Die aktuelle Diskussion um eine mögliche Blasenbildung im KI-Sektor dürfte viele Anlegerinnen und Anleger an die Dotcom-Ära erinnern. Doch bei genauerer Betrachtung zeigen sich wichtige Unterschiede, die für einen chancenorientierten Umgang mit der aktuellen Marktentwicklung sprechen. Der KI-Sektor ist zwar auch von Euphorie und hohen Bewertungen geprägt, aber die fundamentale Entwicklung unterscheidet sich von der damaligen Dotcom-Blase.

Während die Dotcom-Blase durch spekulative Übertreibungen, lockere Geldpolitik und zahlreiche unprofitable Unternehmen – pets.com lässt freundlich grüssen – mitgeprägt wurde, ist die aktuelle KI-Rally viel stärker durch tatsächliche Profite abgestützt. Gerade die grossen US-Technologiekonzerne weisen seit Jahren ein robustes Gewinnwachstum auf. Ein weiterer Unterschied liegt bei der Finanzierung: Zwar sind die investierten Summen enorm, doch werden sie heute primär aus erwirtschafteten Cashflows finanziert. So generierten die führenden US-Technologieunternehmen in den letzten zwölf Monaten einen operativen Cashflow von rund 700 Milliarden US-Dollar, was vorerst genug ist, um den hohen Investitionsbedarf zu decken.

Gleichzeitig gibt es aber auch Risiken: Die Bewertungen sind hoch und der zunehmende Hype um die Technologien erhöht die Gefahr von Enttäuschungen. Eine hohe und stark wachsende Zahl von Benutzern – wie etwa bei ChatGTP mit seinen mittlerweile 800 Millionen Besucher pro Monat – macht das Unternehmen nicht automatisch profitabel. Zwar konnte OpenAI den Umsatz deutlich steigern, von 1 Milliarde US-Dollar in 2023 auf 13 Milliarden in 2025, dürfte aber in den nächsten fünf Jahren gemäss eigenen Angaben einen geschätzten Finanzierungsbedarf von 115 Milliarden US-Dollar haben und somit auf ein vorteilhaftes Liquiditätsumfeld angewiesen bleiben.

Die zunehmende Unternehmensverflechtung im KI-Bereich muss ebenfalls kritisch verfolgt werden; Gleiches gilt für die Entwicklung der Rentabilität und Verschuldung. Sollte der rasche technologische Fortschritt nämlich ins Stocken geraten, dürfte die Euphorie an den Märkten schnell abflachen und die Nervosität steigen. Dabei könnten selbst vergleichsweise banale Probleme zu Herausforderungen werden: Zum Beispiel ist unklar, ob genügend Energie produziert werden kann, um den rasant steigenden Elektrizitätsbedarf der KI-Datenzentren zu stillen. Denn wie eine Studie von Bain & Company unlängst darlegte, steigt die Nachfrage nach zusätzlicher Rechenleistung mit jedem neuen Modell-Update mehr als doppelt so schnell, als die Effizienz der dafür benötigen Computerchips zunimmt. Engpässe und Ressourcenknappheit wären denkbare Folgen. Aber es ist gut möglich, dass auch hier zusätzliche Innovationen helfen können, diese Herausforderungen zu bewältigen. Die chinesische Firma DeepSeek hat unlängst gezeigt, wie man mit cleveren Algorithmen auch mit schlankeren KI-Modellen innovative und lukrative Anwendungen entwickeln kann.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der KI-Sektor zwar Züge einer Blase hat, doch die robusten Fundamentaldaten, die solide Finanzierung und das makroökonomische Umfeld weiter dafürsprechen, dass Anleger einen chancenorientierten Ansatz in Betracht ziehen sollten. Gleichzeitig müssen Anleger damit rechnen, dass nicht alle Firmen mit ihren Investitionen und Projekten erfolgreich sein werden. Hohe Investitionen, zunehmende Konkurrenz aus Asien und die rasant schnelle Entwicklung dürften auch im KI-Bereich zu Korrekturen führen. Ob das dann so dramatisch ist, wie man in gewissen Medien lesen kann, wird sich zeigen.

Der Ökonom Joseph Schumpeter beschrieb einst, dass die «schöpferische Zerstörung» nämlich ein verlässlicher Motor für Innovation und Produktivitätssteigerung ist. Entsprechend diesem Konzept dürfte auch die KI-Revolution ihre Hochs und Tiefs sehen, aber Anlegern trotzdem die Möglichkeit bieten, an einer der potenziell spannendsten technologischen Innovationen der Gegenwart zu partizipieren und von den rasch wachsenden Wertschöpfungsketten zu profitieren. Das bedeutet auch, dass Investoren sich Gedanken machen, wie sie ihr Portfolio diversifizieren und aktiv an die wandelnden Opportunitäten anpassen können. Neben den USA sollten auch Firmen in Asien in Betracht gezogen werden. Gerade in China agieren viele Unternehmen auf Augenhöhe mit den führenden US-Konzernen. Sie haben gute Chancen, zu den nächsten Top-Performern zu zählen, sind aber bezüglich Bewertung weit attraktiver als ihre US-Konkurrenten.

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