ETFs: Die Kapitalflüsse lügen nicht

Key Takeaways

  • ETFs haben sich von einer Nischenstruktur hin zu einem zentralen Toolkit für Portfolios entwickelt, wobei der globale Markt mittlerweile mehr als 21 Billionen USD ausmacht.1
  • Der aktuelle Markt ist globaler und vielfältiger, wobei aktive ETFs, Fixed Income und die zunehmende ETF-Nutzung ausserhalb der USA an Bedeutung gewinnen.
  • Die nächste Phase dürfte jene Anbieter und Investoren begünstigen, die sich auf die Qualität der Implementierung, die Struktur und die Angemessenheit konzentrieren, dabei aber die einfache Produktverfügbarkeit nicht aus den Augen lassen.

Die Geschichte der modernen ETFs hat zwei Anfangspunkte: Die Idee nahm in den USA Gestalt an, das erste Produkt wurde jedoch in Kanada aufgelegt.

Im Jahr 1990 legte die Toronto Stock Exchange die Toronto 35 Index Participation Units auf, die weitgehend als das erste börsengehandelte Indexprodukt und als Prototyp für die darauf folgende ETF-Struktur angesehen wurden. Drei Jahre später führte der Produktentwickler Nathan Most, der allgemein als einer der Väter des ersten in den USA börsennotierten ETFs gilt, das Konzept mit der Lancierung des SPDR S&P 500 ETF im Jahr 1993 auf dem US-Markt ein.

Aufbauend auf dem Konzept von Warenlagerscheinen entwickelten Most und seine Mitarbeitenden eine Struktur, die es den Investoren ermöglichte, einen Wertpapierkorb an der Börse zu handeln, während der Schaffungs- und Rücknahmemechanismus vorwiegend im Hintergrund abgewickelt wurde.

Diese Ursprungsgeschichte hilft uns dabei zu verstehen, warum und wie ETFs solch eine Machtstellung im Finanzwesen erreichen konnten. Die Struktur stellte eine Kombination aus Elementen dar, welche die Investoren bereits schätzten: Diversifikation, Transparenz und ein Engagement in einem Index. Zudem bot sie aber auch etwas, was Investmentfonds nicht auf dieselbe Weise bieten konnten: den Intraday-Handel. Was als eine geschickte Lösung für ein Problem der Marktstruktur begann, wurde schrittweise zu einem weitaus breiteren Tool für Portfolios.

Heute nehmen ETFs einen festen Platz im Zentrum der modernen Portfoliokonstruktion ein. Sie sind grösser, vielseitiger und in deutlich mehr Anwendungsbereichen vertreten, als sich die Marktteilnehmer in den Anfangsjahren hätten vorstellen können. Nachdem ihr Wachstum jahrelang anstieg, übertraf das Vermögen globaler ETFs Anfang 2026 nun die 20-Billionen-USD-Marke, wobei die Nettozuflüsse bis Februar 2026 über insgesamt 81 aufeinanderfolgende Monate positiv ausfielen.1

In Europa erreichte der Markt ebenfalls eine bedeutungsvolle Grösse, und das Vermögen in ETFs übertraf Ende 2025 die 3-Billionen-USD-Marke2. Gleichzeitig besteht im Vergleich zu den USA weiterhin erhebliches Potenzial für eine stärkere Marktdurchdringung.

Da wir gerne Lehren aus der Vergangenheit ziehen und wesentliche Einblicke erhalten und zugleich die 25 Jahre unserer Teilnahme am ETF-Markt feiern möchten, richten wir unseren Blick zurück auf den Anfang der ETF-Reise, betrachten die gegenwärtige Lage und versuchen uns vorzustellen, was die Zukunft bringen könnte.

Vergangenheit

In vielerlei Hinsicht war das anfängliche ETF-Wertversprechen offensichtlich: transparenter, liquider und effizienter Zugang zu einem Index. Diese Einfachheit bot der Struktur Aufwind, ihr rasches Wachstum im Laufe der Zeit hat ihr jedoch zu dieser strukturellen Stärke in der Vermögensverwaltung verholfen.

Die globale ETF-Branche benötigte insgesamt 16 Jahre, um die erste 1-Billion-USD-Hürde an verwaltetem Vermögen zu erreichen, von der Auflegung des ersten in den USA notierten ETFs im Jahr 1993 bis Ende 2009. Es dauerte dann sieben weitere Jahre, um die 4-Billionen-USD-Hürde zu erreichen, bevor das Wachstum erneut stark anzog und das verwaltete Vermögen Ende 2025 sich der 20-Billionen-USD-Marke annäherte, was einem nahezu fünffachen Anstieg in weniger als einem Jahrzehnt entspricht.3

Die Zahlen erzählen jedoch nur einen Teil der Geschichte. Noch aufschlussreicher als das Wachstum ist wohl die Entwicklung bei fehlendem oder zumindest langsamerem Wachstum. Beispielsweise während der Finanzkrise im Jahr 2008 und dem durch die Coronakrise ausgelösten Börsencrash im März 2020, als die globalen Märkte in wenigen Wochen einen Drittel ihres Werts verloren. Ein ähnliches Beispiel wäre der Zinsschock im Jahr 2022, das eines der schlechtesten Jahre für ein traditionelles 60/40-Portfolio in einer Generation darstellte.

In jedem dieser Fälle unterlag die ETF-Struktur einem Stress, den ihre Schöpfer nicht vollständig hätten vorhersehen können. Und in jedem dieser Fälle hielt sie stand.

Die Liquidität - das am häufigsten von Skeptikern genannte Element, insbesondere bei Anleihen-ETFs - erwies sich als resilienter, als die meisten Kritiker dies erwartet hatten. Denn letztlich konnten die ETFs ihren Fussabdruck in diesen Monaten erweitern und erreichten eine breitere Investorenbasis sowie eine umfassendere Glaubwürdigkeit bei den institutionellen Investoren. Dies dürfte wohl der Grund sein, warum ein cleveres Produktdesign zu einem dauerhaften Merkmal der Finanzlandschaft wurde.

Solch ein Wachstum war das Abbild einer tiefgreifenderen Veränderung des Verhaltens der Investoren: ETFs wurden nicht mehr lediglich als kostengünstige Beta-Vehikel angesehen, sondern zunehmend als praktische Tools für die Allokation, die Implementierung und das Liquiditätsmanagement. Mit der Reifung des Marktes bauten die Anbieter ihre Produktpaletten über die Kernbausteine im Aktienbereich hinaus aus und ergänzten diese um Anleihen, Rohstoffe, Faktorprämien, währungsgesicherte Engagements sowie nachhaltige Anlagestrategien.

Unsere eigene Geschichte ist Teil dieser breiteren Marktentwicklung. Aufbauend auf 40 Jahren Erfahrung haben wir nun ein verwaltetes Vermögen von etwa 1,1 Billionen USD in Index- und regelbasierten Anlagen und unsere ETF-Plattform weist rund 198 Milliarden USD an ETF-Anlagen auf.

Portrait of Andre Mueller

ETFs boten einem breiteren Publikum mit einem wettbewerbsfähigen und effizienten Format wirklich institutionelle Anlagechancen - das ist einer der riesigen Erfolgsfaktoren von ETFs.

– André Müller, Head of Client Coverage, UBS Asset Management

Gegenwart

Der heutige ETF-Markt ist breiter, tiefer und globaler als noch vor einem Jahrzehnt. Auf die USA entfallen zwar rund zwei Drittel der globalen ETF-Anlagen, einige der bemerkenswertesten Wachstumsraten stammten jedoch aus Europa und dem Asien-Pazifik-Raum.

Europa ist in der Tat ein gutes Beispiel für Fortschritt und weiteres Wachstumspotenzial. Die europäischen ETF-Anlagen erreichten Ende 2025 3,2 Billionen USD (Wachstum von 41% und somit schneller als in den USA) und weisen zudem ein eindeutiges Wachstumspotenzial auf, da das verwaltete Vermögen deutlich unter den in den USA gehaltenen 13,4 Billionen USD an ETFs liegt. Die Lücke ist auch bei den Privatanlegern ersichtlich: In Deutschland halten mittlerweile mehr als die Hälfte der Investoren ETFs, dieser Anteil liegt in Frankreich, Italien und Grossbritannien jedoch lediglich bei 21%, 14% bzw. 12%.4

Auch der Produktmix hat sich verändert. Bemerkenswert ist, dass aktive ETFs Ende 2025 lediglich 10% der globalen ETF-Anlagen ausmachten, dabei entfielen auf sie rund 25% der Nettozuflüsse in diesem Jahr.5 In Europa hingegen entfielen auf aktive ETFs 8,5% der Kapitalflüsse, wobei sie lediglich 3% des Gesamtvermögens darstellten. Zudem haben Anleihen an Bedeutung gewonnen. Aktien-ETFs stellen weiterhin rund drei Viertel des globalen Vermögens dar, doch auf Anleihen entfallen bereits rund 17% und ihr Anteil wächst zunehmend.5,6

Dieses umfassendere Toolkit ist einer der Gründe, warum ETFs im Vergleich zu ihren Anfängen an Bedeutung gewonnen haben. Die Investoren setzen sie nicht mehr nur für ein Marktexposure ein, denn die Anwendungsfälle reichen von taktischer Allokation, Portfolioübergängen, Liquiditätskomponenten, nachhaltiger Implementierung bis hin zu einer zunehmend präzisen Portfoliokonstruktion. Auch die Bedeutung der Auswahl des Designs hinter der Struktur hat zugenommen, denn der Fokus liegt zunehmend auf den Indexmethoden und -anbietern, den Replikationsansätzen, den Liquiditätsmerkmalen sowie der Handelsqualität.

Es geht nicht nur um den Zugang zu Beta. Die Diskussion ist komplexer und betrifft die Frage, wie Allokation, Liquidität sowie taktische und strategische Engagements ausgestaltet werden sollen.

– André Müller, Head of Client Coverage, UBS Asset Management

 

Zukunft

Die nächste Wachstumsphase der ETFs wird wahrscheinlich keine einfache Verlängerung der letzten Phase darstellen. Die Struktur ist mittlerweile gut etabliert, weshalb die wichtigere Frage nun ist, welche Anwendungsfälle, Anlageklassen und Bedürfnisse der Investoren das nächste Jahrzehnt definieren werden.

Das aktive Management wird eindeutig einen Teil dieser Antwort darstellen. Da die Produkteinführungen (vor allem in Europa) zunehmen, legen die Branchenprognosen von PricewaterhouseCoopers (PwC) nahe, dass die globalen aktiven ETF-Anlagen von rund 1,7 Billionen USD im Jahr 2025 bis 2030 auf rund 4 Billionen USD ansteigen könnten7, während andere Prognosen sogar noch positiver sind. Dies verstärkt einen bereits vorhanden Wandel, da die Investoren zunehmend die operativen Vorteile der ETF-Struktur suchen, sich jedoch nicht auf ein klassisches Benchmark-Exposure beschränken wollen.

Es macht Sinn, das regionale Wachstum aufmerksam zu betrachten. Die Daten derselben PwC-Umfrage legen nahe, dass sich die gesamten europäischen ETF-Anlagen bis 2030 mehr als verdoppeln könnten (wobei einige Prognosen 5,5 Billionen USD erreichen), während die gesamten ETF-Anlagen im Asien-Pazifik-Raum in demselben Zeitraum in Richtung 5 Billionen USD steigen könnten.8 Sollte dies eintreten, wird der globale ETF-Markt weniger auf die USA ausgerichtet, wettbewerbsfähiger und potenziell vielfältiger in Bezug auf die Strukturen und Anwendungsfälle sein, als dies heute der Fall ist.

Wenn man die Zukunft betrachtet, könnte es verlockend sein, sich auf die schillernden und glänzenden Aspekte der Produktentwicklung zu konzentrieren. Man sollte jedoch bedenken, dass der Grossteil der ETF-Kapitalflüsse in Core-Benchmarks fliesst, und dies dürfte sich wohl nicht ändern. Die Allokation in Core-Index-Exposures über die ETF-Struktur dient als wichtiger Baustein für den Portfolioaufbau für Investoren aller Arten und Grössen, weshalb dies wohl ein wesentlicher Wachstumstreiber bleiben dürfte. Sollten die geopolitischen Spannungen und die Schwankungen an den Devisenmärkten hoch bleiben, dürfte auch die Nachfrage nach stärker operativ und risikoorientierten Lösungen wie währungsgesicherten Anteilsklassen zunehmen.

All dies schafft sowohl Chancen aber auch Verantwortung für die Anbieter. Ein breiteres ETF-Toolkit bietet den Investoren weitere Möglichkeiten, ihre Ansichten auszudrücken, das Risiko zu steuern und Portfolios effizient zu gestalten, es besteht zugleich jedoch auch ein Bedarf an Klarheit in Bezug auf die Struktur, die Liquidität, den Indexaufbau und die Angemessenheit. Wir wissen bereits, dass die Standardisierung der Struktur nicht zu austauschbaren zugrunde liegenden Exposures führt.

In diesem Fall würde die Grösse nicht ausreichen. Die nächste Phase des Wettrennens um die ETFs wird wahrscheinlich von der Kombination der Produktbreite mit Forschung, Qualität der Implementierung, Expertise beim Handel und der Fähigkeit, den Kunden bei der richtigen Handhabung der ETFs zu helfen, abhängig sein.

Es macht aktuell Sinn, innezuhalten und sich zu fragen, was Nathan Most in dieser Situation tun würde.

Seine ursprüngliche Erkenntnis war struktureller Natur. Er erkannte, dass die Mechanik eines Warenlagerscheins – also die Möglichkeit, physische Güter durch ein handelbares Zertifikat zu repräsentieren, ohne den zugrunde liegenden Bestand bewegen zu müssen – ein Problem lösen konnte, an dem jahrzehntelange Innovationen bei Investmentfonds gescheitert waren. Der Korb könnte gehandelt werden, der Schaffungs- und Rücknahmemechanismus könnte im Hintergrund agieren und die Struktur könnte zugleich für Institutionen effizient und für Privatpersonen zugänglich sein. Dies war eine elegante Lösung für ein spezifisches Problem der Marktstruktur, und Most liess nicht nach, bis die Regulierungsbehörden und Börsen überzeugt waren.

Es ist unklar, ob er sich Spot-Bitcoin-ETFs, Bufferstrategien mit Options-Overlays oder aktive Manager, die ganze Investmentfondsreihen in seine Struktur integrieren, hätte vorstellen können. Sein angewandter Grundsatz - also eine sauberere Struktur für etwas, was die Investoren bereits tun wollen - hat jedoch nie an Relevanz verloren.

Portrait of Ian Ashment

Es gibt noch zahlreiche aktive Strategien, die keine ETF-Struktur aufweisen und in den kommenden Jahren migrieren könnten. Das ist eine riesige Chance.

Ian Ashment, Head of Portfolio Engineering and Trading, UBS Asset Management

Marketingmaterial
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C-07/2026 M-005792

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