Bild: Allchemet AG

Professionelle Handwerker kennen die Marken Technocraft für Handwerkzeug und Alduro für Maschinen. Dahinter verbirgt sich die Grosshandelsfirma Allchemet AG. Sie lässt ihre Produkte gezielt für den Schweizer Markt herstellen und importiert sie. So stammen viele Produktlinien im Schweizer Fachhandel und in Do-it-Märkten von Allchemet. In den letzten 14 Jahren hat sich der Umsatz unter Inhaber und Geschäftsführer Thomas Minder mehr als verdoppelt. Noch bis zum 31. Dezember dieses Jahres werden er und seine Frau, die das Personalwesen leitet, im Unternehmen tätig sein. Danach will Minder die operative Führung an seinen Nachfolger abgeben.

Minder erwarb die Firma vor 14 Jahren, nachdem er zuvor in der Geschäftsleitung eines anderen Unternehmens in derselben Branche amtiert hatte. Der Firmengründer und bisherige Inhaber suchte damals eine Nachfolgelösung. «Mein Wunsch war es schon immer, einmal eine eigene Firma zu führen; denn es ist nicht dasselbe, als Manager einer Firma zu arbeiten, die einem nicht gehört», begründet er den Schritt in die unternehmerische Selbstständigkeit.

Mittlerweile selbst in der Nähe des Pensionsalters, entschied sich Minder 2013, eine Nachfolgeregelung zu suchen. Eine familieninterne Lösung kam nicht in Frage, da der Sohn als begeisterter Informatiker die Werkzeugfirma nicht übernehmen wollte.

Die langjährige Hausbank der Allchemet AG, UBS, hatte ihn bereits bei der eigenen Akquisition des Unternehmens unterstützt. Später hatte der Kundenberater bei den periodischen Bankgesprächen darauf hingewiesen, dass «eine Nachfolgeregelung frühzeitig angegangen werden sollte» und Unterstützung angeboten.

Zunächst definierte Minder im Gespräch mit der Bank die Anforderungen an die Nachfolgeregelung. Sein wichtigstes Ziel war, den Standort und damit die Arbeitsplätze zu sichern. Zudem war ihm sehr daran gelegen, dass die Firma weiter mit ihren Partnern geschäftet, vor allem mit den Herstellern in Fernost. «Über die Zeit entstehen Freundschaften, und etliche Lieferanten sind stark von uns abhängig.» Auch die Kunden verlassen sich auf die Leistungen von Allchemet. Natürlich dachten Minder und seine Frau auch an sich selbst: Aus dem Verkauf sollte eine Summe resultieren, die es ihnen erlaubte, den Lebensstandard zu sichern.

Wie bei praktisch jeder Nachfolgeregelung ging es nun an die Unternehmensbewertung. Es ist unverzichtbar, den finanzwirtschaftlichen Wert der Firma zu kennen. Damit beauftragte Minder die UBS. In einer umfassenden Studie nahmen die Experten für Unternehmensbewertungen alle Bereiche der Firma unter die Lupe. Der abschliessende Bericht zeigte auf, wo der Kaufpreis ungefähr liegen würde und wie ein Kaufinteressent die Firma aus seiner Sicht bewerten würde – «objektiv und ohne Beschönigungen», wie Minder betont. Hat er sich ein anderes Resultat gewünscht? «Es spielen sicher emotionale Faktoren mit, aber die Bewertung war fair.»

Nun übernahm ein Mergers-&-Acquisitions-Team (M&A) der UBS. Gemeinsam mit Minder wurden rund 40 Firmen identifiziert, die als Käufer in Frage kommen würden. Die Vorstellungen waren klar: Es durfte kein Käufer sein, der «Parallelstrukturen in unserem Bereich» aufweist. Sonst wären durch Zusammenlegungen Arbeitsplätze gefährdet gewesen. Auch sollte es eine «Schweizer Lösung» sein, denn «erste Gespräche zeigten, dass ausländische Interessenten ihre Priorität nicht in der Sicherung von Schweizer Arbeitsplätzen sehen», so Minder. Keinesfalls ging es darum, die Firma so teuer wie möglich zu verkaufen.

Das M&A-Team der Bank führt Gespräche und sondiert bei Kaufinteressenten. Diesen unterbreitet es ein anonymisiertes Firmenprofil mit den wichtigsten Angaben. Wer am Erwerb der Firma interessiert ist, erhält gegen Unterzeichnung einer Vertraulichkeitserklärung detaillierte Informationen. Bei Interesse reicht der mögliche Käufer auf dieser Basis ein Angebot ein. «In der Schlussrunde konzentrierten sich die Gespräche auf fünf bis sechs echte Interessenten», erzählt Minder. Den Zuschlag erhielt am Schluss die SFS Group in Heerbrugg – aus Sicht Minders ein idealer Käufer. Für Minders ungebrochenes Geschick als Unternehmer spricht, dass er die Rheintaler Firma selber in den Prozess einbrachte.

Insgesamt dauerte der Prozess eineinhalb Jahre. Bei den erforderlichen Abklärungen und Abmachungen sowie beim Verhandeln der kommerziellen Aspekte des Kaufvertrags war die UBS «eine wertvolle Partnerin», so der zukünftige Privatier Thomas Minder.

Es ist unverzichtbar, den finanzwirtschaftlichen Wert der Firma zu kennen.