
Während geopolitische Themen die Schlagzeilen dominieren, dürften die Märkte ihr Augenmerk ab Mitte Januar wieder auf die Berichtssaison für das vierte Quartal 2025 richten. Gerade für Anlegerinnen und Anleger mit einem mittel- bis längerfristigen Anlagehorizont sind Unternehmensgewinne und -profitabilität, zusammen mit wirtschaftspolitischen Entscheiden, oftmals viel entscheidender für den Erfolg ihrer Anlagestrategie als (geo-)politische Entwicklungen und Ereignisse.
Die Berichtssaison in den USA ist für Anleger besonders relevant; auch weil mit US-Firmen rund zwei Drittel der weltweiten Marktkapitalisierung abgedeckt werden. Letztes Jahr konnte der S&P 500 in den ersten drei Quartalen jeweils ein zweistelliges Gewinnwachstum verzeichnen – und noch wichtiger: Im Schnitt lagen die Ergebnisse rund 6 Prozentpunkte über den Erwartungen, gemäss Schätzungen von Goldmann Sachs. Für das vierte Quartal rechnen die Experten mit einem Gewinnanstieg von rund 7 Prozent; wir denken, dass auch diese Prognose zu konservativ sein wird.
Für das Jahr 2026 prognostizieren wir ein Gewinnwachstum von 12 Prozent im S&P 500 – das wären etwa 310 US-Dollar je Aktie. Während Technologietitel weiterhin solide bleiben dürften, erwarten wir, dass Anleger auch in diesem Jahr verstärkt nach Chancen abseits der grossen Technologiekonzerne in den USA Ausschau halten werden: Europäische Aktien (auch unterstützt durch die anlaufenden Konjunkturprogramme in Europa und insbesondere in Deutschland) sowie asiatische beziehungsweise chinesische Werte dürften für eine stärkere Diversifikation in Betracht kommen. Besonders in Europa könnten fiskalische Anreize und eine deutliche Beschleunigung des Gewinnwachstums für neue Dynamik sorgen. In Asien und China sehen wir Möglichkeiten, um das Portfolio breiter aufzustellen und von unterschiedlichen Wachstumstreibern zu profitieren. Chinesische Technologiewerte bleiben für uns ein spannendes Thema und nach einem eher schwachen Jahr bietet Indien längerfristigen Anlegern eine möglicherweise interessante Eintrittschance, auch wenn die Aktien weiterhin relativ teuer sind. In der Schweiz richten wir unseren Fokus weiterhin auf Dividendentitel.
Die Bewertungen sind einer der wenigen Wermutstropfen: Sie sind hoch – der MSCI Welt notiert im 90. Perzentil seines 25-Jahres-Durchschnitts, die USA sogar noch höher. Und auch Schwellenländeraktien sind leicht teurer im Vergleich zu ihrer Vergangenheit. Das dürfte es für die Märkte schwieriger machen, stark zu steigen. Aber dank der Aussicht auf solide Unternehmensgewinne erwarten wir, dass Aktien gegenüber defensiven Anlagen wie Anleihen trotzdem attraktiv bleiben – sowohl in den USA als auch in Europa und Asien, und insbesondere in der Schweiz, wo die Zinsen nahe bei null sind.
Unsere Schlussfolgerung? Wer den Fokus auf Unternehmensgewinne und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen legt – und sich nicht nur von geopolitischen Schlagzeilen leiten lässt –, dürfte auch 2026 gute Aussichten haben auf solide Renditen an den Aktienmärkten. Und obwohl wir erneut zweistellige Renditen für die USA erwarten – auch dank des anhaltenden Booms im Bereich der künstlichen Intelligenz –, dürfte die internationale Diversifikation ein wichtiges Thema bleiben. Das begünstigt Europa, selektive Titel in Asien, aber auch in der Schweiz, die auch 2026 mit einem ähnlich hohen Gewinnpotential aufwarten dürften.
