
Ein spannendes, aber auch anstrengendes Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Ich möchte allen Leserinnen und Lesern für ihre Treue und die konstruktiven und wertvollen Rückmeldungen danken. Ich wünsche Ihnen frohe, besinnliche Festtage und für das neue Jahr gute Gesundheit, Zufriedenheit und erfolgreiche Investments.
Wie jedes Jahr werde ich auch dieses Jahr die Weihnachtstage mit Verwandten, Freunden und Nachbarn verbringen. Und zwangsläufig werden sich die Gespräche irgendwann von den Geburten, den aussergewöhnlichen Begabungen des Nachwuchses und den Aufstiegschancen des FC Aarau hin zur Makroökonomie, Politik und den Finanzmärkten verlagern. Um dem alljährlichen Ansturm an Fragen standzuhalten, habe ich mir auch dieses Jahr einige Gedanken gemacht und diese für Sie aufgeschrieben. Möglicherweise helfen Ihnen meine Notizen, die familiären und gesellschaftlichen Gespräche während Ihrer Festtagszusammenkünfte auch in diesen Bereichen erfolgreich zu ergänzen.
Die erste und wohl spannendsteFrage für nächstes Jahr: Ist KI eine Blase?
Vorweg gilt es festzuhalten, dass Blasen im Voraus kaum vorherzusagen, während ihres Entstehens schwer zu erkennen und nach ihrem Platzen schwierig zu verstehen sind. Aber nur weil wir keine endgültige Antwort haben, kann es trotzdem sinnvoll sein, die Frage zu diskutieren. Beginnen wir mit den Indizien, die für eine Blase sprechen. Die Bewertungen sind hoch und der zunehmende Wettlauf um Investitionen wird teilweise via zirkuläre Finanzierungsmodelle getätigt, das heisst, Investitionen in ein Unternehmen werden genutzt, um Produkte zu kaufen, die von den investierenden Unternehmen verkauft werden. Zudem erfüllen viele KI-Anwendungen die Erwartungen der Nutzer nicht.
Es gibt aber auch gute Gründe zur Annahme, dass dies nicht eine Wiederholung der Dotcom-Ära ist. KI erwirtschaftet bereits heute Umsätze – einige Schätzungen gehen für 2025 von weltweit mehreren Hundert Milliarden US-Dollar aus. Die kommerzielle Nutzung nimmt zu und laut McKinsey setzen inzwischen bereits fast 90 Prozent der Unternehmen regelmässig KI ein. Es stimmt zwar, dass die Rendite vieler Investitionen hinter den Erwartungen zurückbleiben wird und die Mehrheit der Start-ups scheitern dürfte. Aber ebenso gilt: Je stärker sich die Anwendungsfelder verbreitern und kommerzielle Anwendungen zunehmen, desto mehr wird die fortlaufende Monetarisierung der KI aussergewöhnliche Renditen für die Unternehmen bringen, die die Technologie umsichtig einsetzen und kreativ nutzen. Unser Fazit: Streuen Sie Ihr KI-Engagement, aber bleiben Sie investiert.
Zölle, Zentralbankunabhängigkeit oder doch höheres Wachstum, strukturelle Reformen in Europa oder gar nachhaltiger Frieden: Welche Themen werden nächstes Jahr die Märkte dominieren?
2025 war ein Jahr voller Überraschungen. Daran dürfte sich 2026 kaum etwas ändern. Die Liste der Anlegersorgen ist lang und gespickt mit prominenten Vertretern wie die bereits erwähnte KI-Euphorie, die Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed, geopolitische Spannungen oder die zunehmende Staatsverschuldung. Auch das Thema der Zölle dürfte nicht plötzlich vom Tisch sein. Präsident Trump hat unlängst erklärt, dass Zölle (oder auf Englisch: tariffs) sein Lieblingswort bleibe. Diese Themen sind spannend und emotional und bieten oft ausreichend Stoff für abendfüllende Diskussionen. Sie verdrängen aber teilweise den Fokus auf das Sachliche und Wesentliche. Die Aktienmärkte haben sich in diesem Jahr in erster Linie gut entwickelt, weil die Unternehmensgewinne weiter stiegen – nicht zuletzt dank den Fortschritten im KI-Bereich. Und wir glauben, dass diese Entwicklung auch im neuen Jahr weitergehen kann. Und daneben gibt es auch Raum für positive Überraschungen: Höhere Fiskalausgaben dürften das Wachstum in Europa unterstützen und mögliche Reformmassnahmen könnten gar das strukturelle Wachstum verbessern. Unser Fazit hier: Anleger sollten sich in erster Linie um die Fundamentaldaten kümmern. Einzelne Themen, ob optimistischer oder pessimistischer Natur, dürfen ebenfalls Platz in einem Portfolio haben, aber vorzugsweise als ergänzende Satellitenanlagen.
Wird die SNB die Leitzinsen im nächsten Jahr in den negativen Bereich senken und was können wir vom Schweizer Franken erwarten?
Für die Schweizerische Nationalbank (SNB) dürfte die Schwelle für eine Rückkehr zu negativen Leitzinsen hoch bleiben. Martin Schlegel, der Präsident des Direktoriums, betont zwar oft, dass die SNB ihre Geldpolitik von Quartal zu Quartal festlegt. Er hat aber auch wiederholt auf die wirtschaftlichen Herausforderungen hingewiesen, die mit negativen Zinsen verbunden sind. Zudem erwarten wir tiefe, aber nicht negative Inflationszahlen für 2026 sowie leicht besseres Wachstum. Unser Fazit: Für negative Leitzinsen bräuchte es eine grössere Krise; davon gehen wir im Moment nicht aus. Aber von Zinserhöhungen ist die SNB wohl ebenfalls ein gutes Stück entfernt.
Kommen wir zum Schweizer Franken: Der hat 2025 das gemacht, was er am besten kann: aufwerten. Innerhalb der Gruppe der G10-Währungen – die Gruppe der zehn (und seit dem Beitritt der Schweiz im Jahr 1964 sogar elf) führenden Industrienationen – war heuer einzig die schwedische Krone stärker als der Franken. Der zentrale Treiber hinter dieser Aufwertung war die ausgeprägte Schwäche des US-Dollars; die US-Währung hat 2025 gegenüber allen Währungen der Gruppe an Wert verloren. Ein Blick auf unsere Prognosen suggeriert, dass der Aufwertungsdruck auf den Franken im nächsten Jahr vorübergehend nachlassen könnte, insbesondere wenn die erwartete Konjunkturerholung in der Eurozone eintritt. Längerfristig dürfte aber der Franken weiter aufwerten. Bezüglich der Wechselkursrisiken gilt darum wohl auch im nächsten Jahr, dass eine teilweise Absicherung zwar Geld kostet, aber eben auch hilft, Risiken zu reduzieren – Risiken, die unserer Meinung nach über Aktienpositionen lukrativer eingesetzt werden können.
