CIO Essentials Was bringt die zweite Jahreshälfte für Wirtschaft und Anleger?

In der ersten Jahreshälfte war die Konjunktur durch die Sperrung der Strasse von Hormus und den damit verbundenen deutlichen Anstieg der Erdölpreise geprägt. Auch die zweite Jahreshälfte dürfte für die Schweizer Wirtschaft wegen des Nahostkonflikts und den US-Zöllen anspruchsvoll werden. Aktienmärkte haben dank des robusten Gewinnwachstums der Firmen Potenzial, wovon Anlegerinnen und Anleger mit einem breit diversifizierten Portfolio profitieren können.

von Alessandro Bee 22. Jul 2026

In der ersten Jahreshälfte war die Konjunktur durch die Sperrung der Strasse von Hormus und den damit verbundenen deutlichen Anstieg der Erdölpreise geprägt. Die Schweizer Wirtschaft zeigte sich in dieser Phase aber erstaunlich widerstandsfähig. Trotz der Turbulenzen im Nahen Osten konnte sich der Schweizer Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe, der wichtigste Indikator für den Zustand der hiesigen Industrie, im zweiten Quartal verbessern. Das lag zum einen daran, dass der Anstieg der Ölpreise zwar deutlich war, aber nicht so massiv wie zu Beginn der Nahostkrise befürchtet. Zum andern spielen die Erdölpreise für die Schweizer Wirtschaft inzwischen eine untergeordnete Rolle und verfügen deshalb nur noch über ein begrenztes Schadenspotenzial.

Zölle zurück im Rampenlicht
In den Hintergrund getreten sind in der ersten Jahreshälfte die US-Zölle. Am 20. Februar dieses Jahres erklärte der Oberste US-Gerichtshof die bis dann geltenden Zölle für ungültig. Diese hatten von August bis November 2025 für Schweizer Exporteure 39 Prozent betragen und wurden nach dem Beginn der Verhandlungen zwischen der Schweiz und den USA über ein Zollabkommen auf 15 Prozent reduziert. Nachdem diese Zölle für ungültig erklärt worden waren, führte die US-Regierung neue Zölle ein, welche 10 Prozent betragen und für 150 Tage gelten.

Am 24. Juli laufen die heute geltenden Zollmodalitäten aus. Es ist unwahrscheinlich, dass die US-Regierung die alten Zölle auslaufen lässt, ohne neue zu lancieren. Für die Schweizer Wirtschaft wäre es verkraftbar, wenn die Zölle von 15 Prozent, die vor dem 24. Februar gegolten haben, wieder in Kraft treten. Die USA haben aber auch Vorbereitungen getroffen, deutlich höhere Zölle gegen die Schweiz zu erlassen.

Neben den Zöllen bleibt die Situation im Nahen Osten weiterhin fragil. Die Chancen auf eine vollständige Öffnung der Strasse von Hormus in den nächsten Monaten sind weiterhin intakt, denn für US-Präsident Trump würde vor den Zwischenwahlen im Herbst ein starker Anstieg der Ölpreise ungelegen kommen. Nach der jüngsten Eskalation mit neuen Angriffen auf beiden Seiten gestaltet sich aber der Weg zu dieser Öffnung holprig. Damit dürfte auch für die Schweizer Wirtschaft die zweite Jahreshälfte eine anspruchsvolle Phase bleiben und das Wachstum weiterhin unter dem langfristigen Trend liegen.

Während das zweite Halbjahr auf der Wachstumsseite mit Turbulenzen verbunden sein dürfte, sieht es auf der Inflationsseite deutlich ruhiger aus. Der Anstieg der Erdölpreise im zweiten Quartal hat bei der Inflation lediglich zu einem Anstieg von 0,2 Prozent im Februar auf 0,6 Prozent im Frühsommer geführt. Ohne bedeutende Inflationsrisiken hat die Schweizerische Nationalbank ihren Leitzins bei 0 Prozent belassen und auch die längerfristigen Zinsen haben sich wenig bewegt. Das Wachstum unter dem langfristigen Trend deutet nicht darauf hin, dass sich bei den Zinsen die Situation in der zweiten Jahreshälfte deutlich verändert.

Was bedeutet dieses Umfeld für Schweizer Anleger?
Im ersten Halbjahr konnten die Aktienmärkte trotz der geopolitischen Risiken zulegen und auch im zweiten Halbjahr haben die Märkte dank des robusten Gewinnwachstums Potenzial. Alternativen gibt es für Schweizer Anleger wenige, da das Sparkonto bei Nullzinsen kaum Ertrag generiert. Wer eine positive Rendite anstrebt, muss sich in den Finanzmärkten engagieren und das vor allem in den Aktienmärkten, denn auch auf den Schweizer Anleihenmärkten ist kaum mehr Rendite zu holen. Trotzdem gehören Anleihen in ein Portfolio, denn nur ein breit diversifiziertes Portfolio ist in der Lage, von den Opportunitäten an den Finanzmärkten zu profitieren, aber gleichzeitig auch vor den Risiken, die auch in der zweiten Jahreshälfte vorhanden sind, zu schützen.

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