Nach dem Start einer Ingenieurkarriere bei einem globalen Konzern beschloss Alice Tognetti (Jahrgang 1985), den Familienbetrieb in Gordola (TI) in die Zukunft zu führen. Fotos: Nik Hunger

Als 33-Jährige übernahm Alice Tognetti die Geschäftsführung der Tognetti Auto SA. Dabei verfolgte die Tessinerin mit ihrem Umweltingenieurstudium einst einen ganz anderen Weg. Während eines Praktikums in Afrika entschied sie sich für einen zweiten Master als Wirtschaftsingenieurin. Denn sie erkannte, wie wichtig es ist, von der Schweiz aus finanzielle und organisatorische Entwicklungshilfe zu leisten.

Nach mehreren Berufsjahren bei einer Beratungsfirma und bei Coca-Cola Schweiz wechselte sie vor zwei Jahren ins elterliche Unternehmen in Gordola (TI). «Der Zeitpunkt war gut, weil die Autobranche mit der Digitalisierung und der Elektrifizierung vor enormen Veränderungen stand und es heute noch tut», so Tognetti. Sie brachte die nötige jüngere Vision und Dynamik mit und konnte gleich sowohl den Kundendienst als auch die HR-Leitung übernehmen.

Seit September 2017 sitzt Alice Tognetti am Steuer der Autogarage, die ihr Grossvater Ernesto 1935 gegründet hat.

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Alice Tognetti übernahm den Familienbetrieb mit 33 Jahren und brachte damit die nötige jüngere Vision und eine frische Dynamik mit.

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Sie selbst fährt zwar lieber Velo und ist damit nicht die typische Garagistin, aber das Auto als komplexes Produkt findet Alice Tognetti faszinierend.

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Bei Tognetti Auto arbeiten rund 100 Mitarbeitende. Für Alice Tognetti sind sie das wertvollste Asset im Betrieb.

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Kultur weiterziehen

Was Alice Tognetti am Betrieb, den sie in dritter Generation führt, am meisten schätzt, sind die menschliche Komponente und die Bedeutung der Firma für die regionale Wirtschaft. «Vorher habe ich Bauprojekte geleitet, jetzt führe ich rund 100 Mitarbeitende. Sie sind das wertvollste Asset in einem Betrieb», betont die lebhafte junge Frau. «Das macht meine Tätigkeit spannend und birgt auch viele neue Herausforderungen. Meine Lernkurve ist noch sehr steil.»

Alice Tognetti ist stolz auf die Investitionen ihres Vaters in einen nachhaltig gebauten Firmensitz mit Fotovoltaikanlagen und Thermopumpe. «Investitionen ins Geschäft gehören zu unserer Unternehmenskultur», betont sie. Den letzten Ausbauschritt hat Alice Tognetti verantwortet. UBS beriet sie beim Kauf des Gebäudes, das die Lackiererei und die Karosserie beherbergt. Der hohe Stellenwert von Investitionen in unserem Betrieb macht die Qualität der Beratung für uns essenziell.»

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Meinung des Umfelds einbeziehen

Auch privat setzt die passionierte Radfahrerin auf Nachhaltigkeit und legt die sechs Kilometer Arbeitsweg in der Regel joggend oder mit dem Velo zurück. Fahrrad statt Auto? Kein Widerspruch, wie sie findet: «Ich möchte vor allem authentisch bleiben. Ich bin nicht die typische Garagistin, aber ich finde das Auto als komplexes Produkt faszinierend.»

Für Alice Tognetti war es schon immer wichtig, sich mit anderen – vor allem Familie und Freunden – auszutauschen, bevor sie Entscheidungen fällt. Während der Coronakrise standen neben den täglichen organisatorischen Aufgaben sowie der Kommunikation mit den Mitarbeitenden und Kunden auch strategische Beschlüsse an.

Ein eingespieltes Führungsteam: Alice Tognetti mit Vater Michele

Positives Fazit

«Die Einführung der Kurzarbeit war zentral, aber wir hatten keine Wahl», so Alice Tognetti. Auf der Agenda standen zudem Massnahmen zur Sicherung der Unternehmensliquidität, etwa durch Verschiebung einer anstehenden Investition. Nach zwei Jahren zieht Tognetti ein positives Fazit aus ihrer Entscheidung, den Familienbetrieb in die Zukunft zu führen. Hierzu zählt nicht zuletzt die sehr gute, aber nicht selbstverständliche Zusammenarbeit mit ihrem Vater.

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