Fotos: Valeriano Di Domenico

Die berufliche Vorsorge der Schweiz ist sanierungsbedürftig. Welche Lösungsansätze gibt es?

Veronica Weisser: Es liegen vier Hauptvorschläge auf dem Tisch, wie die obligatorische berufliche Vorsorge auf ein stabileres Fundament gestellt werden könnte.

Ein solides Fundament heisst tiefere Renten?

Nicht zwangsläufig. Das grundsätzliche Ziel muss sein, den Umwandlungssatz zu senken – was alle Vorschläge erfüllen. Aber gleichzeitig braucht es auch die Möglichkeit, mehr Vorsorgekapital anzusparen.

Welcher Vorschlag erfüllt dies am besten?

Das ist eine politische Konzession. Der «Mittelweg» als Lösungsvorschlag verschiedener Branchenverbände enthält insgesamt eine ausgeglichene, sozialverträgliche Lösung.

Sind die anderen Lösungsvorschläge weniger ausgeglichen?

Das Modell der Sozialpartner will der Übergangsgeneration das Ja mit einem Rentenzuschuss schmackhaft machen. Während 15 Jahren sollen monatlich bis zu 200 Franken zusätzliche Rente ausgerichtet werden. Der Zuschuss soll im Umlageverfahren erfolgen, das in der 2. Säule nie vorgesehen war.

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Wer soll diesen Zuschuss finanzieren?

Einmal mehr würden die Jungen zur Kasse gebeten, um der älteren Generation die Rente aufzubessern.

Das klingt alles andere als fair ...

Ist es auch nicht. Mit der Lösung der Sozialpartner wird zwar der Umwandlungssatz gesenkt, doch die Umverteilung, die dadurch hätte gesenkt werden sollen, wird sogar ausgeweitet.

Wie wichtig ist es, dass bald eine Lösung gefunden wird?

Es besteht die Gefahr, dass eine unheilige Allianz aus Links und Rechts die Sanierung der 2. Säule scheitern lässt. Das wäre meines Erachtens fatal. Irgendjemand muss die Rentenlast tragen. Und es erschliesst sich mir nicht, warum das nur die Jungen und künftige Generationen sein sollen. In der beruflichen Vorsorge sollten wir alle unsere Altersrenten selbst finanzieren.

Viele Junge möchten so früh aber noch gar nicht für ihr Alter vorsorgen.

Bei der Säule 3a zeigt sich, dass viele junge Menschen tatsächlich noch nicht für ihr Alter ansparen möchten. Und dies trotz der Steuervorteile der Säule 3a. Aber es ist richtig: insbesondere ein 3a-Wertschriftenkonto, beispielsweise investiert in Aktien, würde sich wahrscheinlich über 40 und mehr Jahre noch mehr lohnen als das Sparen in der beruflichen Vorsorge. Die Säule 3a wird ausserdem zu wenig für das Sparen auf Wohneigentum und Selbstständigkeit genutzt. Zudem sollten sich auch die Jungen in den Reformprozess der 2. und der 3. Säule einbringen, um eine faire und nachhaltige Altersvorsorge voranzutreiben.

Dr. Veronica Weisser

Head Retirement & Pension Solutions.
Veronica Weisser studierte Ökonomie, Mathematik und Internationales Management und ist eine Spezialistin für die Schweizer Altersvorsorge. Sie leitet bei UBS den neu gegründeten Sektor Retirement & Pension Solutions. Regelmässig hält sie im In- und Ausland Vorträge zur Weltwirtschaft und zu den Finanzmärkten sowie zum Schweizer Vorsorgesystem.


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