CIO Essentials Was der Konflikt im Nahen Osten für Anleger bedeutet

Der Konflikt im Nahen Osten hat dazu geführt, dass der Öltransport durch die Strasse von Hormus zum Erliegen kam. Das führte zu einem markanten Anstieg der Energiepreise und weckte Wachstums- und Inflationsängste. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass geopolitische Ereignisse in der Regel nur kurzfristige Auswirkungen auf die Aktienmärkte haben. Wir empfehlen Anlegerinnen und Anlegern, investiert zu bleiben. Gegen ein negatives Szenario bietet ein breit diversifiziertes Portfolio Schutz.

von Alessandro Bee 25. Mar 2026

Seit März werden Wirtschaft und Finanzmärkte durch den Konflikt im Nahen Osten geprägt. Der Öltransport durch die Strasse von Hormus – durch die weltweit rund 20 Prozent des Erdöls fliessen – kam zum Erliegen. Dies führte zu einem markanten Anstieg der Öl- und Gaspreise.

Sollte der Konflikt in den kommenden Wochen abklingen und der Öltransport durch die Strasse von Hormus wieder aufgenommen werden, dürften sich die Energiepreise beruhigen. Der Schaden für die globale und die Schweizer Wirtschaft wäre überschaubar. Für dieses Szenario spricht, dass ein anhaltend hoher Ölpreis die Chancen von US-Präsident Trump auf einen Wahlsieg bei den US-Zwischenwahlen im Herbst schmälert. Steigende Benzinpreise würden die bereits heute grossen Sorgen der US-Wähler über hohe Lebenshaltungskosten weiter steigern. Donald Trump hat daher ein klares Interesse daran, den Konflikt kurz zu halten und die Energiepreise zu stabilisieren.

In diesem Szenario dürfte die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihre Nullzinspolitik fortführen, wie sie das am letzten Donnerstag anlässlich ihrer geldpolitischen Beurteilung nochmals bekräftigt hat. Damit dürften auch die längerfristigen Zinsen in der Schweiz auf dem gegenwärtigen Niveau verweilen.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass solche geopolitische Ereignisse in der Regel nur kurzfristige Auswirkungen auf die Aktienmärkte haben, weshalb wir Anlegerinnen und Anlegern empfehlen, investiert zu bleiben. Ein gutes Beispiel dafür ist der «Tag der Befreiung»: Vor rund einem Jahr brachen die Märkte ein, nachdem Trump viele seiner Handelspartner mit hohen Zöllen belegte; die Aktienmärkte erholten sich jedoch rasch wieder und setzten ihren Aufwärtstrend fort.

Die Vergangenheit zeigt auch, dass Versuche, bei geopolitischen Ereignissen zum richtigen Zeitpunkt zu verkaufen und dann später wieder in den Markt einzusteigen, oft scheitern. Wer aber sein Engagement im Aktienmarkt schrittweise und diszipliniert erhöhen möchte, soll sich von der Volatilität nicht abschrecken lassen. In der langen Frist ist nicht entscheidend, ob man den perfekten Zeitpunkt für den Einstieg erwischt hat, sondern dass man im Aktienmarkt investiert ist, der – über die lange Frist – eine weit höhere Rendite aufweist als das Sparkonto.

Höhere Ölpreise über einen längeren Zeitraum nicht ausgeschlossen
Auch wenn es gute Gründe gibt, dass der Konflikt bald abklingt, darf das Risiko, dass sich dieser Konflikt über mehrere Monate hinzieht und die Energiepreise entsprechend lang hoch bleiben, nicht ausser Acht gelassen werden.

Ein solches negatives Szenario könnte in zwei Phasen einen Einfluss auf die Finanzmärkte ausüben. In einer ersten Phase dürfte der Anstieg der Inflation wegen höherer Energiepreise im Mittelpunkt stehen. Wenn die Energiepreise für einen längeren Zeitraum auf einem hohen Niveau bleiben, dürften sich die Finanzmärkte in einer zweiten Phase auf ein deutlich langsameres Wirtschaftswachstum oder gar eine Rezession einstellen.

In dieser zweiten Phase könnte die Angst vor einer deutlichen Abschwächung des Wachstums auf den Aktienmärkten lasten und gleichzeitig zur Erwartung führen, dass die Zentralbanken ihre Leitzinsen senken, um die Wachstumsabschwächung zu bekämpfen. Das wiederum würde zu tieferen langfristigen Zinsen führen, was höhere Anleihenpreise bedeutet. Von sinkenden Zinsen profitiert in der Regel auch Gold. Mit einem breit diversifizierten Portfolio können Anleger sicherstellen, dass in diesem Negativszenario den Rückschlag für das Portfolio durch die positive Entwicklung von Anleihen und Gold abgefedert wird.

In einer ersten Phase, wenn der Anstieg der Inflation im Mittelpunkt steht, könnten die Finanzmärkte aber auch damit rechnen, dass die Zentralbanken versuchen, mit höheren Leitzinsen die Inflation in den Griff zu bekommen. Eine solche Entwicklung war bereits 2022 zu beobachten. Damals führte der Einmarsch Russlands in die Ukraine zu einem Anstieg der Energiepreise. Der Aktienmarkt verlor in der Folge an Boden. Weil aber auch die Zinsen anstiegen, war auch die Entwicklung der Anleihen negativ. Ein Portfolio, das nur aus Aktien und Anleihen bestand, verlor 2022 deutlich an Wert.

In einer solchen Situation hilft es, das Portfolio noch breiter aufzustellen – mit Realwerten oder alternativen Anlagen, zum Beispiel Hedge Funds, die bei Inflation und steigenden Zinsen dem Portfolio einen zusätzlichen Schutz bieten.

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