CIO Essentials Künstliche Intelligenz hält bei Schweizer Firmen Einzug – und bei Anlegern?

Gemäss einer Umfrage von UBS bei 2500 Schweizer Unternehmen hält die künstliche Intelligenz rasch und breit abgestützt in Firmen Einzug. Unternehmensverantwortliche betrachten KI mehrheitlich als Chance. Diese neue Technologie dürfte letztendlich Schweizer Firmen produktiver und konkurrenzfähiger machen. Für Anlegerinnen und Anleger gefällt uns ein Portfolio aus Aktien von Unternehmen, die von den neuen Technologien profitieren, und von Unternehmen, die diese Technologien entwickeln.

von Alessandro Bee 27. May 2026

Neben dem Konflikt im Nahen Osten beschäftigt im Moment ein anderes wichtiges Thema die Anlegerinnen und Anleger: künstliche Intelligenz (KI). Auf der einen Seite gelang dem US-Aktienmarkt S&P 500 dank der starken Performance der von KI beflügelten US-Technologie-Mega-Caps in den letzten Wochen eine Rally. Auf der anderen Seite wird in den Medien die Gefahr eines massiven Beschäftigungseinbruchs wegen KI immer öfter thematisiert. Mitte Mai zierte die Schlagzeile «Prepare for an AI jobs apocalypse» die Titelseite des renommierten Wirtschaftsmagazins «The Economist».

Wo steht die Schweiz bezüglich der KI?
UBS hat mit dem Marktforschungsinstitut Intervista eine repräsentative Umfrage bei rund 2500 Schweizer Firmen aus allen Branchen durchgeführt, um herauszufinden, wie sie KI aktuell einsetzen und welche Auswirkungen diese neue Technologie auf die Unternehmenslandschaft und den Arbeitsmarkt hat.

Eines vorneweg: Die Befürchtungen, dass KI zu einem Kahlschlag in der Beschäftigung führt, werden von den befragten Firmen nicht geteilt. Rund 30 Prozent der Schweizer Unternehmen, die aktuell KI einsetzen, sehen zwar einen Beschäftigungsrückgang wegen KI. Aber mehr als die Hälfte der Firmen prognostiziert eine unveränderte Beschäftigung und rund 10 Prozent der Firmen erwarten dank KI gar einen Beschäftigungszuwachs.

60 Prozent der Schweizer Firmen nutzen KI
Gemäss der Umfrage hält KI rasch und breit abgestützt in Schweizer Unternehmen Einzug. Aktuell kommt KI in sechs von zehn Unternehmen zum Einsatz. Kleine Unternehmen nutzen sie vor allem für Analysezwecke, während bei grossen Firmen die Automatisierung von Geschäftsprozessen die meistgenannte Anwendung ist. Allerdings setzen nur die wenigsten Firmen KI wirklich systematisch in allen Geschäftsprozessen ein. Es besteht also noch Luft nach oben. Drei Viertel der Unternehmen, die KI heute einsetzen, wollen denn auch den Einsatz in den kommenden Jahren ausbauen.

Schweizer Firmen betrachten KI mehrheitlich als Chance, insbesondere in der Automatisierung von Geschäftsprozessen, in einer verbesserten Entscheidungsfindung und in der Optimierung der Qualität. KI dürfte damit letztendlich Schweizer Firmen produktiver und konkurrenzfähiger machen, womit nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Anleger profitieren.

Anleger können von neuen Technologien profitieren
Nutzniesser von Produktivitätsfortschritten sind nicht nur die Unternehmen, die KI anwenden, sondern auch die Unternehmen, die Produkte und Dienstleistungen zur Verfügung stellen, damit KI überhaupt angewendet werden kann. Hier sind aber die Anlagemöglichkeiten in der Schweiz spärlich. Der Anteil der Informationstechnologie im Schweizer Aktienmarktindex beträgt weniger als 1 Prozent. Wer hier Chancen nutzen möchte, ist gezwungen, über die Landesgrenzen hinauszublicken. Dabei sind die USA als Markt weiterhin zentral. Aber aus Diversifikationsgründen und wegen des starken technologischen Fortschritts werden auch Märkte wie China und Südkorea interessanter.

Die künstliche Intelligenz ist nur ein Teil von Innovationen, die unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft in den nächsten Jahren transformieren können. Dazu gehören auch die Elektrifizierung und die Langlebigkeit. Das Thema Langlebigkeit vereint Unternehmen, die von der Alterung der Gesellschaft profitieren oder ein längeres Leben erst ermöglichen. Und hier ist die Schweiz nicht nur in der Anwendung, sondern auch bei der Entwicklung mit Unternehmen in der Pharmaindustrie, der Medizinaltechnik und mit Vermögensverwaltern gut aufgestellt. Aber auch hier sollten sich Anleger nicht nur auf Schweizer Unternehmen beschränken. Bei der Bekämpfung von Fettleibigkeit, beispielsweise, sind internationale Unternehmen führend.

Mit einem Portfolio aus Aktien von Unternehmen, die von den neuen Technologien profitieren, und von Unternehmen, die diese Technologien entwickeln, lassen sich die oben beschriebenen Chancen unserer Meinung nach nutzen. Eine gute Diversifikation ist dabei entscheidend: geografisch – gewisse Chancen eröffnen sich in der Schweiz, viele aber global –, über Branchen und Themen hinweg, aber auch innerhalb der Branchen. Die Nahostkrise hat weiterhin das Potenzial, die Weltwirtschaft und die Märkte in Schwierigkeiten zu bringen. Das bedeutet für Anleger eine Diversifikation über den Aktienbereich hinaus.

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