Thought of the Week Bargeld arbeiten lassen

Geopolitische Verwerfungen, Aktienmärkte auf Höchstständen und nervöse Marktkommentatoren verleiten viele Schweizer Anlegerinnen und Anleger dazu, grosse Bargeldbestände zu halten. Doch Abwarten ist keine risikolose Strategie. Wer langfristig Vermögen erhalten und aufbauen will, sollte überschüssige Liquidität mit einem langfristigen Plan vor Augen investieren.

von Daniel Kalt 04. Sep 2026

Der tägliche Blick auf Schlagzeilen zu Kriegen, geopolitischen Spannungen, Handelskonflikten und stark gestiegenen Staatsschulden verunsichert. Verständlicherweise fragen sich viele Anlegerinnen und Anleger, ob es nicht vernünftiger wäre, vorerst abzuwarten. Bargeld fühlt sich in solchen Phasen beruhigend an: Sein nominaler Wert schwankt nicht, es ist jederzeit verfügbar und scheint vor den Unwägbarkeiten der Märkte zu schützen.

Doch Sicherheit hat mehrere Dimensionen. Wer mit Bargeld kurzfristige Ausgaben, Steuern oder eine Notfallreserve abdeckt, handelt umsichtig. Wer dagegen darüber hinausgehende Vermögenswerte dauerhaft auf dem Konto belässt, geht das Risiko eines schleichenden Kaufkraftverlusts ein. Der Landesindex der Konsumentenpreise misst die Preisentwicklung jener Güter und Dienstleistungen, die private Haushalte konsumieren. Vermögenswerte sind darin allerdings nicht enthalten. Und gerade dort ist die Geldentwertung erheblich. Die Schweizer Wohnimmobilienpreise haben sich über die letzten zwanzig Jahre mehr als verdoppelt. Ein Franken auf dem Konto mag nominal derselbe geblieben sein. Gemessen an einem Eigenheim hat sich seine Kaufkraft halbiert.

Damit offenbart sich die nächste Sorge: Bei jeder Anlage drohen Verluste. Das stimmt zumindest auf kurze Sicht. Aktien, Anleihen und selbst Immobilien können an Wert verlieren. Entscheidend ist deshalb nicht, jedes Risiko zu vermeiden, sondern Risiken passend zum Anlagehorizont zu dosieren. Mittel, die in den nächsten Jahren benötigt werden, gehören in liquide und defensive Anlagen. Langfristiges Kapital kann dagegen breiter gestreut werden. Diversifikation verhindert zwar keine Rückschläge. Sie verringert aber die Abhängigkeit von einem einzelnen Markt, einer Anlageklasse oder einem bestimmten Szenario.

Viele halten entgegen, Aktien seien bereits teuer. Hohe Bewertungen sprechen in einigen Marktsegmenten tatsächlich für tiefere künftige Renditen und grössere Schwankungsrisiken. Sie liefern aber kein verlässliches Signal für den besten Einstiegszeitpunkt. Märkte können länger teuer bleiben als erwartet, während Unternehmensgewinne und Innovationen die Kurse weitertragen.

Eine pragmatische Antwort lautet deshalb: nicht alles auf einmal investieren, aber jetzt damit beginnen. Überschüssige Liquidität lässt sich in mehreren Tranchen über einen zuvor festgelegten Zeitraum investieren. Das reduziert das Risiko, unmittelbar vor einem Rückschlag den gesamten Betrag anzulegen.

Und wenn überzeugende Alternativen zu Aktien fehlen? Dann lohnt sich der Blick auf die Funktion der einzelnen Portfoliobausteine. Hochwertige Anleihen können laufende Erträge und Stabilität liefern. Immobilien und alternative Anlagen können zusätzliche Ertragsquellen erschliessen, wobei Liquidität, Kosten und spezifische Risiken sorgfältig zu prüfen sind. Die Lösung liegt meist nicht in der einen perfekten Anlage, sondern in einer Kombination aus verschiedenen Bausteinen, die unterschiedliche Aufgaben erfüllen.

Bargeld bleibt unverzichtbar. Aber es sollte einem Zweck dienen und nicht zur dauerhaften Ausweichstrategie werden. Die Welt wird uns den Zeitpunkt ohne Unsicherheit kaum schenken. Wer langfristiges Kapital schrittweise, breit diversifiziert und diszipliniert investiert, muss nicht wissen, welche Schlagzeile morgen die Märkte bewegt. Besser, man lässt sein Bargeld arbeiten, statt darauf zu warten, dass sich alle Zweifel in Luft auflösen.

Disclaimer

Tags