Das neue Jahr ist nur wenige Tage alt, hat aber bereits das erste grössere geopolitische Vorkommnis erlebt: Der venezolanische Präsident Nicolás Maduro und seine Frau wurden von US-Streitkräften in Caracas verhaftet und in die USA gebracht. Wie US-Generalstaatsanwältin Pam Bondi auf dem Nachrichtendienst X mitteilte, erwartet sie dort ein Prozess, unter anderem wegen Drogenhandel sowie Waffenbesitz und -produktion. Diese Entwicklung markiert einen Wendepunkt für das Land und wirft Fragen auf hinsichtlich der Zukunft Venezuelas und der Rolle der USA in der westlichen Hemisphäre.

Präsident Donald Trump hat angekündigt, dass die USA Venezuela während einer Übergangsphase verwalten werden. Er hat auch betont, dass der US-Zugang zu den venezolanischen Ölreserven – das Land verfügt gemäss Schätzungen über die weltweit grössten Ölreserven – ein wichtiges Motiv der Intervention darstellt. Durch Investitionen soll gemäss Oval Office der Ölsektor revitalisiert werden; zum Wohl der Bevölkerung, aber auch um US-Ölkonzernen Gewinne zu ermöglichen. Gemäss Trump werden diese in den nächsten Jahren Milliarden investieren.

Wie erfolgreich dieses Unterfangen sein wird, wird sich zeigen. Klar ist, dass die Liste der Herausforderungen lang ist und diese komplex sind: Seit Hugo Chávez 1999 die Macht übernommen hatte, fehlt Kapital für Investitionen und Zugang zu Fachkräften. Die komplexe Schuldenrestrukturierung wird die Rückkehr zum internationalen Handel voraussichtlich ebenfalls verzögern. Zudem könnte der Wiederaufbau durch Probleme im Zusammenhang mit der Regierungsführung und der Sicherheit erschwert werden. Vieles wird wohl davon abhängen, wie gut die Zusammenarbeit mit Venezuelas Interimspräsidentin, Delcy Rodríguez, funktionieren wird. Präsident Trump hat zwar die Präsenz von US-Truppen in Venezuela nicht ausgeschlossen, die Vergangenheit hat aber gezeigt, wie schwierig es sein kann, ein fragiles Land zu stabilisieren oder gar zu transformieren. Ein Blick auf den Ölpreis suggeriert, dass auch die Märkte vorerst nicht mit zusätzlichen venezolanischen Barrels rechnen: Der Preis für Rohöl hat kaum auf die Intervention reagiert.

Die Verhaftung von Präsident Maduro wirft auch die Frage auf, ob anderen Regierungen ein ähnliches Schicksal blühen könnte und wie die Märkte darauf reagieren würden. Mit diesem Eingriff hat die US-Regierung ihren Anspruch auf die Vormachtstellung in der westlichen Hemisphäre deutlich gemacht und gezeigt, dass sie die Fähigkeiten und den politischen Willen für solche militärisch anspruchsvollen Unterfangen hat. Gleichzeitig hat sie ihren Führungsanspruch für die gesamte Region unterstrichen; eine Rolle, die in der jüngeren Vergangenheit zunehmend von Ländern wie China und Russland beansprucht wurde. Und Präsident Trump deutete öffentlich die Möglichkeit ähnlicher Schritte gegen andere Regierungen an, beispielsweise in Kolumbien, Kuba oder dem Iran.

Sollte dem so sein, müssen sich Anlegerinnen und Anleger auch in diesem Jahr mit geopolitischen Spannungen auseinandersetzen. Wie stark die Märkte davon betroffen wären, würde auch davon abhängen, ob eine allfällige Krise lokal begrenzt bleibt – wie bis jetzt im Falle Venezuelas oder auch dem Krieg im Nahen Osten – oder ob die Märkte die Möglichkeit für einen regionalen Konflikt einpreisen, schlimmstenfalls gar einen Stellvertreterkrieg zwischen den USA und Russland und/oder China. Das mag zwar besorgniserregend wirken, ein regionaler Konflikt erscheint uns aber unwahrscheinlich. Zudem hat die Vergangenheit gezeigt, dass lokale geopolitische Schocks ein global diversifiziertes Portfolio meistens nur limitiert treffen. Die aktuelle Situation in Venezuela bestätigt somit, dass selbst gravierende politische Umbrüche in einem Land nicht zwangsläufig zu starken Marktverwerfungen führen müssen.

Wichtigere Markttreiber – wie Unternehmensgewinne und geld- oder fiskalpolitische Entscheide – werden typischerweise kaum durch geopolitische Faktoren beeinflusst. Entsprechend scheint uns aus Anlegerperspektive wichtiger, die Entwicklung dieser Faktoren zu verfolgen. Unser Ausblick diesbezüglich bleibt weiterhin positiv. Wir glauben, dass ein diversifiziertes Portfolio auch in diesem Jahr deutlich höhere Renditen erwirtschaften kann als Barmittel oder Spargeldguthaben und damit das optimale Instrument bleibt für einen längerfristigen Vermögenserhalt und -aufbau. Ganz nach dem Motto: Was nicht kaputt ist, soll man nicht reparieren. Strukturierte Strategien können zudem helfen, Risiken abzusichern, Einkommen zu generieren und/oder den systematischen Aufbau des Aktienengagements voranzutreiben. Gerade auch für konservativ ausgerichtete Investoren dürfte dies eine bessere Strategie sein, als in einem Nullzinsumfeld überhöhte Sparguthaben zu horten.

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