
Die Märkte sind mit spürbarer Erleichterung in die Woche gestartet. Auslöser ist die Nachricht, dass sich die USA und Iran auf eine Absichtserklärung geeinigt haben, die am Freitag in Genf formalisiert werden könnte. Kern des Entwurfs ist offenbar ein 60-tägiges Fenster für weitere Verhandlungen – flankiert von einem Waffenstillstand und der Aussicht auf eine Wiederöffnung der Strasse von Hormus. Auch wenn ähnliche Meldungen in der Vergangenheit schlussendlich nicht umgesetzt wurden, reagierten die Märkte heftig auf die Ankündigung: Brent fiel zum Wochenstart um mehr als 4 Prozent auf rund 83 US-Dollar je Barrel und die Aktienmärkte zogen deutlich an. Gleichzeitig gaben die Renditen auf den Anleihenmärkten nach: Mit sinkenden Energiepreisen dürfte auch der Inflationsdruck nachlassen, womit die Zentralbanken auch weniger unter Druck stehen dürften, ihre Leitzinsen zu erhöhen.
So weit, so gut – doch Hoffnung ist nicht Gewissheit. Bislang liegt kein veröffentlichter Vertragstext vor und es ist unklar, wie weit zwischen den Kriegsparteien Einigkeit herrscht bezüglich der entscheidenden Streitpunkte. Es stellen sich daher die Fragen: Wie dauerhaft ist die Deeskalation? Welche Sanktionen könnten tatsächlich gelockert werden? Welche eingefrorenen Vermögenswerte wird Iran zurückbekommen und wann? Und wie belastbar ist eine Vereinbarung, wenn die schwierigsten Fragen – vom iranischen Atomprogramm bis zur regionalen Sicherheitsordnung – erst in den kommenden 60 Tagen verhandelt werden sollen? Diese Unsicherheiten erklären teilweise auch, warum neben Aktien auch Gold fester notierte: Die Börse preist bessere Aussichten ein, aber noch keinen dauerhaften Frieden.
Was bedeutet all dies für Anlegerinnen und Anleger? Kurzfristig spricht einiges für eine Fortsetzung der Rally: Fallende Ölpreise entlasten die Inflationserwartungen, nehmen Druck von den Notenbanken und stützen risikoreiche Anlagen. Das könnte die Aktienrally bis Jahresende auch verbreitern; neben den Technologiewerten könnten zunehmend auch zyklischere Marktsegmente profitieren, etwa von dem weiterhin robusten Wachstum, den fiskalpolitischen Impulsen und den weniger restriktiven geldpolitischen Perspektiven. Für Anleihen ist das Bild dagegen gemischter: Sinkende Inflationsängste helfen, Sorgen um die Nachhaltigkeit von Staatsschulden dürften die Märkte aber weiter beschäftigen.
Die Energieversorgung dürfte strategisch ein spannendes Thema bleiben: Denn selbst wenn die Strasse von Hormus dieses Mal für den Schiffverkehr offenbleibt, hat die Krise erneut gezeigt, wie fragil Lieferketten heute sind. Deshalb dürfte der Fokus vielerorts weiter auf dem Ausbau der Energie- und Versorgungssicherheit liegen – mit Investitionen in Infrastruktur, Netze, Speicher und robuste Lieferketten. Für Anleger bedeutet das: kurzfristig mehr Rückenwind für Risikoanlagen, mittelfristig aber weiterhin ein Umfeld, in dem Qualität, Diversifikation und reale Einkommensquellen entscheidend bleiben. Investitionen in alternative Anlagen, wie etwa den Ausbau von strategischer Infrastruktur, dürfte attraktive Opportunitäten bieten für jene Anleger, die in ihrem Portfolio Platz für illiquide Investitionen haben. Denn unabhängig davon, ob wir im Mittleren Osten eine kurze Atempause oder einen längeren Waffenstilstand erleben, dürften solche Anlagen weiterhin vom Ausbau strategisch wichtiger Infrastruktur profitieren.