Wie man mit Marktdesign die weltweite Wasserkrise in Angriff nehmen kann

Nahezu zwei Drittel der Weltbevölkerung wird mindestens einen Monat im Jahr mit ernsthafter Wasserknappheit konfrontiert. Paul Milgrom glaubt, dass Marktdesign eine Methode sein kann, um die weltweite Wasserknappheit anzugehen.

03 Okt. 2022 4 Minuten Lesedauer

Es herrscht eine weltweite Wasserkrise. Laut dem World Wildlife Fund (WWF) haben 1,1 Milliarden Menschen keinen Zugang zu Wasser und für sage und schreibe 2,7 Milliarden Menschen ist der Zugang zu Wasser schwierig. Wasserknappheit beeinflusst die Wirtschaft, die Umwelt und die Gesundheit der Menschen. Nobelpreisträger Paul Milgrom ist der Ansicht, dass das zugrunde liegende Marktdesign für die Wasserverteilung angepasst werden muss, um auf angemessene Weise mit dieser Situation umzugehen. Und dabei ist Eile geboten.

Die weltweite Wasserkrise

Die weltweite Wasserknappheit hat einige wichtige wirtschaftliche Auswirkungen. Lokale Unternehmen leiden darunter und das führt zu reduzierten Beschäftigungsmöglichkeiten, sinkenden Steuereinnahmen, die eine starke Belastung für lokale und regionale Wirtschaften darstellen, und letztendlich gehen soziale Gemeinschaften unter und nimmt die Bevölkerungszahl ab. Noch gefährlicher ist es, dass die körperliche Gesundheit der Menschen in Gebieten mit Wasserknappheit beeinträchtigt wird. Die Anfälligkeit für Krankheiten nimmt zu und normalerweise gut behandelbare Erkrankungen wie z.B. Durchfallerkrankungen werden für Menschen fatal. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind Durchfallerkrankungen die zweithäufigste Todesursache bei Kindern unter fünf Jahren.

Im Umgang mit dieser weltweiten Krise ist die Wasserverteilung ein Schlüsselfaktor. Da es sich bei vielen der existierenden Trinkwasserrechte um angestammte Rechte handelt, ist die Wasserverteilung vielfach sehr ineffizient und um diesbezüglich einzugreifen, sind unglaublich komplexe Rechtsverfahren erforderlich. Diese Wassermärkte müssen laut Milgrom neu entworfen werden.

„Wir wissen alle, dass neue Wassermarktdesigns erforderlich sind“, sagt er. „Wenn ich einen guten Vorschlag machen und dem Gouverneur von Kalifornien sagen kann, dass ich eine Lösung für dieses Problem gefunden habe, bin ich der Ansicht, dass ich mir Gehör verschaffen kann. Daher möchte ich das so einsetzen.“

Wir wissen alle, dass neue Wassermarktdesigns erforderlich sind.
Paul Milgrom

Neue Wassermärkte entwerfen

„Einst wasserreiche Orte wie z.B. Kalifornien haben sich stark verändert. Der Regen fällt an verschiedenen Orten“, sagt Milgrom. „2020 gab es auf allen sechs Kontinenten Dürre. Wo es einst viel Wasser gab, ist das aufgrund dieser Veränderung der Niederschlagsmuster nicht mehr der Fall. Das ist das erste Problem. Das zweite Problem ist, dass die Wasserrechte in vielen Orten historisch festgelegt wurden.“

Milgrom verweist auf ein etwas veraltetes System, in dem Menschen nach der Gründung eines Hofs die Rechte erhielten, dort Wasser zu entnehmen, und gegenüber Menschen, die später kamen, Priorität hatten. Früher war das eine praktische Methode zur Vergabe von Wasserrechten, aber das Problem dabei ist, dass sich diese Art von Rechten besonders schlecht übertragen lässt.

„Wir haben heute neue, hochwertige Nutzungen“, fährt Milgrom fort. „Der Übergang von der früheren minderwertigen Nutzung zur hochwertigen Wassernutzung wird erschwert. Es ist nicht einfach, die dafür erforderlichen Märkte zu schaffen. Das bedeutet, dass die Entwicklung der neuen Nutzungen ein gewisses Marktdesign erfordert. Wir müssen Märkte schaffen, die es noch nie zuvor gab, weil die Voraussetzungen für diese Märkte nicht existierten. Und genau das versuche ich zu realisieren.“

Milgrom und sein Team fokussieren sich vorläufig auf Kalifornien, da die Wasserrechte und die rechtlichen Rahmenbedingungen weltweit sehr unterschiedlich sind. Die einzigen Gemeinsamkeiten der Wasserrechte in den verschiedenen Rechtsprechungen sind ihre Verschiedenheit und extreme Komplexität.

„Einer der Faktoren, die das Marktdesign so erschweren, ist der Gedanke, dass eine Scheffel Weizen eine Scheffel Weizen ist. Es ist egal, ob ich sie bei Ihnen oder bei jemand anderem kaufe“, sagt Milgrom. „Oder eine Aktie ist eine Aktie, es ist einem egal, von wem man sie erwirbt. Für Wasser sind die Spielregeln jedoch ganz anders. Wir mussten daher ein System entwerfen, das es uns ermöglicht, Kombinationen dieser besonders heterogenen Rechte zu kaufen und diese Rechte so zu kombinieren, dass wir sie für den Weiterverkauf homogenisieren können. Das müssen wir für Wasser realisieren.“

Wir müssen Märkte schaffen, die es noch nie zuvor gab, weil die Voraussetzungen für diese Märkte nicht existierten. Und genau das versuche ich zu realisieren.
Paul Milgrom

Eine kollektive Anstrengung

Milgrom und sein Team leiten gemeinsam ein akademisches Projekt, das sich auf die Reform der Wasserrechte fokussiert, und er hat kürzlich eine von der Stanford Doerr School of Sustainability genehmigte Förderung sichergestellt.

„Mein Co-Studienleiter ist ein Experte im Bereich des Wasserrechts und wir werden Hydrologen hinzuziehen, die sich mit der Funktionsweise des Wassersystems auskennen“, so sagt er. „Wir werden versuchen, Ingenieuren und den Vertretern der Interessengruppen zu erläutern, wer die Gewinner und Verlierer sein werden und welche alternativen Wassernutzungen möglich sind.“

Das Ziel ist, einen allgemeineren Plan zu entwickeln, der kopiert und in andere Rechtsprechungen implementiert werden kann, um die Wasserprobleme in Folge des Klimawandels in mehreren Orten weltweit zu lösen.

„Wir hoffen, dass wir im Laufe des kommenden Jahres, mit viel Glück hoffentlich bereits früher, nicht nur die wirtschaftlichen Aspekte des Marktdesigns verstehen, das ist mein Beitrag, sondern auch einen seriösen Vorschlag vorlegen können. Und natürlich versuchen diesen zu integrieren“, sagt Milgrom. „Das ist das Ziel. Ich habe das Gefühl, dass dies ein phantastisches Projekt zum Abschluss meiner Karriere wäre.“

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