
Das Jahresende rückt näher − Zeit, sich Gedanken über die Vorsätze für das Jahr 2026 zu machen. Laut einer vom Onlinehändler Galaxus in Auftrag gegebenen Studie aus dem Jahr 2023 tun dies auch tatsächlich rund 60 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer. Dabei dominieren die Vorsätze im Bereich Ernährung und Sport, aber vier von zehn Personen hierzulande fassen auch bezüglich Finanzen Neujahrsvorsätze.
Bringen Sie sich (und Ihr Geld!) in Form: Anlegen statt Sparen
Mehr sparen oder überhaupt sparen dürfte dabei ein oft gehörter Vorsatz sein. Das klingt jedoch nicht besonders verlockend bei Sparzinsen nahe 0 Prozent. Daran dürfte sich im neuen Jahr wenig ändern. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat am Donnerstag, dem 11. Dezember, bei ihrer quartalsweise stattfindenden Lagebeurteilung die Leitzinsen bei 0 Prozent belassen.
Ein Zollabkommen mit den USA, das die US-Importzölle von 39 auf 15 Prozent reduziert, dürfte die grössten Abwärtsrisiken für die Schweizer Konjunktur vermindern, aber die verbleibenden US-amerikanischen Zölle bleiben trotzdem eine Belastung für die hiesige Exportindustrie. Das spricht zwar gegen negative Leitzinsen im neuen Jahr, aber auch nicht für einen Zinsanstieg. Wenn die SNB-Leitzinsen bei 0 Prozent verweilen, dürfte das auch für die Sparzinsen gelten.
Der Neujahrsvorsatz sollte daher statt «Sparen» vielmehr «Anlegen» heissen. Unter Berücksichtigung von Inflation und Steuern konnte mit Schweizer Aktien in den letzten 75 Jahren eine jährliche Rendite von rund 3,5 Prozent erzielt werden, während man mit Anleihen 0,3 Prozent und mit dem Sparbuch gar 0,7 Prozent pro Jahr verlor.
Resilienz verbessern: Sich von der Politik nicht einschüchtern lassen
Dieses Jahr war geprägt von geopolitischen und wirtschaftspolitischen Unsicherheiten: Die Schweiz bekam das in den Zollverhandlungen mit den USA deutlich zu spüren und die geopolitische Lage der Ukraine und Europas scheint gegen Ende des Jahres so fragil wie nie zuvor. Wir werden wohl auch im nächsten Jahr mit diesen Unsicherheiten leben müssen. Natürlich stellt sich dann die Frage, ob man in diesem Umfeld wirklich anlegen soll.
Allerdings hat dieses Jahr auch gezeigt, dass sich die Finanzmärkte als relativ robust erweisen gegenüber politischen Überraschungen. So stehen die Aktienmärkte in der Schweiz, in der Eurozone und den USA heute höher als zu Jahresbeginn – trotz der geopolitischen und wirtschaftspolitischen Turbulenzen.
Während politische Störungen die Märkte oft nur kurzfristig beeinflussen, haben wirtschaftliche Turbulenzen wie Rezessionen längerfristige Auswirkungen. Diese können Anleger aber mit einem diversifizierten Portfolio zumindest abfedern.
Chancen nicht vorbeiziehen lassen
Unsicherheit herrscht nicht nur bezüglich der Politik, sondern auch hinsichtlich der Frage, ob sich der Technologiesektor in einer Blase befindet. Das Risiko besteht zwar, ist aber deutlich kleiner als noch vor 25 Jahren während der Dotcom-Ära, wie wir in der CIO Essentials Ausgabe vom September dargelegt haben.
Darüber hinaus darf das langfristige Potenzial der künstlichen Intelligenz nicht vergessen werden. So hat beispielsweise ChatGPT innerhalb eines Jahres seine wöchentlich aktiven Nutzer auf 800 Millionen vervierfacht. Auch die Integration in der Unternehmenswelt schreitet voran. Fast 45 Prozent der US-Unternehmen haben nun kostenpflichtige Abonnemente für KI-Anwendungen, verglichen mit rund 25 Prozent zu Jahresbeginn. Wir sehen 2026 das Potenzial für höhere Aktienpreise: für den Schweizer Markt (Swiss Market Index) rund 5 Prozent, für globale Aktien (MSCI AC World Index) rund 10 Prozent. Insbesondere halten wir Technologieaktien in den USA, aber auch in China für attraktive Anlagen im nächsten Jahr.
Aus Vorsätzen Gewohnheiten machen: Regelmässig anlegen
Neujahrsvorsätze aufzustellen, ist relativ einfach − sie dann auch langfristig zu befolgen, gestaltet sich allerdings deutlich schwieriger. Studien zeigen, dass bereits Ende Januar die Motivation, sich an die neuen Vorsätze zu halten, deutlich abnimmt und man in alte Verhaltensmuster zurückfällt.
Die Psychologin Wendy Wood rät, aus den Vorsätzen Gewohnheiten zu machen, mit einfachen Regeln und einer klaren Regelmässigkeit, um die alten Muster zu durchbrechen. In die Finanzmarktwelt übertragen heisst das: regelmässig anlegen!
