
Geldpolitische Entscheide spielen seit Jahren eine zentrale Rolle für Anlegerinnen und Anleger. Daran dürfte sich auch 2026 nichts ändern, obwohl die Märkte heuer vermehrt mit Themen wie künstlichen Intelligenz, Digitalisierung, Elektrifizierung sowie politische und geopolitische Risiken beschäftigt waren. Aus Schweizer Perspektive spielt auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) und die Europäische Zentralbank eine wichtige Rolle, nicht zuletzt, weil deren geldpolitische Entscheide einen starken Einfluss auf Wechselkurse, Zinsen und die hiesige Konjunktur und Exportindustrie haben. Zentralbankentscheide, wie jene der US-Notenbank Fed und der SNB diese Woche, dürften also auch im kommenden Jahr die Märkte bewegen.
Mit Blick auf die USA gilt seit Langem, dass sich die Aktien oft nach oben bewegen, wenn die Fed die Leitzinsen senkt. Tiefere Zinsen lassen Bewertungen attraktiver erscheinen, da der Anleihenmarkt weniger Renditen bietet und das Warten auf künftige Gewinne darum mit geringeren Opportunitätskosten verbunden ist. Zudem wirken sie sich in der Regel belebend auf das Wachstum aus, wenn auch erst Monate oder gar Quartale später.
Die Aussicht auf weitere Zinssenkungen hat sich darum auch in den letzten Monaten positiv auf die Märkte ausgewirkt, trotz anhaltender Sorgen über die Resilienz der US-Wirtschaft. Es ist gut möglich, dass die Märkte auch in den kommenden Monaten hin- und hergerissen bleiben zwischen der Angst vor einer weiteren Wachstumsverlangsamung und dem Optimismus, dass schwächeres Wachstum weitere Zinssenkungen bringen dürfte.
Aus Anlegerperspektive sind drei Schlussfolgerungen zentral: Erstens ist ein weiterer Abschwung durchaus möglich, fundamental deutet aber wenig auf eine grössere Krise hin. Bei schlechten Nachrichten sollte die Euphorie über weitere Zinssenkungen also mittelfristig die Angst vor einer Wachstumsverlangsamung übertrumpfen und damit dürften die Finanzmärkte schlechte Nachrichten auch weiterhin als gute Neuigkeiten behandeln. Zweitens konnten wir vermehrt beobachten, dass etliche Zentralbanken die Leitzinsen auch dann lockerten, wenn die Inflation über ihrem Zielwert lag. Dies verringert die inflationsbereinigten Renditen von Anleihen und damit ihre Attraktivität. Stattdessen bieten Aktien und Investitionen in reale Werte – Infrastruktur, Immobilien oder Rohstoffe – eine bessere Möglichkeit zur Kaufkrafterhaltung und -steigerung. Drittens ist eine sorgfältige Liquiditätsplanung und eine gute Diversifikation wichtig, um trotz allem möglichst gut auf allfällige Kursrückschläge vorbereitet zu sein. Im Falle einer Krise dürften die grossen Zentralbanken zwar ihre Zinsen schnell und deutlich senken, was mittelfristig zu einer Erholung führen dürfte, aber Vorsicht ist bekanntlich besser als Nachsicht.
Mit Blick auf die Schweiz hat die SNB wie schon im September nun auch im Dezember ihren Leitzins bei 0 Prozent belassen. Wir erwarten, dass die Schwelle für eine Rückkehr zu negativen Leitzinsen auch im nächsten Jahr hoch bleibt; tiefe, aber nicht negative Inflationserwartungen sowie leicht verbesserte Wachstumschancen sprechen dafür, dass die SNB die Leitzinsen in absehbarer Zukunft unverändert belässt.
Mit der erwarteten Erholung in Europa könnte der Euro in unserem Basisszenario gegenüber dem Franken moderat an Wert gewinnen. Bezüglich des US-Dollars erwarten wir, dass sich der USDCHF-Wechselkurs um die 0.80-Marke einpendeln könnte. Die weiteren Zinssenkungsschritte der Fed sollten den Dollar in den kommenden Monaten zwar weiter belasten, aber wir rechnen für 2026 mit einer nachlassenden Nachfrage für «Safe-Haven»-Währungen, was die Attraktivität des Frankens schwächen dürfte.
Gleichzeitig aber bleibt die SNB wohl weit davon entfernt, die Zinsen zu erhöhen. Solange die Inflation am unteren Ende ihres Zielbereichs bleibt, käme eine Rückkehr zu einer restriktiveren Geldpolitik überraschend. Zudem zeigen die Risiken für den globalen Konjunkturverlauf eher nach unten als nach oben und politische Überraschungen oder geopolitische Spannungen können jederzeit für eine weitere Franken-Aufwertung sorgen. Anleger sollten darum auch im kommenden Jahr gegen eine mögliche Franken-Verteuerung gewappnet sein. In unserem Risikoszenario könnte EURCHF auf 0.88 bis 0.92 und USDCHF auf 0.68 bis 0.72 fallen, begleitet von sinkenden Zinsen in der Schweiz. Bezüglich Wechselkursrisiken gilt auch im nächsten Jahr, dass eine teilweise Absicherung zwar Geld kostet, aber eben auch helfen kann, Risiken zu reduzieren.
Zusammenfassend können Investoren wohl auch 2026 auf die geldpolitische Unterstützung der Zentralbanken zählen, allen voran auf jene der Fed. Investitionen in reale Werte wie Aktien, Immobilien, Rohstoffe oder Infrastruktur bleiben zentrale Anlagekategorien für die mittelfristige Erhaltung und Steigerung der Kaufkraft. Gleichzeitig bieten eine gute Diversifikation und eine sorgfältige Liquiditätsplanung die Möglichkeit, sich vor negativen Überraschungen zu schützen.
