Andreas Kubli, Leiter Multichannel Management & Digitization bei UBS in der Schweiz, über Apple Pay, «Digital Zurich 2025» und die Schweizer Fintech-Szene.

Fintech ist eine rasant wachsende Industrie mit einem Investitionsvolumen von gut 12 Milliarden US-Dollar weltweit. Wie wappnet sich eine Grossbank wie UBS gegen diese disruptiven Quereinsteiger?

Wir sehen die Fintech-Start-ups nicht als Gegner, sondern als Verbündete. Die Banken der Zukunft müssen sich als Akteure eines Start-up-Ökosystems begreifen. Wir brauchen agile Denkfabriken, die schnell Ideen ausarbeiten und zusammen mit uns auf den Markt bringen.

Inwiefern?

Die Banken sind zwar selbst sehr innovativ. Von den 200 Milliarden US-Dollar an IT-Ausgaben der Banken weltweit fällt rund ein Viertel auf Investitionen in Forschung und Entwicklung. Aber wir profitieren durch die Kooperation mit Fintech-Unternehmen vom Wissenszugewinn und von einer kürzeren Entwicklungszeit. Wir vermarkten zum Beispiel den mobilen Kartenleser von SumUp im Schweizer Markt. Mit dem Start-up IND, das heute zum britischen Software-Hersteller Misys gehört, haben wir den Persönlichen Finanzassistenten in unsere Systeme eingebaut. Und mit dem Schweizer Unternehmen Kudelski haben wir das Sicherheitssystem für unser E-Banking entwickelt.

Warum sollten Start-ups sich umgekehrt an etablierte Banken anlehnen? Das Online-Bezahlsystem Paypal macht ja vor, dass es auch anders geht.

Die Kunden suchen nicht neue Technologien an sich, sondern vor allem integrierte Dienstleistungen. Deshalb hat sich selbst Apple beim Zahlungssystem Apple Pay für eine Kooperation mit Banken entschieden. Die Zusammenarbeit zwischen Banken und Fintech-Unternehmen bringt einen grösseren Kundennutzen. Das ist der entscheidende Erfolgsfaktor.

Wie wählt UBS ihre Partner-Start-ups aus?

Wir prüfen, ob wir ein bestimmtes Know-how selber haben müssen oder ob Externe die Anforderungen besser erfüllen. Dann suchen wir national, aber auch international systematisch nach den geeignetsten Partnern. Wir gehen Kooperationen dort ein, wo sich eine überzeugende Win-Win-Situation für beide Partner abzeichnet.

Kontoanalyse, Robo-Anlageempfehlungen und mobile Bezahlsysteme waren die letzten grossen Innovationen im digitalen Banking. Wo erwarten Sie in den nächsten Jahren den grössten Innovationsschub?

In der Entwicklung ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Die digitalen Finanzdienstleistungen werden künftig weit komplexere Aufgaben als heute erfüllen, vermehrt auch im Bereich der Vermögensverwaltung.

Die Schweiz hinkt punkto Fintech weit hinter den Vereinigten Staaten, Grossbritannien oder Singapur her. Warum ist das so?

Die Schweiz ist klein und digital generell weniger fortgeschritten als die nordischen Länder, Holland oder Grossbritannien. In den USA, London und Singapur werden Unternehmensgründungen stärker gefördert – teilweise direkt durch den Staat. Zudem treiben unsere hohen Lebenshaltungskosten die Löhne, was es einer Jungfirma schwer macht, geeignete Spezialisten anzuziehen. Aber ich will nicht schwarzmalen. Es gibt auch positive Ansätze: Mit Standortinitiativen wie «Digital Zurich 2025» wird der lokale Finanzplatz gefördert und die Innovationsdynamik gestärkt.

Was können die Banken für das Fintech-Ökosystem tun?

Ich glaube, dass wir künftig noch vermehrt zusammenarbeiten müssen. Wenn es uns gelingt, den Standort Schweiz insgesamt weiterzubringen, gewinnen wir alle. Zum Beispiel, indem wir durch die Organisation von Investorenanlässen gemeinsam die Start-ups unterstützen. Ausserdem müssen wir unsere Kräfte bündeln, um technologische Standards durchzusetzen.

Können Sie das an einem konkreten Beispiel illustrieren?

Das Bezahlsystem Paymit haben die SIX Group, die Zürcher Kantonalbank und UBS dieses Jahr auf den Markt bringen können, weil wir gemeinsam eine grosse Kundenbasis haben. Die vielen Kunden wiederum ziehen mehr Einzelhändler an und das wiederum mehr Kunden. Ein weiteres Beispiel ist die Investorenkonferenz zur Start-up-Unterstützung. Das Miteinander der Banken klappt in der Schweiz viel besser als in anderen Ländern wie etwa Deutschland. Das macht mich zuversichtlich. Fintech im Hintergrund, Kundennutzen im Vordergrund.