
Letzte Woche haben die USA und der Iran eine Absichtserklärung für ein Kriegsende im Nahen Osten unterzeichnet. Das vorläufige Abkommen soll in den kommenden 60 Tagen in weiteren Verhandlungen finalisiert werden. Wenn dieser «Deal» hält und die Strasse von Hormus langfristig wieder für den Schiffsverkehr geöffnet wird, könnte das dazu führen, dass die Ölpreise in der zweiten Jahreshälfte auf einem tieferen Niveau notieren als noch zwischen März und Juni, sich die globale Konjunktur aufhellt und damit die Finanzmärkte unterstützt werden.
Ist nun die richtige Zeit, um anzulegen?
Allerdings wurde eine Einigung von den Aktienmärkten bereits vorweggenommen. So notiert beispielsweise der Schweizer Aktienmarktindex SPI am 12. Juni bereits wieder über seinem Niveau von Ende Februar dieses Jahres, am Vorabend des Nahostkrieges.
Was ebenfalls zur Vorsicht mahnt: Es gibt keine Garantie, dass es tatsächlich zu einer Normalisierung auf dem Ölmarkt kommt. Möglicherweise ist die Infrastruktur so stark beschädigt, dass trotz der Öffnung die Normalisierung sehr viel langsamer verläuft als erwartet. Oder die beiden Parteien finden in der weiterhin ungelösten Diskussion um das iranische Atomprogramm keine Einigung und die Lage spitzt sich in zwei Monaten wieder zu.
Anlegen: Gestaffelt und mit langem Horizont
Mit diesen Argumenten im Hinterkopf stellt sich die Frage, ob heute wirklich der richtige Zeitpunkt ist, um in den Markt einzusteigen. Niemand kann sagen, ob heute oder morgen der bessere Zeitpunkt ist. Das ist aber unserer Meinung nach auch nicht entscheidend, wenn man sich zwei Ratschläge zu Herzen nimmt: gestaffelt und mit einem langen Anlagehorizont zu investieren.
Zur Illustration werfen wir einen Blick auf den Swiss Performance Index seit 1987. Hätte man in jedem Jahr den günstigsten Einstiegsmonat (zu Beginn des Monats mit dem tiefsten SPI-Stand) erwischt, läge die durchschnittliche Performance nach einem Jahr bei rund 21 Prozent. Hätte man den ungünstigsten Einstiegsmonat (zu Beginn des Monats mit dem höchsten SPI-Stand) erwischt, würde die durchschnittliche Performance bei 1,5 Prozent liegen. Hätte man über das gesamte Jahr regelmässig (Anlagesumme gleichmässig auf zwölf Monate verteilt) investiert, läge die Performance bei rund 9 Prozent.
Legt man nicht nur für ein Jahr an, sondern über zehn Jahre, so liegt die jährliche Performance mit dem günstigsten Einstiegsmonat bei 10,5 Prozent, mit dem ungünstigsten Einstiegsmonat bei 8,5 Prozent und mit einem regelmässigen Investment über das gesamte Jahr bei 9,2 Prozent.
Sparkonto keine Alternative zum Anlegen
Zum Vergleich: Das Sparkonto hätte seit 1987 im Schnitt rund 1,5 Prozent abgeworfen. Über die nächsten zwölf Monate dürfte es noch weniger sein: Am letzten Donnerstag hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) an ihrer vierteljährlichen geldpolitischen Lagebeurteilung beschlossen, ihre Leitzinsen weiterhin bei 0 Prozent zu belassen. Wir erwarten, dass die SNB die Leitzinsen auch in den nächsten zwölf Monaten auf dem aktuellen Niveau belässt und erst in einem Jahr eine erste Zinserhöhung auf 0,25 Prozent veranlasst.
Über die lange Frist spielt es somit eine untergeordnete Rolle, ob man einen guten oder einen schlechten Zeitpunkt erwischt, um eine Anlage zu tätigen. Hauptsache ist, dass man anlegt, denn die Renditedifferenz zwischen einem Sparkonto und dem SPI (unabhängig vom Einstiegszeitpunkt) ist signifikant.
Das Risiko, zum falschen Zeitpunkt anzulegen, lässt sich durch einen gestaffelten Einstieg weiter reduzieren. Eine Anlage in ein breit diversifiziertes Portfolio reduziert die Wertschwankungen während der Anlageperiode.