Klassische Allokation: Bis heute dominieren drei Anlageklassen

Schweizer Pensionskassen zielen auf stabile Renditen bei moderatem Risiko. Ihre Portfolios sind gut diversifiziert, mit einem langfristigen Trend von Nominalwerten hin zu Immobilien.

Typischerweise verteilen sie ihre Anlagen wie folgt:

  • rund ein Drittel in Nominalwerte
  • rund ein Drittel in Aktien
  • knapp ein Viertel in Immobilien
  • ergänzt durch alternative Anlagen

Im Durchschnitt entfallen bei den Aktienanlagen rund ein Drittel auf die Schweiz. Bei den Obligationen sind es etwa zwei Drittel und bei den Immobilien handelt es sich fast ausschliesslich um Schweizer Anlagen. Der Heimmarkt dominiert damit klar.

Dieser Schweiz-Fokus, ein typischer «Home Bias», hängt mit der Regulierung, Währungsüberlegungen, der Stabilität des Schweizer Wirtschaftsraums und nicht zuletzt der Vorliebe für Anlagen aus dem eigenen Land zusammen.

Nominalwerte, Aktien und Immobilien machen rund 90% aus

Historische Asset Allocation von Schweizer Pensionskassen

Die Grafik zeigt die Entwicklung der Zusammensetzung der UBS Pensionskassen-Performance Allokation von 2006 bis 2025. Verschiedene Farben oder Flächen repräsentieren die jeweiligen Anlageklassen, deren Anteile sich im Zeitverlauf verändern. Die Darstellung vermittelt, wie sich die Gewichtung der einzelnen Anlageklassen im Laufe der Zeit verändert und welche Anlageklassen aktuell die grössten Anteile ausmachen. Auf der rechten Seite werden die aktuellen Gewichtungen der Anlageklassen Nominalwerte, Aktien, Immobilien, Alternative Anlagen und Infrastruktur per Q4 2025 dargestellt.

Schweizer Dominanz auch innerhalb der Anlageklassen

Bei den Nominalwerten dominieren Obligationen CHF. Sie machen auch am Gesamtportfolio mit 21% einen beträchtlichen Anteil aus. Fast die Hälfte des Obligationen CHF-Indexvolumens machen Anleihen von der Pfandbriefbank sowie Pfandbriefzentrale und der Eidgenossenschaft aus. Vergleichsweise tiefe 7% von der gesamten Asset Allocation entfallen auf Obligationen in Fremdwährungen.

Mit knapp 23% Anteil bilden auch Immobilien eine zentrale Säule im Portfolio. Davon sind rund 90 % in der Schweiz investiert, hälftig verteilt auf direkte und indirekte Anlagen. Letztere setzen sich je zur Hälfte aus kotierten Immobilienfonds und Anlagestiftungen zusammen, wobei in beiden Kategorien Wohnimmobilien mit je etwa 60% überwiegen.

Die Aktienallokation von rund 34% unterteilt sich im Durchschnitt auf 32,4% Schweiz – mit dem bedeutendsten Sektor Gesundheitswesen – und 67,6% Welt, unterteilt in 40,8% USA und 26,7% «Rest der Welt».

Diese regionalen Gewichtungen führen dazu, dass die fünf grössten Schweizer Blue-Chips – Roche, Novartis, Nestlé, UBS und ABB – rund 16% eines durchschnittlichen PK-Aktienportfolios ausmachen. Bei Aktien Welt belaufen sich die fünf grössten Positionen, allesamt US-Technologieunternehmen (Nvidia, Apple, Alphabet, Microsoft und Amazon), auf «lediglich» 10%.

Die Schweiz dominiert das durchschnittliche Pensionskassen-Aktienportfolio auch bei den Sektoren. Das Gesundheitswesen ist mit 18% der grösste Sektor, wovon zwei Drittel aus der Schweiz stammen. Der IT-Sektor liegt mit einer 16%-Gewichtung an dritter Stelle (wovon drei Viertel USA).

Der verhältnismässig hohe Schweiz-Anteil im Aktienportfolio steht im Gegensatz zur weitverbreiteten Annahme vieler Pensionskassen, wonach vor allem der US‑Markt und insbesondere der US‑Technologiesektor das dominierende Konzentrationsrisiko im Portfolio darstellen.

Braucht es eine andere Gewichtung?

Dennoch sorgen sich mittlerweile viele Pensionskassen um die Anteile der USA und einzelner Technologieunternehmen in ihrem Aktienportfolio. Für die aktuellen Gewichtungen werden deshalb nachfolgend Alternativen diskutiert.

UBS Simulation: Was wäre, wenn?

UBS hat drei Simulationen zur durchschnittlichen Pensionskassen-Anlagestrategie ausgearbeitet, die auf die Fragen nach alternativen Aktienallokationen erste Antworten geben. Grundlage sind historische Daten seit Beginn der Finanzkrise 2007. Als Ausgangslage dient ein typisches Pensionskassen-Portfolio, das als «PK Strategie» bezeichnet wird. Angepasst wird lediglich das Aktienportfolio, gemäss den drei folgenden Alternativen.

Alternative 1 – Gewichtung nach Wirtschaftsleistung (BIP)

Anstatt die Börsenkapitalisierung als Massstab zu nehmen, orientiert sich diese Variante an der wirtschaftlichen Wertschöpfung der Länder und verteilt die Aktienquote gemäss ihrem Anteil am globalen Bruttoinlandsprodukt. Die Top-5-Länder im Aktienportfolio nach Gewichtung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sind USA, China, Japan, Deutschland und Grossbritannien.

Folge:

  • geringere Gewichte für USA und Schweiz
  • stärkere Gewichtung von Ländern wie China oder Deutschland

Ergebnis:
Die historische Rendite liegt bei 3,6% pro Jahr – tiefer als bei der heutigen Strategie, bei ähnlichem oder höherem Risiko.

Aktienallokation basierend auf der BIP-Gewichtung

Historische Entwicklung seit Beginn der Finanzkrise inkl. Rendite-/Risikoeigenschaften

Die Grafik vergleicht die Entwicklung zweier Anlagestrategien im Zeitraum vom 31.05.2007 bis 31.12.2025. Es sind zwei Linien zu sehen: Eine repräsentiert die «PK Strategie» in Rot, die andere die «Strategie (BIP-Gewichtung)» in Gold. Beide Linien verlaufen ähnlich, wobei die «PK Strategie» insgesamt eine etwas bessere Wertentwicklung zeigt. Auf der rechten Seite werden die wichtigsten Kennzahlen beider Strategien gegenübergestellt. Die «PK Strategie» erzielt eine höhere durchschnittliche jährliche Rendite sowie eine geringere Volatilität als die «Strategie (BIP-Gewichtung)». Zusätzlich werden die fünf Länder mit dem grössten Anteil im Aktienportfolio der BIP-gewichteten Strategie aufgelistet: USA, China, Japan, Deutschland und das Vereinigte Königreich. Die USA und China machen dabei den grössten Anteil aus.

Alternative 2 – Globales Marktportfolio

Diese Variante bildet konsequent die weltweite Marktkapitalisierung ab. Die Top-5-Länder im globalen Marktportfolio sind USA (60,5%), Japan (6,1%), UK (3,5%), Kanada (3,2%) und Taiwan (2,8%).

Folge:

  • deutlich höherer USA-Anteil
  • keine bewussten Über- oder Untergewichtungen zum Markt

Ergebnis:

  • Rendite: 4,2% pro Jahr (nahe an der PK-Strategie mit 4,3%)
  • Risiko: 6,6% pro Jahr (gegenüber 6,1% bei der PK-Strategie)

Alternative 3 – 50/50-Allokation von Schweiz und Welt

Hier wird die Aktienquote je zur Hälfte auf den Heimmarkt und das Weltportfolio aufgeteilt. Die Top-5-Länder im Aktienportfolio mit 50/50-Aufteilung sind Schweiz (50,0%), USA (30,3%), Japan (3,0%), UK (1,8%), Kanada (1,6%) und Taiwan (1,4%).

Folge:

  • Starker Home Bias
  • USA und restliche Länder deutlich untergewichtet

Ergebnis:

  • Rendite: 4,2% pro Jahr (nahe an der PK-Strategie mit 4,3%)
  • Risiko: 6,1% pro Jahr (identisch zur PK-Strategie mit 6,1%)

Konzentrationsrisiken bewusst steuern

Die Simulationen sind vergangenheitsbezogen und periodenabhängig. Dennoch erhöhen sie das Bewusstsein dafür, dass Anpassungen, z.B. in der Ländergewichtung, die Performance stark beeinflussen können. Rückblickend hat sich vor allem eine hohe USA- aber auch eine hohe Schweiz-Gewichtung ausbezahlt.

Die Analyse von Aktien, aber auch Obligationen und Immobilien, zeigt, dass Konzentrationen im Portfolio differenziert betrachtet werden müssen:

  • Die grössten Konzentrationsrisiken für Schweizer PKs liegen bei Schweizer Anlagen (bei Obligationen, Aktien und Immobilien), insbesondere im Vergleich zu ihrer relativ kleinen Bedeutung an der globalen Marktkapitalisierung.
  • Pensionskassen, die Handlungsbedarf sehen, können taktische Über- und Untergewichtungen innerhalb der strategischen Bandbreiten vornehmen. Diese sollten aber bewusst als kurzfristige Steuerungsinstrumente eingesetzt werden.
  • Strategische Anpassungen gehören in eine weiterführende Diskussion und müssen mit Renditeziel, Risikofähigkeit und Verantwortbarkeit des obersten Organs im Einklang stehen.
  • Die Historie zeigt, dass sich langfristig eine Orientierung an den Marktgewichtungen lohnt. UBS erwartet, dass dies auch künftig so bleibt.

Die eine «richtige» Lösung gibt es allerdings nicht. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass sich der Home Bias der Schweizer Pensionskassen in der Vergangenheit nicht negativ ausgewirkt hat. Sowohl der US- als auch der Schweizer Aktienmarkt gehörten zu den klaren Gewinnern über die letzten Jahrzehnte.

Stefan Fröhlich

Mathias Beck
Head IC Investment Structures & Advisory, UBS

Mathias Beck verfügt über mehr als 24 Jahre Erfahrung in der Beratung von Firmenkunden, Finanzinstituten und institutionellen Kunden. Seit 2024 verantwortet er bei UBS den Bereich Investment Advisory innerhalb Institutional Clients und ist zusätzlich für das Relationship Management von Fonds zuständig. Gemeinsam mit seinem Team unterstützt er institutionelle Kunden insbesondere in der taktischen Anlageberatung.

Livio Fischbach
Fachexperte Institutionelle Investoren, UBS

Livio Fischbach berät Kundenberaterinnen und Kundenberater sowie deren institutionelle Kunden bei der Vermögensanlage und der Erfüllung ihrer gesetzlichen Pflichten. Durch seine Vorträge und Publikationen zu Kapitalmarkt- und Vorsorgethemen trägt er massgeblich zur Stärkung des Kompetenzzentrums UBS Institutional Clients bei. Zuvor war Livio Fischbach mehrere Jahre im schweizerischen institutionellen Geschäft von UBS Asset Management tätig. Er verfügt über einen Masterabschluss in «Applied Economics and Finance» der Copenhagen Business School und ist CFA-Charterholder.