«Mit unserer neuen Maschine könnte für Kraftwerkbetreiber eine neue Ära anbrechen», sagt Urs Morgenthaler. Fotos: Nik Hunger

Wer die Werkhalle der Bunorm AG betritt, fühlt sich wie in einem Science-Fiction-Film. Da steht ein gigantischer Stahlkoloss, der an ein galaktisches Tor aus «Star Wars» erinnert.

Doch die Konstruktion dient praktischen, irdischen Zwecken: Die mobile Drehmaschine namens TURNINGATOR® ermöglicht die Revision schwerer Turbinengehäuse in Wasserkraftwerken – zwecks Effizienzsteigerung. Um solche Arbeiten zu simulieren und die verantwortlichen Techniker zu schulen, hat die Bunorm AG ganze Teile der Turbine nachgebaut. Die Originale sind im Kraftwerk einbetoniert, das in Zentralasien liegt.

Effizienzgewinn für Wasserkraftwerke

«Die Idee einer mobilen Vor-Ort-Bearbeitung geisterte in der Branche schon umher. Doch wir haben sie erstmals verwirklicht, und zwar mit der CNC-Technologie. Unser Kunde verschafft sich damit gegenüber der Konkurrenz einen Wettbewerbsvorteil», erklärt Urs Morgenthaler, der das Familienunternehmen Bunorm AG in Aarwangen in dritter Generation führt. CNC steht für «Computerized Numerical Control» – eine Technologie, die in der Lage ist, Werkstücke für komplexe Formen mit höchster Präzision automatisch zu fertigen.

Welchen Vorteil bringt die Anlage dem Kunden, dessen Namen der Geheimhaltungspflicht unterliegt? Bisher mussten Mechaniker die relevanten Teile in der Turbine grösstenteils manuell bearbeiten. Es galt, jede notwendige Maschine und jedes Element mühsam zum Kraftwerk zu transportieren. «Steht eine Turbine still, kostet das 500 000 bis 750 000 Dollar am Tag. Dank unserer mobilen Bearbeitung gelingt es, die Wartungszeit von einer Woche auf drei Tage zu reduzieren», berichtet Urs Morgenthaler. «Langfristig sparen grosse Kraftwerkbetreiber so viel Geld.»

Trade und Export Finance

Absicherung und Finanzierung internationaler Geschäfte

TURNINGATOR® in Trainingsumgebung: Bald soll das gigantische mobile Konstrukt in einem Wasserkraftwerk von Turbine zu Turbine fahren, um diese auf Hochtouren zu bringen.

Von der Skizze bis zum Service

Eine andere Frage ist, weshalb ein Schweizer KMU mit rund 70 Mitarbeitenden, davon 10 Auszubildende, das Rennen um ein internationales Pionierprojekt gemacht hat. Urs Morgenthaler sieht den Schlüssel zum Erfolg darin, dass die Bunorm AG die gesamte Wertschöpfungskette vom Engineering bis zur Fertigung inklusive Service abdecken kann, wobei je nach Herausforderung externe Partner aus dem Netzwerk zum Zug kommen. «Wir konnten ein Gesamtpaket bieten und dieses in sehr kurzer Zeit liefern. Vom ersten Gespräch bis zur Verwirklichung dauerte es lediglich ein Jahr», betont Urs Morgenthaler.

Jeder Grossauftrag setzt jedoch viel Vertrauen voraus: Der Produzent kann die kostspielige Maschine nur entwickeln und herstellen, wenn der Kunde dafür eine Anzahlung leistet. Und dazu ist dieser in turbulenten Zeiten nur bereit, wenn er im Gegenzug eine Bankgarantie erhält. Es braucht also eine angesehene Bank, die bereit ist, für die Leistung einzustehen.

Partner mit Herz für den Werkplatz: Markus Seewer, Marktgebietsleiter UBS Firmenkunden Oberaargau, Emmental & Berner Oberland, und Urs Morgenthaler, Geschäftsführer der Bunorm AG

Win-win-Situation dank SERV und UBS

«Als sich unser Projekt abzeichnete, suchten wir das Gespräch mit UBS», erinnert sich Urs Morgenthaler. Die Bank analysierte die kritischen Punkte und zeigte Möglichkeiten auf, den finanziellen Spielraum mit Produkten der Schweizerischen Exportrisikoversicherung SERV zu erweitern. Und sie begleitete die Bunorm AG mit Rat und Tat, etwa in administrativen Belangen.

Es entstand eine Win-win-Situation: Die Bunorm AG konnte dem Kunden eine Bankgarantie bieten und erhielt dafür die Anzahlung. «Die SERV ermöglicht liquiditätsschonende Lösungen. Die Bondgarantie der SERV bot UBS eine Rückversicherung. Deswegen konnte sie uns eine Bankgarantie ausstellen, ohne unsere Kreditlimiten zu kürzen», sagt Morgenthaler. Ergänzend kommt eine Vertragsgarantieversicherung der SERV hinzu. Diese schützt die Bunorm AG vor Verlusten, falls sie beispielsweise aufgrund politischer Risiken nicht liefern könnte und der Kunde die Bankgarantie in Anspruch nehmen müsste.

Bondgarantien im Überblick

Bei Exportgeschäften sind Schweizer Lieferanten häufig verpflichtet, eine Bankgarantie zugunsten des Auftraggebers zu leisten. Die Vertragsgarantieversicherung schützt den Lieferanten gegen Verluste infolge einer Inanspruchnahme einer solchen Bankgarantie. Dieses SERV-Produkt kann zusätzlich um eine Bondgarantie ergänzt werden. Dadurch bleibt die bestehende Kreditlimite bei der Bank nahezu unbelastet. Das stärkt die Liquidität des Lieferanten und schafft Luft für andere Projekte.

Heute ist es üblich und zum Teil auch gesetzlich vorgeschrieben, für grössere Aufträge eine Ausschreibung durchzuführen. Häufig verlangt die Stelle, die eine Ausschreibung durchführt, zusätzlich zum Angebot auch eine Bankgarantie seitens der interessierten Gesellschaften. Die ausschreibende Stelle schützt sich damit vor unseriösen oder unzureichend qualifizierten Offerten.

Erfüllungsgarantien bieten dem Auftraggeber die Sicherheit, dass der Lieferant seine vertraglich übernommenen Verpflichtungen einhält. Falls der Lieferant in Verzug gerät, nicht vollständig oder überhaupt nicht liefert, kann der Auftraggeber mit der Inanspruchnahme der Garantie einen Ausgleich für den ihm entstandenen Schaden einfordern.

Die Zahlungsbedingungen für grössere Exportaufträge sehen in der Regel vor, dass der Lieferant eine Anzahlung erhält. Um sicherzugehen, dass sein Geld auch vertrassgemäss verwendet wird, verlangt der Auftraggeber vom Lieferanten eine Anzahlungsgarantie. Sollte der Lieferant seinen Verpflichtungen nicht nachkommen, kann der Auftraggeber den geleisteten Anzahlungsbetrag bei der garantierenden Bank zurückfordern.

Schweissen mit Leidenschaft – ob es um Millimeterarbeit oder um Konstruktionen bis zu 10 Tonnen geht

Ideale Lösung für KMU

Wenn Urs Morgenthaler mit der Bunorm AG ein Stück Industriegeschichte schreibt, geht es ihm nicht um seinen Erfolg. Sein Herz schlägt für den Werkplatz Schweiz. Umso mehr will er andere KMU ermutigen, ihre Chancen mit der SERV abzuklären. «Die SERV offeriert Optionen mit Gestaltungsspielraum. Manchmal ist es einfacher, ein Geschäft im Ausland zu finanzieren als eines mit inländischen Kunden!»

Allerdings prüft die SERV jedes Projekt detailgenau. Und das braucht Vorlaufzeit. Er habe jedoch die SERV als sehr kundenorientiert erlebt, unterstreicht Urs Morgenthaler. Sein Tipp: «Wenden Sie sich schon für die Offertstellung an eine Bank, die über langjährige Erfahrung im internationalen Geschäft verfügt.»

Auf Schritt und Tritt stösst man in der Werkhalle auf weitere futuristische Anlagen. Der TURNINGATOR® dürfte nicht lange das jüngste Projekt mit der SERV bleiben. Und ganz bestimmt wird es nicht das letzte Mal sein, dass die Bunorm AG beim Thema Innovation eine Vorreiterrolle übernimmt.

Urs Morgenthaler

Der Maschinenbauer und Ingenieur Urs Morgenthaler leitet die Bunorm AG in dritter Generation. Mit 70 Mitarbeitenden und einem vielseitigen Maschinenpark ist die Bunorm AG in der Lage, sowohl anspruchsvolle Einzelteile wie auch hochkomplexe Anlagen zu entwickeln und herzustellen.

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