Die Schweizer Wirtschaft durchlebt bewegte Zeiten. Auch der reduzierte US Zollsatz von 15% stellt vor allem kleinere und mittlere Betriebe, die einen hohen Wertschöpfungsanteil ihrer US-Exporte in der Schweiz erbringen, vor beträchtliche Herausforderungen. Doch mit erschwerten Bedingungen kämpft das verarbeitende Gewerbe nicht erst seit Anfang August, als hohe US-Zölle verhängt wurden. In der Breite wohl noch schwieriger ist, dass der für viele Schweizer Zulieferbetriebe so wichtige Transmissionsriemen in die Welt hinaus, nämlich die Industrie in Kerneuropa – allen voran in Deutschland – seit mehreren Jahren kaum mehr vom Fleck kommt. Zwar zeigen vorlaufende Indikatoren eine zaghafte Erholung der europäischen Industriekonjunktur an. Allerdings dürfte diese insgesamt weiterhin unterdurchschnittlich verlaufen und so kaum sehr kräftige Impulse für die Schweizer Industriekonjunktur aussenden.

Entsprechend hält zurzeit eigentlich vor allem noch die Binnennachfrage, insbesondere der private Konsum, die Schweizer Konjunktur über Wasser. Solide Beschäftigungs- und Reallohnzuwächse waren über die vergangenen zwei Jahre eine wichtige Stütze der privaten Konsumnachfrage. Unsere soeben publizierte Lohnumfrage zu den Ergebnissen der Lohnabschlüsse in diesem Herbst zeigt, dass das Nominallohnwachstum mit voraussichtlich rund einem Prozent etwas weniger stark ausfallen wird als in den Vorjahren. Dies ist angesichts der inzwischen auf fast null Prozent gefallenen Teuerung aber auch nicht verwunderlich und dürfte den Konsumentinnen und Konsumenten trotz bescheidenem Nominallohnanstieg im Durchschnitt einen leichten realen Kaufkraftzuwachs bescheren.

Weil die Teuerung in der Schweiz sich nach dem Inflationsschub von 2022/2023 sehr schnell wieder zurückgebildet hat und inzwischen mit knapp über null Prozent schon fast zu tief liegt, konnte die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihren Leitzins ab Anfang letztes Jahr zügig auf null Prozent senken. SNB-Präsident Martin Schlegel hat jedoch schon mehrfach betont, dass die Hürden für eine neuerliche Senkung des Leitzinses in den negativen Bereich relativ hoch seien. Es ist daher davon auszugehen, dass die SNB versuchen wird, den Schritt ins Negative zu vermeiden. Ob er dennoch notwendig wird, dürfte einerseits davon abhängen, ob die globale – und damit die Schweizer – Wirtschaft in den kommenden Quartalen eine Rezession vermeiden kann.

Damit zusammenhängend darf der Franken nicht schlagartig und stark aufwerten, insbesondere nicht gegenüber dem Euro. Dieser ist für einen wesentlichen Teil der Schweizer Zulieferer der bereits schwächelnden europäischen Industrie von besonderer Bedeutung. Denn die Kaufkraftparität – also jener Wechselkurs, den wir als «fair» bezeichnen würden – liegt für EURCHF im Bereich von 0.96, also höher als der Spotkurs derzeit notiert. Noch mehr Frankenstärke würde unserer Ansicht nach somit relativ bald schon die SNB auf den Plan rufen, die allenfalls mit Devisenmarktinterventionen und notfalls weiteren Zinssenkungen einem allzu drastischen Euro-Kurszerfall entgegenwirken würde. Im Währungspaar USDCHF liegt die Kaufkraftparität gemäss unseren Berechnungen eher im Bereich von 0.77, also tiefer als der gegenwärtige Spotkurs. Wir rechnen angesichts der zu erwartenden Verlangsamung der US-Wirtschaft und weiteren Zinssenkungen der US-Notenbank Fed denn auch mit einer weiteren Reduktion des Zinsdifferenzials zwischen Franken und Greenback. Dies dürfte den US-Dollar über die kommenden Monate in Richtung 0.76 tendieren lassen. Absicherungen von USD-Long-Positionen werden unseres Erachtens oberhalb von 0.81 interessant und der Verkauf des CHF-Aufwärtspotenzials kann die Rendite bei niedriger Volatilität verbessern.

Disclaimer