnell, was einem leicht oder eher schwerer fällt, wenn man unter Druck arbeiten muss. Zudem habe ich mir einige meiner heutigen Stärken einfach antrainiert – zum Beispiel mein Arbeitstempo.

Gab es Überraschungen beim Entdecken Ihrer Talente?
Ich hatte als Schülerin noch keine Ahnung, was genau mein Ding ist. Dann habe ich jeweils einfach das gemacht, was mir am meisten Spass bereitete. Und meistens deckt sich das mit den eigenen Stärken.

Von welcher beruflichen Zukunft träumen Sie?
Ich habe noch keine konkreten Pläne, wo ich zum Beispiel in zehn Jahren sein will. Momentan möchte ich vor allem in verschiedenen Bäckereien/Konditoreien in anderen Ländern arbeiten, um Erfahrungen zu sammeln. Dann werde ich sicher die Berufsprüfung – eine Spezialisierung nach Abschluss der Berufslehre und nach erster Berufspraxis – in Betracht ziehen. Ein Traum von mir ist, einmal eine eigene Bäckerei nach meinen Vorstellungen zu führen. Dafür lasse ich mir aber Zeit.