Vermögen Von der ersten Spende zur Philanthropin

Wie bringt sich eine erfahrene Philanthropin ein? Was kann man von ihr lernen? Phyllis Costanza über ihren Weg zur Philanthropin.

26. Nov. 2020

Phyllis Costanza ist CEO der UBS Optimus Foundation. Philanthropie begleitet sie schon, seit sie als Kind ihre erste Spende tätigte. Im Interview erklärt sie, weshalb sie die Welt positiv verändern will, und teilt wichtige Lehren ihrer Laufbahn als Philanthropin.

Phyllis Costanza, können Sie sich noch an Ihre erste Spende erinnern?

Ja – die habe ich als noch kleines Kind getätigt. Gemeinsam mit den Nachbarskindern veranstalteten wir ein Fest im Vorgarten. Es gab Spiele und Preise zu gewinnen. Den Erlös spendeten wir an die Muscular Dystrophy Association.

Das waren etwa 40 Dollar. Damals war ich überzeugt, dass wir mit diesem Betrag mit Sicherheit die grössten Spender für diese Organisation waren.

Und wie engagieren Sie sich heute?

Einerseits engagiere ich mich im Rahmen meiner Tätigkeit als CEO bei der UBS Optimus Foundation und als Head UBS in Society, anderseits verfolge ich auch persönlich philanthropische Tätigkeiten.

Bei der UBS Optimus Foundation unterstützen wir unsere Kundinnen und Kunden dabei, dass ihr philanthropisches Engagement eine positive Veränderung bewirkt. Das bedeutet, dass wir sicherstellen, dass das Geld wirklich dahinfliesst, wo es die grösstmögliche Wirkung entfaltet. So können sich unsere Kundinnen und Kunden voll und ganz auf die Auswahl der Themen konzentrieren, die ihnen am Herzen liegen, und ihre Leidenschaft zum Beispiel mit ihrer Familie teilen.

Persönlich bin ich am ehesten geneigt, mich für Fragen der Ungleichheit einzusetzen – ein Thema, das mit COVID-19 noch mehr an Bedeutung gewonnen hat. Auch die Gleichstellung der Geschlechter liegt mir sehr am Herzen. So unterstütze ich beispielsweise das Internationale Zentrum für Frauenforschung, bei dem ich auch Vorstandsmitglied bin.

Üben Sie sich in Bescheidenheit und lassen Sie sich auf die Reise ein.

Philanthropie spielt damit für Sie sowohl privat als auch beruflich eine zentrale Rolle. Woher kommt diese Passion für Philanthropie?

Da habe ich viel von meinen Eltern «geerbt». Sie waren politisch sehr engagiert und nahmen mich zum Beispiel auch an Demonstrationen für mehr Gleichberechtigung mit. Von ihnen habe ich gelernt, dass ich selber etwas tun muss, um die Welt ein wenig besser zu machen.

Der «Drang», die Welt ein wenig besser zu machen, gehört auch zu meiner religiösen und kulturellen Erziehung. Im Judentum gibt es den Begriff Tzedakah. Das bedeutet Nächstenliebe in der einfachsten Interpretation. Oder übersetzt: eine ethische Verantwortung, Gutes zu tun.

Wenn Sie auf Ihre bisherigen Engagements zurückblicken, worauf sind Sie besonders stolz?

Speziell am Herzen liegen mir unsere Social Finance Initiatives, mit denen wir privates Kapital auf neue und effizientere Weise mobilisieren, was zu einem stärker ergebnisorientierten Ansatz führt. Social Finance schlägt eine Brücke zwischen Philanthropie und kommerziellen Investitionen, da es darauf abzielt, neue Arten von Kapital für den sozialen Sektor anzuziehen und ihn durch Ergebnisorientierung effektiver zu machen.

Stolz machen mich zudem Projekte wie Educate Girls und Last Mile Health, mit denen eine ungemeine Hebelwirkung erzielt werden konnte. Dies, indem sie erheblich von den Finanzmitteln der UBS Optimus Foundation und unserem Fokus auf Wirkung, Reichweite und Details profitiert haben. Hier haben wir es geschafft, diejenigen, die die nötigen Ressourcen haben, dazu zu bringen, tiefer in die Taschen zu greifen – und das über eine längere Zeit.

Haben Sie auch schon Rückschläge erlebt?

Ja, auch das ist vorgekommen. Wir haben beispielsweise Projekte finanziert, bei denen der Empfänger nicht bereit war, das Programm ordnungsgemäss zu evaluieren. Oder auch Projekte, bei denen sich abgezeichnet hatte, dass die Mittel nicht in der beabsichtigten Weise verwendet worden wären.

Unmittelbar löst dies unschöne Gefühle aus. Man fühlt sich ein wenig verraten. Wichtig ist aber, dass wir daraus lernen. Dazu gehört beispielsweise, dass man datenbasiert arbeitet – sei es bei der Auswahl des Engagements oder auch bei der Wirkungsmessung. Zudem ist es in solchen Fällen gut, wenn man jemanden zur Seite hat, der genau hinschaut und schnell reagieren kann.

Wenn wir schon bei den Lehren sind, welche Tipps können Sie mit auf den Weg geben?

Das ist eine gute Frage. Spontan kommen mir drei Ratschläge in den Sinn:

  1. Wer das Geld gibt, sollte nicht automatisch auch das Sagen haben
    Neben den Expertinnen und Experten im jeweiligen Bereich sollten Sie besonders auch auf die Begünstigten hören. So können Sie sicherstellen, dass die wahren Bedürfnisse der Betroffenen berücksichtigt werden und ihre Ideen Gehör finden.
    Zudem geht es nicht immer «nur» darum, Geld für die direkte Finanzierung von Aktivitäten bereitzustellen. Es geht auch darum, Aufmerksamkeit für Probleme zu schaffen. Oder eine Infrastruktur zu errichten und zu unterstützen, die es anderen Organisationen erlaubt, wirksam zu arbeiten.
  2. Verfolgen Sie einen strategischen und evidenzbasierten Philanthropie-Ansatz
    Philanthropie ist immer auch ein emotionales Thema – schliesslich will man sich ja für die Themen engagieren, die einem am Herzen legen. Gerade deshalb empfiehlt es sich, eine klare Vision und einen guten Plan für das eigene philanthropische Engagement zu haben. Und nicht zuletzt sollten Sie bei der Auswahl der Projekte und Lösungen bestimmte Kriterien beiziehen, so z.B. die Skalierbarkeit oder Lösungen, deren Wirksamkeit über Daten evaluiert werden können.
  3. Setzen Sie sich mit dem Thema «Finanzen» auseinander
    Der finanzielle Teil der Philanthropie ist und bleibt die zentrale Dimension. Wir müssen kreativer werden, wenn es darum geht, wie wir Finanzinstrumente einsetzen, um langfristige und gross angelegte Veränderungen voranzutreiben. Deshalb lohnt es sich, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen – sei es beispielweise über Plattformen wie UBS Women’s Wealth Academy oder sogar über ein Studium oder eine Weiterbildung.

Und vielleicht noch zuletzt: Üben Sie sich in Bescheidenheit und lassen Sie sich auf die Reise ein. Mit Abstand am meisten habe ich von unseren Projektpartnern selbst gelernt. Sie haben mir einige sehr grundlegende Lektionen darüber gelehrt, was es bedeutet, glücklich und erfüllt zu sein.

Phyllis Costanza, Head UBS in Society und CEO UBS Optimus Foundation

Phyllis Costanza ist seit 2011 CEO der UBS Optimus Foundation. Im Jahr 2018 übernahm sie zusätzliche Verantwortung als Head UBS Philanthropy und 2020 wurde sie zum Head UBS in Society ernannt. Phyllis Costanza war massgeblich an der Neugestaltung der Strategie der UBS Optimus Foundation und der Einführung innovativer Finanzierungsinstrumente wie des ersten Development Impact Bond im Bildungsbereich beteiligt.

Vor ihrer Tätigkeit bei UBS war sie Executive Director und Vorstandsmitglied der Children’s Investment Fund Foundation (CIFF). Zusätzlich zu ihrer Funktion als CEO der UBS Optimus Foundation ist Phyllis Costanza im Verwaltungsrat von Power of Nutrition und der Mikronährstoff-Initiative. Sie hat an der John F. Kennedy School of Government der Harvard University einen Master in Public Policy erworben.

Women’s Wealth Academy

Frauen, die sich aktiv an Finanzentscheiden beteiligen, erhöhen ihre Chance auf finanzielle Sicherheit und machen sich weniger Sorgen um ihre Zukunft.

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