Banklehre Investition in Talente ist entscheidend

Die kaufmännische Lehre steht unter Druck, weil sich immer mehr Jugendliche für eine akademische Ausbildung entscheiden. UBS sieht die Berufslehre aber als wichtiges Instrument zur Gewinnung und Förderung von Nachwuchskräften.

Ist die kaufmännische Banklehre bald ein Auslaufmodell? Stefan Seiler, Global Head Talent & Recruiting, und Patrick Stolz, Leiter HR UBS Schweiz, über die Zukunftsaussichten dieses Ausbildungswegs.

Immer mehr Jugendliche in der Schweiz wählen den akademischen Bildungsweg. Wird die KV-Lehre verdrängt?

Stefan Seiler: Wenn man die Statistiken anschaut, dann ist es so. Dabei ist eine der Stärken der Schweiz das duale Bildungssystem. Neben den hervorragenden akademischen Qualifikationsmöglichkeiten brauchen wir weiterhin die Berufslehre. Sie hat im Arbeitsmarkt eine hohe Anerkennung und Akzeptanz und ermöglicht Jugendlichen einen guten Einstieg ins Berufsleben. Die Rahmenbedingungen sind optimal, da man sich an Fachhochschulen oder über weiterführende Fachausbildungen weiterqualifizieren kann.

Besonders stark unter Druck steht der KV-Lehrgang der Finanzbranche, dessen Anteil am gesamten kaufmännischen Lehrangebot seit 1997 von 16 auf 8,5 Prozent gefallen ist.

StS: Nicht bei UBS. Wir bilden im Moment rund 900 Lernende aus und die Zahl ist über die letzten Jahre konstant geblieben. Allerdings müssen wir heute mehr Marketinganstrengungen unternehmen und ein interessantes Aus- und Weiterbildungsangebot anbieten, um junge Menschen zu gewinnen, weil die Konkurrenz zugenommen hat. Die Investition in Nachwuchstalente ist entscheidend.

Angesichts der zunehmenden Digitalisierung stellt sich die Frage, wie lange die hohe Zahl der Auszubildenden beibehalten werden kann.

Patrick Stolz: Wir verpflichten uns, die erfolgreiche Bildungslandschaft in der Schweiz tatkräftig zu unterstützen. Das beweisen auch die Zahlen, die Stefan Seiler erwähnt hat. Die zunehmende Digitalisierung wird den Bedarf an Kaufleuten in der Zukunft sicher beeinflussen. Eine strategische Planung möglicher Szenarien werden wir zusammen mit den Geschäftsbereichen angehen.

Welche Perspektiven haben KV-Lehrabgänger?

PS: Wer bei uns eine KV-Lehre abschliesst, wird auch in Zukunft sehr gut auf dem Arbeitsmarkt positioniert sein. UBS bietet allen Lehrabgängern eine Stelle an, die ihre Ausbildung mit Empfehlung abschliessen. Zudem fördern wir danach auch die Weiterbildung. Klar ist aber, dass sich die Ausbildung dem sich stark ändernden Berufsbild anpassen wird. Wir sind darauf angewiesen, unsere Leute selber auszubilden, weil der Schweizer Arbeitsmarkt zu klein ist, als dass wir dort den Bedarf an kompetenten Leuten abdecken könnten.

Welche Bedeutung haben Bankeinstiegsprogramme für Mittel-, Hoch- und Fachhochschulabsolventen bei UBS?

StS: Das Konzept hat sich bewährt. Es ermöglicht den Berufseinsteigenden einen Einblick in ein breites Spektrum an Aufgaben bei der Bank. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für bereichsübergreifende Zusammenarbeit und gegenseitiges Verständnis. Zudem bietet es die Möglichkeit, noch unbekannte Berufsbilder kennenzulernen.

Was unternimmt UBS, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken?

StS: Die effektivste Massnahme ist, selbst Fachkräfte heranzubilden. Wir haben im Moment rund 1800 Mitarbeitende in unseren «Young Professionals»-Programmen wie der Berufslehre, in Praktika oder den Berufseinstiegsprogrammen für Mittelschul- und Hochschulabsolventen. Hinzu kommen viele Mitarbeitende, die sich berufsbegleitend weiterbilden.

Um Millennials anzuwerben, genügen traditionelle Karrieremodelle nicht mehr. Welche Ansätze verfolgen Sie hier?

PS: Die Kunst wird es sein, allen Generationen – von den Babyboomern über die Generation X bis zu den Millennials – passende Lösungsmodelle anzubieten. Gerade für Millenials, die alle zwei, drei Jahre neue Herausforderungen suchen, bietet UBS Entfaltungs- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten in sehr unterschiedlichen Bereichen. Es wird nun darum gehen, ihnen Mandate zu geben, in denen sie sich beweisen können – und dann lässt man sie innerhalb des Unternehmens weiterziehen und sich neuen Herausforderungen stellen.