
In den belebten Strassen von Peking feierte ein kleines Technologie-Startup unlängst seinen Börsengang; ein weiterer, kleiner Schritt in Chinas unermüdlichem Streben nach technologischem Fortschritt und Unabhängigkeit. Dies ist ein gutes Beispiel für Chinas lange und zunehmend selbstbewusste wirtschaftliche Reise, wie sie während des vierten Plenums bezüglich strategischer Ziele und Herausforderungen des Landes für die kommenden Jahre dargelegt wurde.
Chinas bevorstehender 15. Fünfjahresplan wird aller Voraussicht nach eine weitere ehrgeizige Roadmap für das Reich der Mitte festlegen, mit dem Ziel, es bis 2035 in ein entwickeltes Land mit einem «mittleren» Einkommensniveau zu verwandeln. Trotz zahlreicher Herausforderungen scheint China fest entschlossen, seine Wirtschaft zu modernisieren und unabhängiger zu werden, gerade auch im Technologiebereich. Der Plan betont die Entwicklung eines modernen Industriesystems, die Ausweitung der Inlandsnachfrage und die Schaffung eines einheitlichen Binnenmarktes. Die Initiativen sollen Chinas wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit stärken, nachhaltiges Wachstum erlauben und seine Technologieführerschaft zementieren, auch im digitalen Bereich. Tatsächlich könnte der Plan in mancher Hinsicht nützliche Anregungen liefern, wie Länder erfolgreich mit dem US-Isolationismus umgehen können.
Der Fortschritt zeigt sich auch in der Binnenwirtschaft: Zwar sind die Spuren der zahlreichen Herausforderungen klar erkennbar, aber eben auch die bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit chinesischer Unternehmen. Im 3. Quartal wuchs die Volkswirtschaft um 4,8 Prozent, angetrieben durch Industrieproduktion und Exporte. Während die Exporte in die USA immer noch unter den Niveaus von vor dem «Liberation Day» liegen, überrascht Chinas globales Exportwachstum positiv. Die jüngsten Zahlen zeigen eine Beschleunigung auf 8,3 Prozent im Jahresvergleich. Diese Widerstandsfähigkeit wird weiter durch selektive Fiskalimpulse unterstützt, um die Inlandsnachfrage zu stabilisieren.
Chinas Weg ist jedoch auch jetzt nicht ohne Hürden: Herausforderungen wie die weiterhin unter Druck stehenden Immobilienpreise, strukturelle Überkapazitäten, die Überschuldung verschiedener lokaler Regierungen sowie die US-Exportbeschränkungen und Zölle – sie belasten Chinas verarbeitende Industrie und den Binnenkonsum, trüben die Stimmung von Unternehmen und Konsumenten und beeinträchtigen Investitionen. Viele dieser Herausforderungen sind struktureller Natur und werden die Märkte wohl auch in Zukunft belasten. Die Modernisierung von Chinas Wirtschaft dürfte zwar weiter voranschreiten, aber der strukturelle Rückgang seines einst explosiven Wachstums ist wohl eine der unvermeidlichen Folgen dieses Prozesses.
Das kürzliche Gipfeltreffen mit der US-Regierung kann ebenfalls als Erfolg gewertet werden, auch wenn keine vollständige Rücknahme der Zölle und Handelshemmnisse erreicht wurde. Aber die strategische Positionierung und die teils emotionalen politischen Debatten vor dem Treffen unterstreichen, wie fragil das Gleichgewicht zwischen den beiden Ländern ist. Angesichts des strategischen Wettbewerbs zwischen den beiden Supermächten dürften die Spannungen auch künftig ein Thema für die Märkte bleiben.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass China mit seinen systematischen Bemühungen erfolgreich ist. Das Land ist auf dem Weg, Wachstum voranzutreiben, eine globale Führungsrolle zu beanspruchen und die Unabhängigkeit der eigenen Wirtschaft zu stärken. China ist in zahlreichen Industrien zu einem globalen Marktführer geworden und es deutet kaum etwas darauf hin, dass es nicht auch im Technologiebereich in absehbarer Zukunft eine ähnliche Position erreichen könnte. Während inländische Probleme und externe Risiken wohl bestehen bleiben, bietet der Fokus auf technologischen Fortschritt und wirtschaftliche Modernisierung – in Kombination mit den systematischen Bemühungen, Lieferkettenabhängigkeiten und Überkapazitäten zu reduzieren – ein gutes Argument für Anlegerinnen und Anleger, um sich eine selektive Aktienallokation in chinesische Titel zu überlegen. Gerade das Wachstumspotenzial im Technologiesektor deutet darauf hin, dass international diversifizierte Investoren auch chinesische Technologiewerte in Betracht ziehen sollten.
