Die technologische Innovation, insbesondere im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI), beflügelte auch 2025 die Märkte, trotz erhöhter Unsicherheit und verhaltenem Wirtschaftswachstum. Europäische und asiatische Aktien übertrafen ihre US-Pendants zum ersten Mal seit Jahren. Die Zinssätze sanken in vielen Ländern − in der Schweiz sogar auf 0 Prozent − und Gold erreichte neue Höchststände. Mit Blick auf das Jahr 2026 sollten sich Anlegerinnen und Anleger zu einigen entscheidenden Fragen Gedanken machen: Werden der weitere Fortschritt im KI-Bereich und günstigere wirtschaftliche Rahmenbedingungen für weitere Aktiengewinne sorgen oder sogar eine neue Wachstumsära einläuten? Oder werden Enttäuschungen im Technologiesektor, insbesondere bezüglich der Relevanz und Monetarisierung von KI, die hartnäckige Inflation in den USA oder die steigende Verschuldung westlicher Länder die Märkte belasten?

Investitionsausgaben haben auch 2025 den KI-Trend vorangetrieben und die Schätzungen für solche Investitionen haben sich innerhalb von zwei Jahren verdreifacht. Um diese Entwicklung aufrechtzuerhalten, müssen führende Technologieunternehmen und Investoren nicht nur davon überzeugt sein, dass die zukünftige Nachfrage die bisherigen Investitionen rechtfertigt, sondern dass sogar noch mehr Ausgaben erforderlich sind. Dies erscheint uns durchaus möglich: Wir erwarten neues Wachstum durch «agentenbasierte» KI – also intelligente KI-Agenten, die diverse Aufgaben und Tätigkeiten in Unternehmen erfolgreich übernehmen können – und «physische» KI, also die Kombination von KI und Maschine, etwa im Bereich Robotik und autonome Fahrzeuge. Der langfristige Erfolg, und entsprechend die Entwicklung der Märkte, dürfte im Wesentlichen von den Renditen abhängen, die diese Investitionen erzielen.

Wir schätzen, dass die jährlichen Umsätze 1,5 Billionen US-Dollar erreichen könnten. Während die Monetarisierung derzeit noch hinter den Investitionen zurückbleibt, zeigt die Vergangenheit, dass neue Technologien oft mit niedrigen Preisen starten, um die Nutzung zu fördern. Die Preise können aber erhöht werden, sobald die Nutzer gelernt haben, die Technologie effizient zu nutzen, und entsprechend stärker darauf angewiesen sind. Erste Anzeichen für eine breite Akzeptanz sind vielversprechend und stützen unsere Einschätzung, dass die Trends bei Investitionsausgaben und der Verbreitung auch 2026 Aktien mit KI-Bezug weiter antreiben werden.

Das gesamtwirtschaftliche Umfeld dürfte ebenfalls unterstützend bleiben. Wir erwarten, dass die Konsumausgaben in den USA trotz eines schwächeren Arbeitsmarkts widerstandsfähig bleiben. Die hartnäckige US-Inflation dürfte temporär sein und im zweiten Quartal ihren Höhepunkt erreichen, sodass die US-Notenbank Fed trotzdem bis Ende des ersten Quartals zwei weitere Zinssenkungen vornehmen kann, wobei das Wachstum nahe am Trend bleibt. In Europa hält die vorsichtige Stimmung und die hohe Sparneigung voraussichtlich weiterhin an, aber steigende reale Einkommen, ein solider Arbeitsmarkt und steigende Staatsausgeben sollten die Nachfrage stützen. Die Inflation dürfte 2026 unter den Zielwert fallen, was stabile Zinssätze und ein Wachstum nahe am Trend ermöglicht. Darüber hinaus erwarten wir, dass das Wachstum in der Schweiz 2026 mit 0,9 Prozent relativ stabil bleibt.

Die steigende Verschuldung dürfte eine zentrale Herausforderung bleiben. Es ist realistisch, dass die Staatsverschuldung der G7-Staaten bis 2030 auf 137 Prozent des BIP steigen wird. Derweilen ist die politische Bereitschaft, die Kosten von Sparmassnahmen zu tragen, in vielen Ländern kaum erkennbar. Wir erwarten, dass die politischen Entscheidungsträger stattdessen verstärkt auf «finanzielle Repression» setzen – also mit den Zentralbanken zusammenarbeiten, um die Zinslast der öffentlichen Hand niedrig zu halten. Trotz der Bedenken hinsichtlich der steigenden Verschuldung halten wir Qualitätsanleihen weiterhin für wichtig in Portfolios, wobei Anleihen mit mittlerer Laufzeit voraussichtlich Renditen im mittleren einstelligen Bereich erzielen dürften. Da die Schweizer Zinsen jedoch bei null liegen, sollten ertragsorientierte Anleger über traditionelle Anleihen hinausblicken und hochwertige Dividendenaktien sowie ertragsgenerierende strukturierte Anlagen in Betracht ziehen. Auch mit Hedge Funds können Anleger Renditen erzielen, die weniger stark mit der Entwicklung auf den Aktienmärkten korreliert sind.

Hinsichtlich Politik werden wir die Entwicklungen in der Handelspolitik, Führungswechsel bei der Fed und die US-Zwischenwahlen beobachten. Die wichtigsten Risiken für Anleger sind unserer Meinung nach Enttäuschungen beim Fortschritt oder der Nutzung von KI, anhaltende US-Inflation, geopolitische Spannungen − etwa zwischen den USA und China − sowie erneute Sorgen um die steigende Staatsverschuldung.

Was bedeutet dies für Anleger? Trotz dieser Risiken sollten Anleger eine ausreichende Aktienquote und Engagement in transformativen Innovationen wie KI, Energie und Ressourcen sowie Langlebigkeit beibehalten. Anleger mit einer zu geringen Aktienallokation sollten unseres Erachtens erwägen, ihr Aktienengagement zu erhöhen. Zudem halten wir es für wichtig, die Einkommensquellen zu diversifizieren, über ausreichend Liquidität zu verfügen, um mögliche Marktschwankungen zu bewältigen, und Gold sowie alternative Anlagen zur weiteren Diversifizierung des Portfolios beizufügen.

Mit einem klaren Plan und einem gut diversifizierten, stabilen Kernportfolio sind Anleger unserer Ansicht nach gut aufgestellt, um auch im kommenden Jahr Chancen zu nutzen und gleichzeitig genügend widerstandsfähig zu bleiben, sodass Perioden mit erhöhter Marktvolatilität erfolgreich gemeistert werden können.

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