Das jüngste Treffen zwischen Präsident Trump und Präsident Xi stellt ein Schritt in die richtige Richtung dar, indem es eine vorübergehende Atempause im Handelsstreit zwischen den USA und China brachte. Die unmittelbaren Ergebnisse – wie die Senkung der US-Zölle auf chinesische Importe um 10 Prozent, die Verzögerung neuer Exportkontrollen und die Zusage Chinas, den Kauf von US-Sojabohnen wieder aufzunehmen – wurden zwar begrüsst, doch die Märkte reagierten wenig enthusiastisch. Ein Grossteil des Optimismus war bereits eingepreist und es ist unwahrscheinlich, dass die Vereinbarungen die kurzfristigen Aussichten für den Welthandel oder das Wirtschaftswachstum wesentlich verändern werden. Die temporäre Einigung bedeutet auch, dass die Unsicherheit mittelfristig bestehen bleibt, während der längerfristige Trend der Umstrukturierung von Lieferketten und der wirtschaftlichen Entkopplung aller Voraussicht nach intakt bleiben oder gar beschleunigt werden dürfte.

Aus Anlegerperspektive könnte die Vereinbarung jedoch dazu beitragen, dass sich die Märkte für den Moment weniger Sorgen über kurzfristige Abwärtsrisiken machen müssen. Dies ist wohl auch darauf zurückzuführen, dass sie besser verstehen, wie sehr China fähig und bereit ist, seine strategischen Vorteile auch gegenüber den USA zu nutzen.

Die Vereinbarung könnte auch darauf hindeuten, dass sich die Chancen für andere Länder verbessert haben, Abkommen mit den USA zu schliessen. Präsident Trumps Reise nach Asien führte zu neuen Abkommen mit Malaysia, Thailand, Vietnam und Kambodscha, während die Gruppe der ASEAN-Länder ihr Freihandelsabkommen aufwertete. Korea stimmte zu, die Zölle auf Autos zu senken und bis zu 20 Milliarden US-Dollar pro Jahr in die USA zu investieren. Die näher rückenden US-Zwischenwahlen und der schwache Arbeitsmarkt helfen vielleicht, dass die Bereitschaft für pragmatische Kompromisse zunehmen könnte. Am Ende kommt dies unter Umständen auch der Schweiz zugute, die versucht, die Zölle auf ihre US-Exporte zu senken.

Des Weiteren könnten Länder, die Zugang zu strategisch relevanten Rohstoffen bieten, zunehmend in den Fokus rücken. Bedeutende Akteure wie beispielsweise Australien, Kanada, die Demokratische Republik Kongo (DRK), Grönland oder Indonesien könnten mit den USA, Europa und weiteren Ländern multimodale Partnerschaften eingehen, mit eventuell tiefgreifenden längerfristigen Auswirkungen auf diese Volkswirtschaften. Ausserdem ist es möglich, dass öffentliche Investitionen in private Unternehmen zunehmen, ein Ansatz, von dem die Trump-Regierung in letzter Zeit vermehrt Gebrauch machte.

Anlegerinnen und Anleger sollten sich aber trotz der Fortschritte unserer Meinung nach nicht zu sehr in Sicherheit wiegen: Während Abkommen die Spannungen lindern können, bleiben die zugrunde liegenden Rivalitäten bestehen. Der Zugang zu strategisch relevanten Rohstoffen dürfte wohl auch in den kommenden Jahren zu Spannungen und Marktturbulenzen führen.

Was bedeutet das für Anleger? Wir denken, dass die politischen und geopolitischen Risiken in den letzten Wochen leicht abgenommen haben. Dies unterstützt unsere konstruktive Aussicht für Aktien und andere Risikoanlagen. Gleichzeitig wird der strategische Wettbewerb um kritische Rohstoffe und Mineralien in den kommenden Jahren wohl eher zu- als abnehmen angesichts der entscheidenden Rolle, die diese Rohstoffe spielen für den Aufbau von Schlüsseltechnologien wie künstliche Intelligenz, Automatisierung, Elektrifizierung und Digitalisierung sowie für den Zugang zu günstigerer und sauberer Energie. Ein möglicher Weg, sich auf allfällige Marktturbulenzen vorzubereiten, ist unserer Meinung nach ein ausreichendes Engagement in Unternehmen, die an den Lieferketten solcher transformativen Technologien beteiligt sind. Oft erfordert dies auch alternative Investments, zum Beispiel Private Equity oder ein direktes Engagement in Infrastruktur und Rohstoffe. Anleger sollten sich der Risiken bewusst sein, die mit alternativen Anlagen verbunden sind, wie etwa Illiquidität, geringere Transparenz oder weitere Faktoren. Und schliesslich halten wir auch eine internationale Diversifikation für sinnvoll, die unter anderem Titel in China und Asien beinhaltet. Gerade chinesische Unternehmen spielen oft eine dominante Position in den Lieferketten strategisch relevanter Branchen.

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