Nominalwerte als stabilisierender Faktor

Um für Markteinbrüche gewappnet zu sein, sind Nominalwerte für Pensionskassen eine zentrale Anlageklasse. Ihr Anteil in einem Pensionskassen-Portfolio hängt deshalb massgeblich von der Risikofähigkeit ab. Aktuell liegt die durchschnittliche Gewichtung bei rund 34% (UBS-Pensionskassen-Performance) und zählt damit von jeher zu den grössten Anlagekategorien. Dennoch geraten Nominalwerte wie Obligationen als Anlageklasse immer wieder unter Druck.

Herausforderung: Tiefzinsumfeld

Ein Grund dafür sind zum wiederholten Mal tiefe Zinsen. CHF-Anlegerinnen und -Anleger sehen sich mit tiefen Renditen konfrontiert. Das gilt auch für Anleihen in Fremdwährungen, abgesichert in CHF. Die Verfallsrendite von Schweizer Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit lag Ende November bei 0,19% p.a. Institutionelle Anleger überlegen daher, festverzinsliche Anlagen zu reduzieren oder innerhalb derselben umzuschichten – etwa von Staats- in Unternehmensanleihen oder in kürzere Laufzeiten, um das Zinsänderungsrisiko (Duration) zu senken.

Rendite bei Obligationen nicht entscheidendes Kriterium

Durch den starken Fokus auf die Rendite darf etwas Zentrales nicht vergessen gehen: Anleihen sind ein wichtiger Diversifikator und Stabilisator eines Pensionskassen-Portfolios. Im Vergleich zu globalen Aktien (in CHF, nicht abgesichert) weisen Anleihen mit hoher Kreditqualität (abgesichert in CHF) eine stabile Wertentwicklung auf, wie in der folgenden Abbildung dargestellt. Dabei handelt es sich bei den Obligationenkategorien um die für Schweizer PKs typischen, vorgängig erwähnten Varianten, die sich punkto Kreditrisiko und Laufzeit unterscheiden.

Historische Wertentwicklung: Obligationen und Aktien

Die Grafik zeigt die historische, indexierte Wertentwicklung (logarithmisch) von globalen Staatsanleihen, globalen Staatsanleihen mit 1–3 Jahren Laufzeit, US-Unternehmensanleihen (alle Anleihenkategorien abgesichert in CHF) und globalen Aktien (in CHF, nicht währungsgesichert) im Zeitraum von 1984 (Basiswert 100) bis 2025. Die Darstellung macht deutlich, dass globale Aktien die höchste Rendite aufweisen, gefolgt von den US-Unternehmensanleihen, globalen Staatsanleihen und globalen Staatsanleihen 1–3 Jahre. Im Vergleich zu globalen Aktien zeigen sämtliche Anleihenkategorien eine deutlich stabilere Wertentwicklung mit kleineren Schwankungen.

Performance im Vergleich (Rendite p.a. / Risiko p.a.)

  • Globale Staatsanleihen 1–3 Jahre: 1,5% / 2,4%
  • Globale Staatsanleihen: 3,6% / 3,7%
  • US-Unternehmensanleihen1: 4,8% / 5,8%

Globale Staatsanleihen 1–3 Jahre, definitionsgemäss ohne Kreditrisiko und mit reduzierter Duration, erzielten die tiefste Rendite bei tiefstem Risiko. Globale Staatsanleihen, mit längeren Laufzeiten, entschädigen mit einer höheren Rendite (Laufzeitenprämie). US-Unternehmensanleihen erzielen schliesslich aufgrund der zusätzlichen Kreditrisikoprämie die höchste Rendite bei zugleich grösstem Risiko.

Für Obligationen lautend auf CHF (Obligationen CHF) zeigt sich ein ähnliches Bild. Die Performance (Rendite p.a. / Risiko p.a.) bezieht sich jedoch auf eine kürzere (verfügbare) Datenhistorie (Ende 2010 bis November 2025):

  • Schweizer Staatsanleihen 1–3 Jahre: -0,2% / 0,9%
  • Schweizer Staatsanleihen: 0,6% / 4,3%
  • Unternehmensanleihen CHF: 1,3% / 2,8%

Fallende Zinsen begünstigten Obligationen

Die Renditen der Vergangenheit sind von sinkenden Zinsen geprägt und daher bedingt aussagekräftig. Allerdings fällt unter Berücksichtigung der Realzinsen (Nominalzinsen abzüglich Inflation) der Zinsrückgang geringer aus. Entsprechend tiefer fallen auch die erzielten realen Obligationenrenditen aus. Zudem sind bei tiefen Zinsen auch die erwarteten Renditen der anderen Anlageklassen tiefer, unter dem Aspekt, dass sich diese aus einem risikolosen Zinssatz plus einer (stabilen) Risikoprämie zusammensetzen.

Anlagestrategie als Ganzes entscheidend

Das entscheidende Argument bezieht sich jedoch auf das Gesamtportfolio. Massgebend für Pensionskassen ist nicht die isolierte Betrachtung einzelner Anlageklassen, sondern die Erreichung ihrer Zielrendite bei möglichst geringem Risiko – mit ihrer (gesamten) Anlagestrategie. Dazu gehört fast immer ein substanzieller Anteil Obligationen, einschliesslich Staatsanleihen. Dass einzelne Anlageklassen eine tiefe Rendite (oder ein hohes Risiko) aufweisen können, ist zweitrangig. Diese Optimierung, das heisst die Bestimmung der Anlagestrategie, ist Teil des Asset-Liability-Managements (ALM).

Obligationen bei Marktturbulenzen

Warum eine Einzelbetrachtung von Obligationen nicht ausreicht, wird beim Blick auf vergangene Aktienmarktkrisen ersichtlich. Die nächste Abbildung zeigt die Obligationenrenditen während Aktienkrisen mit Verlusten von mehr als 10% zum Zeitpunkt des Maximalverlusts.
Beispielsweise verloren in der Dotcom-Krise Aktien bis zu 56,4% (September 2000 bis März 2003), während globale Staatsanleihen im gleichen Zeitraum um 17,6% zulegten. Dass Obligationen in gewissen Krisenmomenten auch an Wert einbüssen können, zeigt das Jahr 2022 mit einem Stagflationsszenario. Eine Konstellation, die in der Vergangenheit jedoch selten war.

Historische Wertentwicklung: Obligationen während Aktienkrisen

Die Grafik vergleicht die historische Wertentwicklung von globalen Staatsanleihen, US-Unternehmensanleihen, globalen Staatsanleihen (1–3 Jahre) und globalen Aktien. Sie zeigt für die zwölf grössten Aktienkrisen seit 1985, in welchen Jahren welche positiven oder negativen Renditen erzielt wurden.

  • In den zwölf Aktienkrisen erzielten globale Staatsanleihen 1–3 Jahre elfmal, globale Staatsanleihen zehnmal und Unternehmensanleihen siebenmal eine positive Rendite.
  • Der grösste Verlust für globale Staatsanleihen 1–3 Jahre lag bei 5,0%, für globale Staatsanleihen bei 14,0% und für Unternehmensanleihen bei 19,7%.
  • Im Durchschnitt der betrachteten Krisen erzielten globale Staatsanleihen die höchste annualisierte Rendite (3,7%), gefolgt von globalen Staatsanleihen 1–3 Jahre (3,2%) und Unternehmensanleihen (1,8%).

Staatsanleihen im Vorteil gegenüber Unternehmensanleihen

Während globale Staatsanleihen aufgrund längerer Laufzeiten und tiefer Renditen derzeit nicht zuoberst in der Anlegergunst stehen, zeigt sich hier: In Krisensituationen werden sie von den Anlegerinnen und Anlegern gesucht und schneiden in solchen Zeiten nicht selten als beste Obligationenkategorie ab.
Obligationen CHF schnitten ähnlich ab (seit 31.12.2010): Schweizer Staatsanleihen und Schweizer Staatsanleihen 1–3 Jahre erzielten in vier Aktienkrisen jeweils je zweimal die höchsten Renditen (im Vergleich mit Unternehmensanleihen CHF). Die höchste Durchschnittsrendite wiesen Schweizer Staatsanleihen 1–3 Jahre auf.

Fazit: Obligationen sind als Teil der Anlagestrategie zentral

Obligationen sollten nicht allein nach ihrer erwarteten Rendite beurteilt werden. Selbst bei lang anhaltenden Tiefzinsen bleiben sie ein wichtiger Stabilitätsanker. Während Aktienmarktkrisen suchen Investoren sichere Werte – allen voran Obligationen. Ihre Preise steigen und bestehende Investoren profitieren von positiven Renditen - genau dann, wenn Stabilität im Portfolio am dringendsten gebraucht wird.
Für Pensionskassen bedeutet das: Ein ausgewogener Anteil an Obligationen bleibt langfristig unerlässlich – unabhängig vom Zinsumfeld.

Livio Fischbach

Livio Fischbach, MSc (Applied Economics and Finance) und Chartered Financial Analyst (CFA), berät institutionelle Kunden bei ihrer Anlagestrategie.

Dazu gehören die Durchführung und die Präsentation von Asset- und Liability-Analysen, die Ausbildung von Verantwortlichen bei institutionellen Kunden sowie Publikationen zu Themen rund um die Kapitalmärkte und die berufliche Vorsorge.

Davor war Livio Fischbach unter anderem mehrere Jahre bei UBS Asset Management im institutionellen Geschäft tätig, wo er sich nebst den strategischen Fragen auch der passenden Umsetzung sämtlicher Anlageklassen gewidmet hat.