Seit Jahrzehnten steht der Grüntee im Zentrum von Peter Oppligers Leben und Karriere als Unternehmer. Bilder: Dominik Hodel.

Ohne Peter Oppliger gäbe es kein Rivella Grün. Sein Buch «Der Grüne Tee» hat den damaligen Rivella-CEO Franz Rieder vor rund 20 Jahren auf die Idee zum neuen Getränk gebracht. «Er rief an und fragte mich, ob sich ein Grüntee-Rivella umsetzen liesse», erinnert sich der gelernte Drogist Oppliger. Heute bezeichnet er sich selbst als «Teephilosoph». So betitelt der japanische Kunstwissenschafter Kakuzo Okakura Menschen, die sich leidenschaftlich dem Tee widmen. Oppliger bejahte Rieders Frage und unterstützte Rivella beim Tüfteln mit verschiedenen Rezepturen. Auf die Frage, ob sich seine Beteiligung an der Entwicklung finanziell gelohnt habe, meint Oppliger: «Die finanzielle Rendite als solche hat mich nie interessiert. Ich habe in meinem Leben einen Haufen Sachen gemacht. Zum Teil habe ich viel Geld verdient und zum Teil viel verloren.» Die Entwicklung des Tafelgetränks ist – genau wie sein erstes Teebuch – nur ein Teil der langen «Grüntee-Geschichte» von Peter Oppliger.

Peter Oppliger auf dem Weg zu den Brissago-Inseln.

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Peter Oppliger in seiner ersten Teeplantage auf den Brissago-Inseln.

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Das subtropische Mikroklima des Lago Maggiore lässt auch Camellia sinensis wachsen.

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Aus den Blättern der Camellia sinensis werden Grün- und Schwarztee hergestellt.

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Teezeremonie: vollendeter Genuss von Grüntee.

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Die aufgehende Sonne

Oppligers Liebe zum Grüntee erwacht 1964, als sich der heute 77-Jährige auf der Suche nach Wahrheit in einem alten Chevrolet nach Indien aufmacht. Gefunden hat er dort seine Leidenschaft für den Tee. Oppliger ist sofort begeistert von der Pflanze und ihrer Wirkung. Als Spezialist für Natur- und Pflanzenheilkunde und Ernährung beginnt er sich für die Teepflanze mit all ihren Facetten zu interessieren: therapeutisch, kulturell und spirituell. Dabei kommt er in Kontakt mit dem japanischen Mediziner und Krebsforscher Prof. Dr. Hirota Fujiki, der die Wirkung von Grüntee auf den Körper erforscht. Er unterstützt Oppliger, als dieser in Japan nach passenden Plantagen für den Import des Tees in die Schweiz sucht. Kein leichtes Unterfangen. «Qualität stand bei mir immer an erster Stelle. Und damals war es noch schwierig, in Japan biologische Ware zu bekommen.» Hinzu kommt, dass die meisten Produzenten keine Exportlizenz haben. Also arbeitet Oppliger mit einem Tee-exportverband zusammen, was auch bei der Verständigung mit den Produzenten hilft. Einige Monate später nimmt er Grüntee ins Sortiment seiner Drogerie in der Luzerner Innenstadt auf.

Den Trend erkannt

Um den Tee und seine Wirkung bekannt zu machen, veranstaltet der Teeenthusiast mit Unterstützung von Fujiki Seminare für Fachleute. Viele der teilnehmenden Apotheker und Drogisten nehmen Oppligers Tee in ihr Sortiment auf. Mitte der 80er-Jahre schreibt Oppliger sein erstes Buch über den grünen Tee. Mit rund 300000 verkauften Exemplaren wird «Der Grüne Tee» im deutschsprachigen Raum zum Bestseller und verleiht dem Absatz von Oppligers Tee noch mehr Schub. «Es war der richtige Moment für Grüntee. Die Leute haben sich damals wieder vermehrt für Naturheilkunde interessiert.» Mit seinem Mitarbeiter Willy Bühlmann gründet er 1976 für die Importprodukte seiner Drogerie eine eigene Firma – die Herboristeria. Der Tee verkauft sich gut und ist das wichtigste Produkt im Sortiment.

Nach dem Brand des Luzerner Bahnhofs eröffnet Oppliger dort eine weitere Apotheke, die heute die grösste Apotheke der Innerschweiz ist. Neben seinen florierenden Geschäften ist Oppliger Dozent für Naturheilkunde, hält Vorträge, veranstaltet Weiterbildungsseminare und Studienreisen und richtet auf dem Ballenberg zwei historische Drogerien und einen Heilpflanzengarten ein.

Geschäft und Leidenschaft

Oppligers Kundenkreis wächst. Mit seiner Firma Peter Oppliger AG verkauft er seine eigene Linie für Beuteltee, H&O, online an rund 750 Privatkunden. Dazu kommen zahlreiche Wiederverkäufer des H&O-Tees und knapp 20 sorgfältig ausgewählte Reseller des Offentees der Peter Oppliger Greentea Selection. Kurz vor Erreichen des Pensionsalters verkauft Oppliger seine Geschäfte und erfüllt sich einen Traum: Im botanischen Garten auf den Brissago-Inseln richtet er 2003 eine kleine Testplantage mit der Teesorte Camellia sinensis ein. Er will testen, ob der Tee auch im Tessin wachsen würde. Das subtropische Mikroklima des Lago Maggiore bekommt der Pflanze bestens und so fragt der Kanton Tessin 2004 bei ihm an, ob er etwas Ähnliches auf dem Monte Verità realisieren wolle. Oppliger überlegt nicht lange und gestaltet mit über 1300 Teepflanzen eine Kleinplantage nach japanischem Vorbild – samt stilgerechtem Eingangstor, Sitzpavillon, Zen-Garten und einem Teehaus für Zeremonien. Jedes Jahr besuchen über 5000 Personen die Anlage.

Pionier auf Lebenszeit

Aus Altersgründen hat Oppliger Anfang 2017 die Verantwortung für die Plantage in andere Hände gelegt. Seine Teegeschichte ist mit der Nachfolge aber nicht zu Ende. Er unterstützt weiterhin die Herboristeria, die heute Willy Bühlmanns Sohn Daniel leitet, bei der Auswahl des Tees für die weiterbestehende H&O-Linie. Dasselbe macht Oppliger für Hogapharm. Das Unternehmen wurde von einem von Oppligers Teeseminarteilnehmern gegründet und importiert unter anderem den offenen Grüntee von Oppligers Linie. So stellt Oppliger sicher, dass seine ehemaligen Kunden auch in Zukunft Grüntee von gleichbleibend hoher Qualität bestellen können. Daneben tüftelt er an Anti-Aging-Produkten auf Grünteebasis, lässt im Maggiadelta einen Grünteedigestif produzieren und unterstützt das Projekt einer Teeplantage in Portugal bei seinem Freund Dirk Niepoort. Und er schreibt erneut an einem Buch. Arbeitstitel: «Erinnerungen und Gedanken beim Tee».

Grüntee

H&O-Tee können Sie unter herboristeria.ch bestellen. Alles zur Teeplantage auf dem Monte Verità finden Sie auf casa-del-te.ch.

Peter Oppligers Buch «Grüner Tee, Kultur – Genuss – Gesundheit» ist 2010 im AT Verlag erschienen (ISBN 978-3-03800-540-7).

Im Mai 2017 begleitete Oppliger eine Studienreise zum Thema Teekultur in Japan (mehr auf japanferien.ch).