
Die Unsicherheit ist heute förmlich greifbar. Am Wochenende haben Israel und die USA im Iran militärisch interveniert. Der Schweizer Franken hat sich in den letzten Wochen vor dem Hintergrund grosser geopolitischer Risiken deutlich aufgewertet. Gegenüber dem US-Dollar notierte er Ende Februar rund 3 Prozent stärker als zu Beginn des Jahres und rund 15 Prozent höher als Anfang 2025 . Auch gegenüber dem Euro konnte der Franken zulegen. Er näherte sich Ende Februar der 0.90-Marke, nachdem er sich im letzten Jahr noch bei 0.93 bewegte.
Die US-Interventionen in Venezuela zu Beginn des Jahres und aktuell im Iran haben die Nachfrage nach Währungen, die den Ruf eines sicheren Hafens besitzen, verstärkt. Zudem belastet die protektionistische Ausrichtung der US-Handelspolitik das Vertrauen der Anlegerinnen und Anleger in den US-Dollar, was die Franken-Nachfrage weiter erhöht.
Die Gründe für die Aufwertung gegenüber dem Euro liegen für einmal nicht bei der europäischen Konjunktur, den Ängsten um Staatsschulden oder der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Vielmehr dürfte der Franken mit seinem Ruf als sicheren Hafen im Moment von der Unsicherheit mehr profitiert haben als der Euro und somit auch gegenüber diesem an Boden gutgemacht haben.
Die Frankenaufwertung stellt schlechte Neuigkeiten für hiesige Exporteure dar. In den USA hat der Oberste Gerichtshof zwar einen Teil der Zölle der Trump-Regierung für rechtswidrig erklärt, US-Präsident Donald Trump hat die «Zollmauer» mit neuen Zöllen aber umgehend wieder aufgebaut. In Deutschland ist noch wenig von den erhofften Impulsen durch das Fiskalpaket zu sehen. Da kommt die Aufwertung des Frankens zum falschen Zeitpunkt.
Auch Anleger vom stärkeren Franken betroffen
Der stärkere Franken bringt aber auch Anleger hierzulande ins Grübeln. Eine Aufwertung des Frankens macht nicht nur Schweizer Güter im Ausland teurer, sie lastet auch auf der Performance von ausländischen Aktien in Franken. Eine Verteuerung des Frankens ist nicht die Ausnahme, sondern war vielmehr die Regel in der Vergangenheit und dürfte sich auch in der Zukunft fortsetzen. Macht es in einem solchen Kontext überhaupt Sinn, im Ausland anzulegen, insbesondere vor dem Hintergrund von globalen Unsicherheiten? Sollte man sich im Portfolio nicht vielmehr auf den Schweizer Finanzmarkt konzentrieren?
Für einen ausschliesslichen Fokus auf inländische Werte werden oft zwei Argumente ins Feld geführt. Erstens: Kotierte Schweizer Unternehmen bieten den «Fünfer und das Weggli». Sie profitieren über ihre starke globale Ausrichtung von der Dynamik der globalen Märkte, aber ihre Aktien sind gleichzeitig in Franken denominiert und damit die Aktionäre nicht direkt von der Frankenaufwertung betroffen.
Zweitens: Globale Aktien weisen zwar in lokaler Währung oft eine Outperformance gegenüber Schweizer Aktien auf. Berücksichtigt man aber die Aufwertung des Frankens, so reduziert sich diese Outperformance deutlich oder verschwindet ganz. Der MSCI World kann beispielsweise in lokaler Währung von 2011 bis Ende 2025 eine jährliche Performance von 11 Prozent aufweisen, deutlich mehr als der MSCI Switzerland, der während dieser Periode pro Jahr 8 Prozent rentierte. Rechnet man den MSCI World aber in Franken, reduziert sich die jährliche Rendite auf 9 Prozent. Betrachtet man nur die Zeitspanne von 2011 bis 2021 (und schliesst damit die starke Wertentwicklung der US-Tech-Aktien der letzten Jahre aus), so ist von der Performance in Schweizer Franken her sogar kein Unterschied zwischen globalen und Schweizer Aktien mehr festzustellen.
Trotzdem dürfte es sich lohnen, global zu investieren. Denn «der Fünfer und das Weggli» sind nicht so einfach zu haben. Schweizer Aktien können zwar dank ihrer Exportorientierung an der globalen Dynamik teilhaben, die aus diesen Regionen stammenden Gewinne unterliegen jedoch auch dem Wechselkursrisiko.
Ein Blick auf den Schweizer Markt (MSCI Switzerland) zeigt, dass der Gesundheitssektor 40 Prozent des gesamten Index ausmacht. Damit ist der Schweizer Markt stark vom Erfolg dieses Sektors abhängig. Dieser Fokus auf den Gesundheitssektor kann durchaus erfolgreich sein, wie die Vergangenheit öfters gezeigt hat. Aber es ist das Gegenteil von dem, was Anleger unserer Ansicht nach anstreben sollten: mit einer breiten Diversifikation der Anlagen die Abhängigkeit von einem Titel, Sektor oder Markt zu reduzieren und damit dem Portfolio zu mehr Stabilität zu verhelfen.
Es fällt bei der näheren Betrachtung des SMI auch auf, dass der IT-Sektor im Schweizer Aktienuniversum praktisch nicht vertreten ist. Dieser Sektor war in der Vergangenheit ein grosser Treiber der Performance der globalen Aktienmärkte und dürfte im Zeitalter der künstlichen Intelligenz weiterhin eine zentrale Stellung in der Wirtschaft einnehmen. Ein Portfolio ohne ausländische Aktien läuft Gefahr, diese Chancen zu vergeben. Ein breit diversifiziertes Portfolio, nicht nur über verschiedene Anlageklassen, sondern auch über verschiedene Regionen und Währungsräume, kann hingegen diese Opportunitäten besser wahrnehmen.
Wir sehen den Franken auch in einem global investierten Portfolio in einer wichtigen Rolle. Er kann dem Portfolio zusammen mit Gold, der bereits angesprochenen Diversifikation und einem langen Anlagehorizont zu mehr Stabilität in einem unsicheren Umfeld verhelfen.