Das CIO empfiehlt Anlegerinnen und Anlegern, sich auf Nachzügler am Aktienmarkt zu konzentrieren, und schätzt festverzinsliche Wertpapiere, insbesondere Qualitätsanleihen, nach wie vor mit «Most Preferred» ein. (Unsplash)

Ausblick für Aktien scheint wegen rückläufiger Rezessionsrisiken ausgeglichener zu sein

Im 1. Halbjahr 2023 hatten wir zwei ernste und akute Risiken für die Märkte im Blick. Während die US-Notenbank Fed ihren schnellsten Zinserhöhungszyklus seit den 1980er-Jahren vorantrieb, gaben die Unternehmensgewinne ebenso wie die Reallöhne nach. Doch zuletzt haben sich die Aussichten verbessert. Die Reallöhne steigen erneut und die Unternehmensgewinne waren besser als erwartet.


Wir sind nun zuversichtlicher, dass die Zinserhöhungen in den nächsten sechs Monaten keine Rezession in den USA verursachen. Das Wachstum in China hat enttäuscht. Es war aber nicht so schwach, dass sich dadurch die globale Gesamtlage ändert. Die Schwäche in China könnte sogar insofern hilfreich sein, als sie die Inflation in den Industrieländern verringern könnte.


Wie haben diese Entwicklungen also unsere Anlagebeurteilungen geändert?


Wir rechnen inzwischen mit einem ausgewogeneren Risiko-Rendite-Profil von Aktien und stufen diese Anlageklasse von «Least Preferred» auf «Neutral» hoch. Die Berichtssaison für das 2. Quartal dürfte den Tiefpunkt des Gewinnwachstums im Vergleich zum Vorjahr markiert haben und die Unternehmensprognosen für das 3. Quartal waren positiv. Wir gehen daher nun davon aus, dass der Gewinn je Aktie im S&P 500 2023 stagnieren und 2024 um 9% wachsen wird. In unserem Basisszenario erreicht der Index im Dezember einen Stand von 4500 und bis Ende Juni des nächsten Jahres 4700 Zähler.


Obwohl das Risiko einer Rezession in den USA nachgibt, rechnen wir in unserem Basisszenario für die nächsten zwölf Monate noch immer mit einem leicht höheren Risiko von Aktien. Vor diesem Hintergrund bevorzugen wir nach wie vor Nachzügler, deren Bewertungen niedriger sind und die Aufholpotenzial haben. Wir erkennen ein grösseres Aufwärtspotenzial bei Schwellenländeraktien als bei US-Titeln und bevorzugen gleichgewichtete US-Indizes gegenüber solchen, die nach der Marktkapitalisierung gewichtet sind.


Globale Energieaktien stufen wir in diesem Monat von «Neutral» auf «Most Preferred» hoch. Der Sektor ist dieses Jahr zurückgeblieben, doch das sich bessernde Konjunkturumfeld sowie die angespanntere Lage am Ölmarkt dürften die Ölpreise stützen.


Anleihen bleiben unsere bevorzuge Anlageklasse. Das schwächere Wachstum und die nachlassende Inflation in unserem Basisszenario dürften sich positiv auf Anleihen auswirken. Die Renditen sind unseres Erachtens attraktiv. Wir bevorzugen erstklassige (Staats-) und Investment-Grade-Anleihen, die attraktive Gesamtrenditen bieten. Sie dürften besser aufgestellt sein als Aktien, falls die wirtschaftlichen Belastungen zunehmen.


In diesem Monat stufen wir Anleihen aus Schwellenländern von «Most Preferred» auf «Neutral» herab. Diese Anleihen haben nicht nur von den besseren globalen Wachstumsaussichten profitiert, sondern auch von einer Reihe vorteilhafter idiosynkratischer Entwicklungen bei Emittenten von Distressed Bonds, unter anderem aus Ländern wie Ägypten, Nigeria und Pakistan. Eine weitere deutliche Verengung der Kreditspreads gegenüber dem aktuellen Niveau halten wir in unserem Basisszenario daher für unwahrscheinlich.


Der US-Dollar bleibt nach unserer Meinung anfällig. Wir stufen den USD weiterhin mit «Least Preferred» ein und den Euro mit «Most Preferred». Die Inflation geht in den USA schneller zurück als in der Eurozone oder in Grossbritannien. Daher dürften auch die Leitzinsen ihren Höchststand in den USA früher erreichen als in Europa und die Fed könnte Zinssenkungen früher in Erwägung ziehen als andere grosse Zentralbanken. Was den Euro angeht, sind negative wirtschaftliche Überraschungen in der Region unseres Erachtens bereits in der Währungsbewertung berücksichtigt. Die Verbesserung der Handelsbilanz der Eurozone dürfte Unterstützung bieten.


Unterdessen senken wir unsere Einschätzung des Yen von «Most Preferred» auf «Neutral». Die US-Wirtschaft ist relativ stark und die japanische Zentralbank gibt ihre Renditekurvensteuerung nach und nach auf. Wir erkennen daher kaum Impulse, die den negativen Carry von 5% aufwiegen können, den eine Long-Position im Yen gegenüber einer Short-Position im US-Dollar mit sich bringt. Trotzdem stufen wir eine Long-Position im Yen nach wie vor als effektive Absicherung gegen Verlustrisiken ein, vor allem bei Umsetzung mit Optionalität.


Da die Rezessionsrisiken also nachlassen, haben sich die Aussichten für die Aktienmärkte unseres Erachtens verbessert. Weil die Bewertungen aber noch immer erhöht sind, empfehlen wir Anlegern, sich auf Nachzügler am Aktienmarkt zu konzentrieren. Festverzinsliche Wertpapiere, insbesondere Qualitätsanleihen, schätzen wir nach wie vor mit «Most Preferred» ein.


Mehr hierüber erfahren Sie in unserem aktuellen Monthly Letter « Wenn Elefanten tanzen».