Edelmetallpreise haben in den vergangenen Tagen eine der markantesten Korrekturen seit Jahren erlebt. Gold, das seit Monaten von einem starken Aufwärtstrend getrieben wurde und bis auf rund USD 5600 pro Unze gestiegen war, verlor innerhalb weniger Tage vorübergehend über USD 1000 je Unze. Silber kam noch deutlicher unter Druck, nachdem der Preis in den letzten Wochen signifikant stärker gestiegen ist. Diese Rücksetzer wirken auf den ersten Blick spektakulär, können jedoch in der Kombination aus technischen Faktoren und einem klar identifizierbaren Auslöser gut erklärt werden.

Der Hauptgrund für die abrupte Bewegung liegt unserer Meinung nach darin, dass Edelmetalle, und insbesondere Silber, stark überkauft waren. Viele technische Indikatoren hatten seit Wochen signalisiert, dass die Preisentwicklung und die Positionierung Niveaus erreicht hatten, die in der Vergangenheit oft in abrupten Korrekturen endeten. In einem solchen Umfeld reicht typischerweise ein einzelner Impuls, um eine deutliche Korrektur auszulösen. Und genau dieser Impuls kam mit der Nachricht, dass Kevin Warsh als Nachfolger von Jerome Powell für den Vorsitz der US‑Notenbank Fed nominiert werden soll. Warsh wird als Vertreter einer straffen geldpolitischen Linie wahrgenommen, insbesondere was die Bilanzpolitik der Fed betrifft. Diese Einschätzung löste eine unmittelbare Reaktion an den Finanzmärkten aus, stärkte den US‑Dollar und setzte die Edelmetallpreise entsprechend unter Druck.

Trotz dieser Entwicklungen spricht aus unserer Sicht wenig für eine grundlegende Trendwende bei Gold. Die übergeordneten Faktoren, die die Rally der vergangenen Quartale getragen haben, sind weitgehend intakt. Politische Unsicherheiten, geopolitische Spannungen, Fragen zur langfristigen Ausrichtung der Fed sowie strukturelle Inflationsrisiken sorgen weiterhin für eine Nachfrage nach realen Werten. Zentralbanken haben ihre Bestände zudem ebenfalls systematisch ausgeweitet und wir erwarten nicht, dass sich dieses Verhalten ändern wird.

Gleichzeitig eröffnet der Blick über den Edelmetallsektor hinaus attraktive Chancen im gesamten Rohstoffbereich. Energie-, Industrie- und Edelmetallmärkte sind von strukturellen Veränderungen geprägt, die sowohl von geopolitischen Faktoren als auch von langfristigen Trends wie Elektrifizierung, Infrastrukturinvestitionen und der globalen Nachfrage nach kritischen Metallen getrieben werden. Unterinvestitionen der vergangenen Jahre, insbesondere im Minensektor, haben das Fundament für mögliche Angebotsengpässe geschaffen.

Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet dies, dass ein breit diversifiziertes Rohstoffengagement nicht nur zusätzliche Ertragspotenziale erschliesst, sondern gleichzeitig einen wertvollen Diversifikationseffekt gegenüber klassischen Anlageklassen bieten kann. Diese Entwicklungen eröffnen auch Opportunitäten für Aktieninvestoren; viele Rohstoff- und Minenunternehmen, insbesondere auch im Edelmetallbereich, sind nämlich bei den aktuellen Rohstoffpreisen äusserts profitabel.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die jüngste Korrektur bei Gold und Silber unserer Meinung nach keine grundlegende Überdenkung der strategischen Rolle von Edelmetallen oder Rohstoffen rechtfertigt. Vielmehr eröffnet die Korrektur Anlegern eine Gelegenheit für eine – möglicherweise kurze – Denkpause, wie sie sich im Rohstoffbereich am besten positionieren sollten. Wir denken, dass die Korrektur eine Einstiegschance bietet in einem Umfeld, das weiterhin von Unsicherheit, strukturellen Inflationsrisiken und robuster Nachfrage getrieben sein dürfte. Gold bleibt unserer Meinung nach als Satelliten-Investment ein attraktiver Baustein für die Portfolioabsicherung und -diversifizierung sowie den langfristigen Vermögensaufbau, während ein breiteres Rohstoffengagement zusätzliches Wachstumspotenzial bieten dürfte. Und falls Anleger Mühe haben mit der hohen Volatilität, kann diese mithilfe strukturierter Produkte teilweise abgesichert werden.

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