Einblicke in die Anlagestrategie Den Portfoliostellenwert von Fixed Income ermitteln

Wie können Anlegerinnen und Anleger Investitionsmöglichkeiten im Bereich Fixed Income finden, die ihrer Situation und ihrem Portfolio gerecht werden?

von Thomas Wacker 23. Sep 2026

Die Zentralbanken haben ihren geldpolitischen Kurs verschärft und damit neue Chancen bei Anleihen aus Europa, dem Nahen Osten und Afrika eröffnet. Die US-Notenbank Fed nahm im September eine Zinserhöhung von 25 Basispunkten (Bp.) vor, was den Zielkorridor bezogen auf den Leitzins auf 3,75% bis 4% ausweitete, während die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen ebenfalls um 25 Bp. auf 2,5% anhob. Die Bank of Japan hob ihren Leitzins auf 1,25% an – den höchsten Stand seit 1995. Auch wenn die Bank of England den Leitzins unverändert bei 3,75% beliess, signalisierte sie zugleich eine erhöhte Bereitschaft für eine künftig restriktivere Geldpolitik, sollte sich der Inflationsdruck gesamtwirtschaftlich bemerkbar machen.

Unterdessen ist das CIO der Ansicht, dass die Märkte eine stärkere Straffung erwarten, als es das zugrunde liegende Umfeld hergibt. Die Kerninflation in der Eurozone hat nachgelassen, während die Kerninflation in Grossbritannien stabil bleibt. Das CIO geht in diesem Jahr von jeweils einer weiteren Zinserhöhung durch die EZB und die Fed aus, anstatt eines langwierigen Straffungszyklus mit vier zusätzlichen Zinserhöhungen durch die EZB und drei weiteren durch die Fed, wie aktuell am Markt eingepreist. Trotz der Unsicherheit weisen wir darauf hin, dass die Renditen von auf US-Dollar lautenden Anleihen mit Investment-Grade-Rating um mehr als 150 Bp. steigen müssten, damit die Gesamtrenditen in den nächsten zwölf Monaten in negatives Terrain abrutschen.

Unsere Gesamtpositionierung

Das CIO stuft festverzinsliche Wertpapiere als «Attraktiv» ein. Wir bevorzugen den gezielten Kauf von Qualitätsanleihen mit mittlerer bis langer Laufzeit, deren Kurs steigen könnte, falls eine straffere Geldpolitik das Wachstum dämpft oder die Inflationserwartungen senkt. Ausgewählte Investment-Grade-Emittenten bieten attraktive Erträge über mittlere Laufzeiten hinweg, während Engagements in risikoreicheren Anleihen verhältnismässig kurzfristige Laufzeiten aufweisen sollten.

Wir bleiben bei den Staatsanleihen der massgeblichen Industrieländer mit den längsten Laufzeiten unvermindert vorsichtig, da fiskalische Bedenken und die zunehmende Emission von Anleihen im Zusammenhang mit KI zu nachhaltig hohen Laufzeitprämien (die zusätzliche Rendite, die Anlegerinnen und Anleger für das Halten von Anleihen mit höherer Zinssensitivität verlangen) führen dürften.

Unsere Positionierung ist keine Pauschallösung: Ertragsorientierte Anleger bevorzugen unter Umständen kurzfristige Anleihen

Anleger, die Wert auf Erträge legen, können ihre Portfolios mittels Qualitätsanleihen mit kürzerer Laufzeit aufbauen, darunter ausgewählte Emittenten mit Investment-Grade-Rating, und derlei Engagements durch ausgewählte Hochzins- und Schwellenländeranleihen mit kürzeren Laufzeiten ergänzen. Diese Anleihenallokationen bieten zusätzliches Ertragspotenzial, sollten jedoch nicht mit defensiven Qualitätsanlagen verwechselt werden.

Risikoscheue europäische Anleger sollten eventuell länger laufende Anleihen in Erwägung ziehen

Eurobasierte Anleger, die sich über eine Wachstumsschwäche Sorgen machen, sollten darüber nachdenken, ihre Duration bei qualitativ hochwertigen Staatsanleihen, Agency-Anleihen, Unternehmensanleihen und Covered Bonds selektiv zu verlängern. Diese könnten profitieren, wenn sich das Wachstum abschwächt und die Renditen nachlassen. Allerdings kann eine längere Duration auch zu «Buchverlusten» (beziehungsweise Marktwertschwankungen) führen, sollten die Renditen von ihrem derzeitigen Niveau aus weiter zulegen.

Anleger, die nicht bereit oder in der Lage sind, stärkere Schwankungen in ihrem Portfolio in Kauf zu nehmen, könnten stattdessen diversifizierte Anlagestrategien im Bereich Fixed Income ins Auge fassen. Diese bieten die erforderliche Flexibilität, um Engagements in den Bereichen Zinsen, Kredite, Währungen, Länder und Sektoren aktiver anzupassen.

Anleger im Nahen Osten, die bereits in Schwellenländeranleihen investiert sind, könnten strukturierte Strategien in Betracht ziehen

Anleger im Nahen Osten, die bereits stark in Anleihen aus Schwellenländern engagiert sind, sollten nicht einfach nur ertragsbedingt weitere Investitionen vornehmen. Wir halten eine Diversifizierung über globale Anleiheninvestitionen ausserhalb der Region für sinnvoll.

Änderungen hinsichtlich der geldpolitischen Erwartungen und eine erhöhte Zinsvolatilität können Anlegern Chancen eröffnen, um Ertragsstrategien in Betracht zu ziehen, deren Renditen an das Zinsniveau oder den Zinsverlauf gekoppelt sind. Derartige Strategien können traditionelle Anleihenengagements ergänzen und Anlegern dabei helfen, in einem Umfeld, in dem die Leitzinsen und Anleihenrenditen volatil bleiben, Erträge zu generieren.

Die jeweils angebrachte Herangehensweise hängt von den Zielen, dem Anlagehorizont, dem Liquiditätsbedarf und der Risikotragfähigkeit des jeweiligen Anlegers ab. Anleger sollten sich darüber im Klaren sein, dass die Erträge von bestimmten Faktoren im Zinsumfeld abhängen können und dass derartige Anlagestrukturen potenziell mit Einschränkungen, Komplexität, Liquiditätsengpässen und dem Emittentenrisiko einhergehen. Zinsgebundene Strategien sollten daher Teil einer diversifizierten Ertragsallokation sein und kein Engagement in qualitativ hochwertigen Kernanleihen ersetzen.

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